Fehlschlüsse
So gehen Sie vor
Diese Etappe bearbeiten Sie vor der Doppelstunde zu Hause. Gehen Sie die fünf Schritte der Reihe nach durch. Sie müssen nicht alles in einem Zug schaffen. Ihre Antworten bleiben in diesem Browser gespeichert, und wenn Sie auf demselben Gerät zurückkommen, bringt Sie der Knopf »Weitermachen« zur nächsten offenen Aufgabe.
- 01Einstieg5 Min.
Sie lesen die Ausgangsfrage und halten eine erste Antwort fest.
- 02Erklärung17 Min. Video
Sie sehen das Video oder lesen die Lesefassung; eines von beiden genügt.
- 03Üben30 Min.
Sie bearbeiten 9 Aufgaben, alle mit sofortiger Rückmeldung.
- 04Ihre These15 Min.
Sie erproben das neue Werkzeug an Ihrer eigenen These für »Change my Mind«.
- 05Rückblick5 Min.
Sie prüfen Ihre erste Antwort, schätzen sich ein und schließen die Etappe ab.
Sie haben diese Etappe abgeschlossen. Zum Wiederholen können Sie jederzeit einsteigen, Ihre Antworten sind noch da.
Was Sie brauchen und wo Ihre Antworten landen
Sie brauchen ein iPad oder einen Computer und für das Video Kopfhörer. Ohne Kopfhörer nehmen Sie die Lesefassung; sie enthält dasselbe wie das Video.
Die meisten Aufgaben beantworten Sie direkt auf dieser Seite und bekommen sofort eine Rückmeldung. Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App und tippen danach hier auf »Erledigt«.
Die Arbeit an Ihrer These kommt in jeder Etappe auf ein eigenes Blatt. Sammeln Sie die Blätter in einer Mappe oder in einer Notiz »Change my Mind« in Ihrer Notiz-App; in der Werkstatt am Ende des Bandes brauchen Sie alle.
Ohne Anmeldung bleibt alles in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang gehören die Ergebnisse der Aufgaben mit Antwortfeld, der Abschluss, Ihre Selbsteinschätzung und Ihre Antwort im Rückblick zu Ihrem Bereich, auch auf einem anderen Gerät. Ihre erste Antwort, Ihre Notizen und die Haken bei Heftaufgaben bleiben immer in diesem Browser. Meldet sich hier später jemand mit einem anderen Code an, legt die Seite Ihren Stand beiseite, bis Sie sich wieder anmelden.
Und was passiert in der Doppelstunde?
Die Doppelstunde beginnt mit den Stolpersteinen der Klasse, also mit den Denkfehlern, die in den Aufgaben am häufigsten vorkamen. In diese Liste gehen nur Antworten ein, die über Ihren Schülerzugang bei mir ankommen. Am sichersten melden Sie sich an, bevor Sie üben; was Sie vorher in diesem Browser geübt haben, reicht die Seite bei der Anmeldung nach. Das gilt nicht auf einem Gerät, an dem vorher schon jemand anderes angemeldet war: Dort gehört der Stand im Browser dieser Person.
Danach vertiefen wir das Werkzeug am Material und arbeiten an den Thesen weiter. Wer die Etappe vorher nicht geschafft hat, holt sie in der Stillarbeit nach; die Lesefassung geht auch ohne Kopfhörer.
Erst selbst nachdenken
5 MinutenUm 1830 schreibt ein Philosoph in Berlin eine Gebrauchsanweisung, wie man in jedem Streit Recht behält, ob man nun Recht hat oder nicht. Achtunddreißig Kunstgriffe zählt er auf, dann legt er das Manuskript angewidert weg; gedruckt wird es erst nach seinem Tod. Warum sollten ausgerechnet Sie, die Sie redlich streiten lernen wollen, die Anleitung eines Schummlers lesen?
»Eristische Dialektik ist die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, daß man Recht behält, also per fas et nefas.« · »Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob.«
Bevor Sie weitergehen
Beantworten Sie die Frage zuerst für sich, bevor Sie Video oder Lesefassung öffnen. Ein oder zwei Sätze genügen. Schreiben Sie sie ins Feld darunter, dann zeige ich sie Ihnen im Rückblick wieder. Die Antwort darf falsch sein.
Bleibt in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Das können Sie danach: Sie erkennen die acht Fehlschlüsse des ersten Katalog-Teils, vom Strohmann bis zum Mehrheits-Appell, können sie benennen und an den Wörtern belegen, die das Manöver tragen. Sie wissen, welche Stelle des Arguments jeder von ihnen verfehlt. Und Sie halten eine Behauptung nicht für widerlegt, nur weil jemand sie mit einem Fehlschluss verteidigt hat.
Weiter zu Schritt 2: Erklärung →Das Werkzeug kennenlernen
Video 17 Minuten oder Lesefassung etwa 28 MinutenSo nutzen Sie die Erklärung
Video und Lesefassung erklären dasselbe, eines von beiden genügt. Das Video führt Sie Schritt für Schritt durch den Gedankengang. Die Lesefassung passt, wenn Sie lieber lesen, keine Kopfhörer haben oder während der Aufgaben etwas nachschlagen wollen.
Achten Sie darauf, wo die Erklärung auf die Ausgangsfrage zurückkommt, und vergleichen Sie das mit Ihrer ersten Antwort.
Ohne Verbindung lässt sich das Video nicht abspielen. Die Lesefassung steht Ihnen trotzdem offen.
Das Video konnte nicht geladen werden. Wählen Sie 720p oder 480p für einen neuen Versuch, oder öffnen Sie die MP4-Datei direkt.
Eine Gebrauchsanweisung zum Schummeln
Ich beginne mit einem Buch, das sein Verfasser nie drucken lassen wollte. Um 1830 arbeitet Arthur Schopenhauer in Berlin an einem Manuskript, das er »Eristische Dialektik« nennt, nach dem griechischen Wort für die Kunst des Streitens. Auf der ersten Seite sagt er, worum es ihm geht: um die Kunst, so zu disputieren, »daß man Recht behält, also per fas et nefas«, mit erlaubten Mitteln und mit unerlaubten. Ob man in der Sache recht hat, will er ausdrücklich nicht fragen. Recht behalten ist das Ziel, nicht Recht haben.
Arthur Schopenhauer
1788–1860 · Philosoph, Berlin und Frankfurt am Main
Sein Hauptwerk von 1819 fand kaum Leser. Um 1830 sammelte er 38 Kunstgriffe, mit denen man einen Streit gewinnt, und ließ das Manuskript dann liegen.
Zeichnung nach einer Fotografie von Johann Schäfer, 1859, gemeinfreiDann zählt er auf, womit man das erreicht, und er tut es mit entwaffnender Offenheit. Der erste Kunstgriff heißt »die Erweiterung«: Man soll die Behauptung des Gegners »über ihre natürliche Grenze hinausführen«, bis sie sich leicht schlagen lässt. Der sechste setzt das, was man beweisen soll, einfach voraus, nur unter einem anderen Namen. Der dreißigste rät: »Statt der Gründe brauche man Autoritäten.« Und der letzte, Kunstgriff 38, ist für den Notfall gedacht. Wenn man merkt, dass der Gegner überlegen ist, »so werde man persönlich, beleidigend, grob«.
Bei 38 hört Schopenhauer auf. Zwanzig Jahre später schreibt er, es sei ihm inzwischen zuwider, all die Schlupfwinkel der »mit Eigensinn, Eitelkeit und Unredlichkeit verschwisterten Beschränktheit« auszuleuchten. Das Manuskript bleibt liegen. Erst 1864, vier Jahre nach seinem Tod, gibt es sein Anhänger Julius Frauenstädt aus dem Nachlass heraus, und heute findet man es in fast jeder Buchhandlung, unter einem Titel, den Schopenhauer nie gewählt hat: »Die Kunst, Recht zu behalten«.
Warum sollten ausgerechnet Sie, die Sie redlich streiten lernen wollen, die Anleitung eines Schummlers lesen? Schopenhauer gibt die Antwort selbst, noch bevor der erste Kunstgriff beginnt. Man müsse die unredlichen Kunstgriffe kennen, »um ihnen zu begegnen«, damit man sie in wirklichen Debatten »gleich erkenne und vernichte«. Ein Trick, der einen Namen hat, verliert viel von seiner Wirkung. Wer weiß, wie ein Strohmann gebaut wird, sieht beim Bauen zu, statt ihn für den echten Gegner zu halten.
Am Ende der siebten Etappe habe ich Ihnen Beiträge angekündigt, die wie Kritik klingen und keine sind. Acht davon bekommen jetzt einen Namen, und sieben der acht stehen bei Schopenhauer, manche fast wörtlich. Sie sind die ersten Karten des Fehlschluss-Katalogs, der Sie durch alle drei Bände begleitet. Auswendig lernen müssen Sie die acht nicht, wenn Sie wissen, wo an der Brücke jede von ihnen hingehört.
Was ein Fehlschluss verfehlt
Die Brücke kennen Sie. Die Prämissen sind die Pfeiler, der Übergang ist die Spannweite, die Konklusion ist das andere Ufer. In der siebten Etappe haben Sie gesehen, dass Kritik an genau drei Stellen etwas ausrichten kann: an einem Pfeiler, an der Spannweite oder mit einer eigenen Brücke zurück. Vor allen dreien steht die Vorfrage, ob ein Beitrag die Sache überhaupt trifft.
Ein Fehlschluss ist ein Beitrag, der so aussieht, als täte er eines davon, und es nicht tut. Er sieht aus wie ein Angriff und trifft nichts, er sieht aus wie ein Pfeiler und trägt nicht, oder er sieht aus wie eine Spannweite und ist aus Papier. Jeder Fehlschluss verfehlt also eine bestimmte Stelle des Arguments, und die Karte sagt, welche. Für die acht Karten dieses Bandes ergeben sich daraus drei Orte.
Wo die acht Manöver die Brücke verfehlen
- Das Argument als Brücke: Die Prämissen sind die Pfeiler, der Übergang ist die Spannweite, die Konklusion ist das andere Ufer.
- Drei Manöver berühren die Brücke gar nicht. Sie zielen auf eine Position, die niemand vertritt, auf den Baumeister oder auf den, der kritisiert.
- Drei Manöver stellen einen Pfeiler hin, der aussieht wie eine Prämisse und nachgibt, sobald man dagegen drückt.
- Zwei Manöver ersetzen den Übergang durch etwas, das keiner ist: durch einen Rang oder durch eine Zahl.
Ich vereinfache mit dieser Ordnung ein wenig, denn manche Karte könnte man auch an einen anderen Ort hängen. Aber sie hat einen Vorzug, der die Vereinfachung lohnt. Wer weiß, wo ein Manöver die Brücke verfehlt, weiß auch, wohin er das Gespräch zurückführen muss: vom Baumeister zurück zur Brücke, von der Kulisse zu einem echten Pfeiler, vom Titel zu den Gründen.
Fehlschluss
Ein Beitrag, der eine Stelle des Arguments zu treffen oder zu stützen scheint und sie verfehlt.
BeispielDer Strohmann greift eine Position an, die niemand vertritt, und lässt die echte stehen.
Nicht zu verwechselnmit einem harten Einwand, der an einer Prämisse oder am Übergang ansetzt, auch wenn er unfreundlich klingt.
Neben der Brücke: drei Manöver gegen den Gegner
Die ersten drei Manöver haben gemeinsam, dass ihr Pfeil an der Brücke vorbeigeht. Sie unterscheiden sich darin, wohin er stattdessen fliegt, und das sieht man am besten, wenn man die drei nebeneinanderlegt.
Drei Pfeile, die an der Brücke vorbeigehen
- A greift eine übertriebene Fassung von Bs Position an. Die Strohpuppe fällt um, und Bs Brücke steht unberührt daneben.
- A zielt auf den Baumeister statt auf die Brücke. Was über B gesagt wird, mag sogar stimmen; das Argument prüft es nicht.
- B hat A etwas vorgeworfen. A antwortet nicht darauf, sondern schickt denselben Vorwurf zurück, und Bs Vorwurf ist so offen wie vorher.
Der erste Kunstgriff, die Erweiterung, kommt bei Schopenhauer mit einem hübschen Beispiel. Er behauptet, die Engländer seien die erste dramatische Nation. Sein Gegner antwortet, in der Musik und folglich in der Oper hätten die Engländer nie etwas geleistet. Damit ist aus dem Drama stillschweigend alles geworden, was auf einer Bühne stattfindet. Die erweiterte Behauptung lässt sich leicht schlagen, die echte bleibt unberührt. Heute heißt dieses Manöver Strohmann, nach der Figur aus Stroh, die man aufstellt, weil sie sich beim Umwerfen nicht wehrt. Ob einer vorliegt, entscheidet eine einzige Frage: Würde der Angegriffene die Wiedergabe seiner Position unterschreiben? Wenn nicht, kämpft der Angreifer allein.
Der letzte Kunstgriff ist der bekannteste, und Schopenhauer beschreibt ihn ehrlich als das Mittel dessen, der merkt, dass er verliert. Man geht vom Gegenstand des Streites, »weil man da verlornes Spiel hat«, auf den Streitenden über und greift seine Person an. Ein Beispiel kennen Sie aus der siebten Etappe. Als Fisher den Schluss von der Statistik auf die Ursache anzweifelte, hieß es, der Mann rauche Pfeife und nehme Geld vom Tabakverband. Beides stimmte, und keines von beiden prüfte einen einzigen seiner Sätze. Das ist das Ad hominem, lateinisch »gegen den Menschen«. Es zielt auf den Baumeister statt auf die Brücke, und die Brücke steht danach so gut oder so schlecht wie vorher.
Das dritte Manöver ist Kunstgriff 16, und seine Beispiele vergisst man nicht. Verteidigt jemand den Selbstmord, »so schreit man gleich: warum hängst du dich nicht auf?« Nennt jemand Berlin einen unangenehmen Aufenthalt, heißt es: »warum fährst du nicht gleich mit der ersten Schnellpost ab?« Statt auf das Gesagte zu antworten, hält man dem Sprecher seinen eigenen Maßstab vor und wirft ihm vor, dass er selbst nicht danach lebt. Heute nennt man das Tu quoque, lateinisch »du auch«. Am häufigsten begegnet es als Gegenvorwurf: Einer wirft dem anderen etwas vor, und der schickt denselben Vorwurf zurück. Das fühlt sich an wie eine Verteidigung und ist keine, denn ob der Vorwurf zutrifft, bleibt vollkommen offen. Wer auf »Du räumst nie auf« antwortet »Du doch auch nicht«, hat damit nicht gesagt, dass sein eigenes Zimmer in Ordnung ist.
Eine Kleinigkeit muss ich dabei einräumen. Schopenhauer selbst nennt diesen Griff »argumentum ad hominem«. Das Wort hat seitdem seine Bedeutung gewechselt, und ich benutze es so, wie man es heute benutzt.
Ad hominem und Tu quoque werden oft verwechselt, und im zweiten und dritten Bild oben sieht man, warum es zwei Karten sind. Beim Ad hominem fliegt der Pfeil auf die Person. Beim Tu quoque kehrt ein Vorwurf um, der schon unterwegs war. Beide lassen das Argument liegen, aber nur das Tu quoque braucht etwas, das vom anderen kam und das es zurückschicken kann: einen Vorwurf oder, wie in Schopenhauers Beispielen, einen Maßstab, den der andere selbst aufgestellt hat.
DenkpauseEine Politikerin wirft Vielfliegern vor, dem Klima zu schaden, und fordert, Kurzstreckenflüge teurer zu machen. Ein Zuhörer ruft: »Sie fliegen doch selbst jede Woche nach Brüssel.« Das stimmt. Hat er ihre Forderung damit angeschlagen?
Nein. Er hat ihr Verhalten getroffen, nicht ihr Argument. Ob Kurzstreckenflüge teurer werden sollten, hängt nicht davon ab, wie oft sie selbst fliegt; die Forderung wäre mit denselben Gründen genauso gut oder schlecht, wenn eine Bahnfahrerin sie erhöbe.
Es ist ein Tu quoque, denn der Zuhörer schickt ihren Vorwurf an sie zurück. Ob sie glaubwürdig handelt, ist eine berechtigte Frage, aber eine andere als die, ob sie recht hat.
Am Pfeiler: drei Stützen, die keine sind
Die nächsten drei Manöver berühren die Brücke. Sie stellen etwas hin, das aussieht wie ein Pfeiler, und erst wenn man dagegen drückt, merkt man, dass es Kulisse ist.
Das erste steht bei Schopenhauer nicht unter eigenem Namen. Am nächsten kommt ihm Kunstgriff 14, einen Schluss »triumphierend« für bewiesen zu erklären, der gar nicht bewiesen ist. Seit der ersten Etappe gilt, dass begründen muss, wer behauptet. Die Beweislast-Umkehr dreht diese Regel um: Wer behauptet, verlangt vom anderen den Beweis des Gegenteils, und solange der ausbleibt, soll die Behauptung als belegt gelten. Als Pfeiler dient dann der fehlende Gegenbeweis, und ein fehlender Gegenbeweis trägt nichts. Dass niemand bewiesen hat, dass es keine Geister gibt, ist kein Grund, an Geister zu glauben.
Die Regel, die hier umgedreht wird, hat zwei Hälften, und beide sind wichtig. Wer etwas behauptet, schuldet eine Begründung. Wer daran zweifelt, schuldet die Gründe für seinen Zweifel, aber nicht den Beweis des Gegenteils. Die Prüffrage der Karte lautet deshalb: Wer hat behauptet, und wer soll jetzt beweisen?
Das zweite ist Schopenhauers sechster Kunstgriff, die versteckte petitio principii. Man setzt voraus, was man beweisen soll, »unter einem andern Namen«, und sagt zum Beispiel »guter Name«, wo »Ehre« gemeint ist. Das schönste Beispiel ist älter als Schopenhauer. In Molières Komödie »Der eingebildete Kranke« von 1673 wird ein Medizinkandidat gefragt, warum Opium schläfrig mache. Er antwortet unter dem Jubel der Prüfer: weil es eine einschläfernde Kraft besitze. In Standardform sieht seine Antwort so aus:
- Opium besitzt eine einschläfernde Kraft.
Also macht Opium schläfrig.
Die Begründung enthält schon, was sie begründen soll. Auf der Brücke steht an der Stelle des Pfeilers ein Stück des anderen Ufers, nur neu angestrichen, und wer sich darauf stützt, kommt nirgendwo an, wo er nicht schon war. Das ist der Zirkelschluss.
Ich gebe zu, dass der Zirkelschluss ein merkwürdiger Fall ist. Nach den beiden Prüffragen der fünften Etappe ist das Opium-Argument gültig, und weil die Prämisse stimmt, ist es sogar stichhaltig. Was ihm fehlt, messen diese beiden Fragen nicht: Eine Stütze muss etwas anderes sein als das, was sie stützt. Deshalb steht auf der Karte eine eigene, dritte Frage.
Das dritte ist Kunstgriff 13. Um jemanden zu einem Satz zu bringen, gibt man ihm »das Gegenteil dazu« und lässt ihm die Wahl, wobei man das Gegenteil »recht grell« ausspricht. Soll er zugeben, dass man den Eltern gehorchen muss, fragt man: »Soll man in allen Dingen den Eltern ungehorsam oder gehorsam sein?« Schopenhauer fügt ein Bild hinzu, das die Sache genau trifft. Stellt man Grau neben Schwarz, kann man es weiß nennen, und stellt man es neben Weiß, kann man es schwarz nennen.
Was das Entweder-oder verschweigt
- Schopenhauers Frage bietet zwei Felder an, und wer das schwarze ablehnt, soll das weiße nehmen müssen.
- Zwischen den beiden liegt eine ganze Reihe von Haltungen, und die vernünftigste steht irgendwo dazwischen.
Das ist das Schwarz-Weiß. Der Pfeiler, der hier steht, ist die stille Prämisse »es gibt nur diese zwei«, und sie ist meistens falsch.
An der Spannweite: zwei Übergänge aus Papier
Die letzten beiden Karten teilen sich bei Schopenhauer einen einzigen Kunstgriff, die Nummer 30, und der beginnt mit dem Satz, den ich schon zitiert habe: »Statt der Gründe brauche man Autoritäten.« Schopenhauer rät sogar, welche man wählen soll: solche, die der Gegner respektiert, und am besten solche, die er »gar nicht versteht«, weil die den größten Eindruck machen.
Was geschieht dabei an der Brücke? Der Pfeiler lautet: Eine Person mit Rang sagt es. Die Spannweite müsste lauten: Was diese Person sagt, ist deshalb wahr. Diese Spannweite trägt nur unter zwei Bedingungen. Die Person muss für genau diese Frage zuständig sein, und sie muss Gründe nennen, die man prüfen kann. Fehlt eine der beiden Bedingungen, hängt an der Stelle des Übergangs ein Papierstreifen mit einem Titel darauf. Das ist der Autoritäts-Appell. Nennt jemand aus dem falschen Fach Gründe, trägt nicht sein Titel, sondern allenfalls seine Gründe, und die prüft man wie die jedes anderen.
Wann ein Rang den Übergang trägt
Das bekannteste Beispiel steht rechts unten in der Tafel. Die Zigarettenmarke Camel warb von 1946 bis 1952 damit, dass mehr Ärzte sie rauchten als jede andere Marke. Die Ärzte waren Autoritäten, nur nicht für die Frage, die die Anzeige beantworten sollte, und einen Grund nannte die Anzeige nicht.
An dieser Karte hängt der häufigste Fehlalarm des ganzen Katalogs, deshalb warne ich gleich. Wer sich auf eine zuständige Fachfrau beruft, die ihre Gründe nennt, begeht keinen Fehlschluss. Er hat eine gute Prämisse, in den meisten Fragen des Lebens sogar die beste, die wir haben. Das Manöver beginnt erst dort, wo der Titel die Gründe ersetzt.
Die zweite Hälfte desselben Kunstgriffs handelt von der »allgemeinen Meinung«. Schopenhauer empfiehlt sie als Waffe und sagt im selben Atemzug, was er von ihr hält: Die Allgemeinheit einer Meinung sei »kein Beweis, ja nicht einmal ein Wahrscheinlichkeitsgrund ihrer Richtigkeit«. Als Beleg dienen ihm Irrtümer, die einmal fast alle teilten, etwa das ptolemäische Weltbild, in dem die Sonne um die Erde kreist. Das ist ein Gegenbeispiel, wie Sie es aus der dritten Etappe kennen, und eines genügt gegen die Regel, dass die Mehrheit sich nicht irren kann. Für Schopenhauers stärkere Behauptung, die Mehrheit sei nicht einmal ein Wahrscheinlichkeitsgrund, reicht es nicht, aber die braucht die Karte auch nicht.
Wo die Zahl der Zustimmenden den Übergang ersetzt, spricht man vom Mehrheits-Appell. Ein Elvis-Album von 1959 hieß »50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong«, fünfzig Millionen Elvis-Fans können nicht irren. Sie können es sehr wohl, und ob sie sich irren, hängt nicht davon ab, wie viele es sind.
Auch diese Karte hat eine harmlose Verwandte. Wo die Zustimmung selbst die Frage ist, bei einer Wahl oder einer Abstimmung, ist die Mehrheit kein Fehlschluss, sondern die Antwort. Von ihrer Nachbarkarte unterscheidet sie sich wie eine Menge von einem Titel: Der Autoritäts-Appell fragt, wer es sagt, der Mehrheits-Appell, wie viele es sagen.
Kunstgriff 37: was ein ertapptes Manöver beweist
Einen Kunstgriff habe ich übersprungen, und ich hole ihn jetzt nach, weil er der wichtigste der ganzen Sammlung ist. Schopenhauer merkt selbst in einer Klammer an, dieser Kunstgriff hätte »einer der ersten sein« sollen.
Kunstgriff 37
»Wenn der Gegner auch in der Sache Recht hat, allein glücklicherweise für selbige einen schlechten Beweis wählt, so gelingt es uns leicht diesen Beweis zu widerlegen, und nun geben wir dies für eine Widerlegung der Sache aus.«
Lesen Sie den Satz ruhig zweimal. Er erzählt die Regel der siebten Etappe von der anderen Seite. Dort hieß es, ein Treffer an Prämisse oder Übergang mache die Behauptung unbelegt, nicht falsch. Hier steht, wie man diese Regel ausnutzt: indem man so tut, als sei mit dem Beweis auch die Sache gefallen.
DenkpauseIhr kleiner Bruder behauptet, die Erde sei rund, und als Sie nach dem Grund fragen, sagt er: »Das weiß doch jeder.« Sie wissen inzwischen, dass das kein Grund ist. Haben Sie seine These damit widerlegt?
Nein, seine These steht so da wie vorher. Die Erde ist rund, und daran ändert sein schlechter Grund nichts. Er hat für eine wahre Behauptung einen Beweis gewählt, der nicht trägt, und das ist wörtlich die Lage, die Schopenhauer in Kunstgriff 37 beschreibt.
Wer aus dem ertappten Mehrheits-Appell schlösse, die Erde sei vielleicht doch flach, hätte den Beweis widerlegt und dies für eine Widerlegung der Sache ausgegeben.
Bei der Erde fällt das leicht, weil jeder die Antwort kennt. Schwerer wird es bei einer These, über die man wirklich streitet.
Was ein ertapptes Manöver abräumt
- Jemand verteidigt eine These mit einem einzigen Beitrag.
- Sie erkennen den Mehrheits-Appell und nehmen den Beitrag aus der Debatte. Damit hat die These ihre einzige Stütze verloren.
- Wer jetzt weiterschließt, die These sei falsch, begeht selbst einen Fehlschluss. Sie kann trotzdem stimmen; begründet ist sie nur noch nicht.
Bei jeder der acht Karten ist es so: Wer ein Manöver ertappt, hat einen Beitrag aus der Debatte genommen, und der andere kann trotzdem recht haben.
Der Schluss aus dem dritten Schritt hat einen eigenen Namen. Der Fehlschluss-Fehlschluss ist die letzte Karte des ganzen Katalogs und kommt erst im dritten Band. Ich nehme ihn hier vorweg, weil man ihn schon am ersten Tag braucht, an dem man die anderen Karten in der Hand hat. Wer acht Manöver benennen kann, fühlt sich stark, und das Gefühl der Stärke verleitet zu dem Schluss, der Gegner habe mit seinem Manöver auch seine Sache verloren. Das hat er nicht. Recht behalten und Recht haben sind zwei verschiedene Dinge, und das gilt für beide Seiten des Tisches.
Noch etwas gehört hierher. Schopenhauer meint an einer Stelle, wer solche Kunstgriffe gebrauche, verrate damit, dass er sich »im Stillen bewußt ist, Unrecht zu haben«. An einer anderen schreibt er, die meisten Menschen übten sie »instinktmäßig«. Das Zweite trifft den Alltag besser. Die Karten benennen einen Beitrag, keine Absicht, und wer aus dem ertappten Manöver einen Vorwurf an die Person macht, ist schon beim nächsten Fehlschluss.
Die Überkorrektur: nicht jeder Vorwurf ist ein Ad hominem
Sobald man die Karten kennt, sieht man sie überall, und das ist die zweite Gefahr. Jede der acht Karten hat eine harmlose Verwandte, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht.
DenkpauseEin Händler versichert Ihnen, das gebrauchte Fahrrad sei nie gestürzt. Ihre Freundin flüstert: »Der verdient an jedem Rad, das er verkauft.« Bei Fisher hieß ein ähnlicher Satz über das Geld vom Tabakverband Ad hominem. Hier auch?
Nein. Für die Behauptung des Händlers gibt es nur einen Grund, sein Wort, und ob sein Wort etwas trägt, hängt davon ab, ob man ihm trauen kann. Käme dieselbe Versicherung von jemandem, der nichts am Verkauf verdient, stünde sie besser da; das Argument hängt hier also wirklich an der Person.
Fisher dagegen hatte Gründe genannt, die jeder prüfen konnte, und die wurden durch sein Geld weder besser noch schlechter. Auch Ihre Freundin hat übrigens nur eine Stütze weggenommen: Das Rad kann trotzdem heil sein.
Auf jeder Karte steht die Verwandte unter »Noch keiner«, und die Tabelle stellt alle acht nebeneinander.
| Karte | Noch kein Fehlschluss, wenn … |
|---|---|
| Strohmann | jemand zuspitzt, aber so, dass der andere seine Position darin wiedererkennt. |
| Ad hominem | der Vorwurf an die Person die Sache trifft, etwa weil ein Zeuge nachweislich gelogen hat. |
| Tu quoque | jemand zeigt, dass zwei Sätze desselben Sprechers nicht zugleich wahr sein können. |
| Beweislast-Umkehr | jemand für eine Behauptung Belege verlangt und damit nur an die Regel aus der ersten Etappe erinnert. |
| Zirkelschluss | jemand die These bloß wiederholt, ohne die Wiederholung als Begründung auszugeben. |
| Schwarz-Weiß | es wirklich nur zwei Möglichkeiten gibt, etwa bei einem Antrag, der angenommen oder abgelehnt wird. |
| Autoritäts-Appell | sich jemand auf eine zuständige Fachfrau beruft, die ihre Gründe nennt. |
| Mehrheits-Appell | die Zustimmung selbst die Frage ist, bei einer Wahl oder einer Abstimmung. |
Und ein harter Einwand mit einer Adresse, an einer Prämisse oder am Übergang, ist kein Manöver, sondern die Kritik der siebten Etappe, auch wenn er unfreundlich klingt.
Woran unterscheidet man die Karte von ihrer Verwandten? Nicht an den Wörtern. »Entweder … oder« kommt auch in echten Entweder-oders vor, »Experten sagen« in guten Prämissen und »du auch« in berechtigten Rückfragen. Man unterscheidet sie an der Prüffrage, und deshalb ist eine Karte mehr als ein Etikett: Sie sagt, was man tun muss, um sicher zu sein.
Dasselbe gilt für Karten, die einander ähneln. Vier Paare werden besonders oft verwechselt, und für jedes gibt es eine Frage, die sie trennt.
Tu quoque oder Ad hominem?
Wird ein Vorwurf an den Absender zurückgeschickt, oder wird die Person angegriffen?
Autoritäts- oder Mehrheits-Appell?
Soll ein Rang tragen oder eine Zahl, also wer es sagt oder wie viele?
Strohmann oder Schwarz-Weiß?
Wird eine Position verzerrt, oder wird ein dritter Weg verschwiegen?
Zirkelschluss oder Beweislast-Umkehr?
Stützt die These sich selbst, oder soll der andere das Gegenteil beweisen?
Wer diese vier Fragen stellen kann, hat die acht Karten nicht auswendig gelernt, sondern verstanden.
Einen Fehlschluss benennen, ohne selbst einen zu begehen
Bleibt die Frage, wie man das alles am Tisch gebraucht. Schopenhauer gibt am Ende seines Manuskripts einen Rat, der besser ist als das ganze Buch davor. Gegen das Persönlichwerden helfe Kaltblütigkeit, indem man »ruhig antwortet, das gehöre nicht zur Sache, und sogleich auf diese zurücklenkt«. Das ist die ganze Kunst, und sie hat drei Schritte, die der Gesprächsverlauf unten der Reihe nach zeigt.
Drei Antworten auf einen Strohmann
Am Tisch · These: »Handys sollten in der großen Pause erlaubt sein.«
GastSie wollen also, dass alle die ganze Pause aufs Handy starren und keiner mehr mit dem anderen redet.
IchDas habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass Handys in den zwanzig Minuten der großen Pause erlaubt sein sollten, nicht, dass jeder sie benutzen muss.
IchGlauben Sie, dass ich den Satz unterschreiben würde, den Sie mir gerade in den Mund gelegt haben?
IchWas spricht aus Ihrer Sicht dagegen, das Handy in genau diesen zwanzig Minuten zu erlauben?
Was in keiner der drei Antworten vorkommt, ist das Urteil über die These des Gastes. Sie haben einen Beitrag aus dem Gespräch genommen, und die Frage steht wie vorher. Wenn der Gast jetzt einen echten Grund nennt, beginnt die Kritik, die Sie in der siebten Etappe gelernt haben.
Das Raster
Wenn Ihnen ein Beitrag verdächtig vorkommt, gehen Sie so vor.
Fragen Sie zuerst, ob er die Brücke berührt
Wenn nicht, fragen Sie, wohin er stattdessen zielt: auf eine Position, die niemand vertritt (Strohmann), auf die Person (Ad hominem) oder mit demselben Vorwurf zurück auf den, der ihn erhoben hat (Tu quoque).
Drücken Sie gegen jeden Pfeiler
Ist es der fehlende Gegenbeweis (Beweislast-Umkehr), die Behauptung selbst in anderen Worten (Zirkelschluss) oder ein Entweder-oder, das den dritten Weg verschweigt (Schwarz-Weiß)?
Prüfen Sie, was den Übergang trägt
Ein Rang ohne Zuständigkeit oder Gründe (Autoritäts-Appell) oder eine Zahl (Mehrheits-Appell)?
Stellen Sie die Prüffrage, bevor Sie den Namen aussprechen
Jede Karte hat eine harmlose Verwandte, und nur die Prüffrage trennt die beiden.
Über allem steht Kunstgriff 37, rückwärts gelesen: Ein ertapptes Manöver nimmt einen Beitrag aus der Debatte, nicht die Behauptung, für die er stand.
Ein Fehlschluss ist ein Beitrag, der eine Stelle des Arguments zu treffen oder zu stützen scheint und sie verfehlt; die Karte sagt, welche, die Prüffrage sagt, wie man sicher ist, und wer ein Manöver ertappt, hat einen Beitrag abgeräumt, nicht die These.
Von hier an üben Sie nicht mehr in dieser Etappe, sondern an der Werkbank des Kurses. Dort warten die acht Karten in einem Karteikasten, der sich merkt, welche Sie noch nicht sicher können, dazu eine Blitzrunde gegen die Uhr und das Hauptspiel »Auf frischer Tat«: acht Sendungen, vom Klassenchat bis zur Talkshow, in denen die Manöver fallen, während Sie zusehen, und in denen Sie sie im Moment ihres Geschehens ertappen müssen, ohne auf die harmlosen Verwandten hereinzufallen. Gemessen wird nur, ob Sie besser werden als beim letzten Mal. Der Katalog wächst in den nächsten beiden Bänden weiter, und die Werkbank wächst mit.
Danach bleibt in diesem Band nur noch die Werkstatt »Meine These«. Dort gibt es keinen neuen Stoff mehr. Sie wählen die These, mit der Sie beim Pausenhof-Finale hinter dem Tisch sitzen, bauen Ihr bestes Argument dafür in Standardform und nehmen den stärksten Einwand vorweg, den Sie kennen, mit allem, was Sie seit der ersten Etappe gelernt haben. Dann kommen die Generalprobe und der Abschlusstest.
Das Werkzeug üben
9 Aufgaben · etwa 30 MinutenSo üben Sie
- Bearbeiten Sie die Aufgaben der Reihe nach und prüfen Sie jede Antwort, bevor Sie weitergehen.
- Lesen Sie die Rückmeldung auch dann, wenn Sie richtig lagen. Sie fügt meistens einen Gedanken hinzu, den Ihre Antwort noch nicht enthält.
- Wenn Sie feststecken, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« einen Denkanstoß. Nach dem zweiten Fehlversuch können Sie sich die Auflösung zeigen lassen.
- Manche Aufgaben fragen, wie sicher Sie sich sind. Eine ehrliche Antwort hilft Ihnen und mir mehr als eine mutige.
- Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App. Tippen Sie danach auf »Erledigt«, damit der Stand oben stimmt.
Mit Ihrem Schülerzugang zählen Ihre Antworten zu Ihrem Bereich, auch beim Gerätewechsel, und gehen in die Stolpersteine der Doppelstunde ein. Was Sie hier schon geübt haben, reicht die Seite nach, sobald Sie sich in diesem Browser anmelden. Liegt Ihre Einwilligung vor, können Sie außerdem EduBuddy fragen, den Tutor, der Denkanstöße gibt statt Lösungen.
Sie sind nicht angemeldet, deshalb liegen Ihre Antworten nur in diesem Browser. Mit dem Schülerzugang anmelden →
Verstehen
5 Aufgaben · etwa 15 MinutenSitzt, was die Erklärung gezeigt hat? Die falschen Antworten sind keine Fallen, sondern die Denkfehler, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen. Die Rückmeldung sagt Ihnen, welcher es war.
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Aufgabe 1 · Auswählen Ein Gast zur Sportnote
Weiter zu Aufgabe 2 →Ihre These am Change-my-Mind-Tisch lautet: »Sportunterricht sollte nicht benotet werden.« Ein Gast setzt sich und sagt: »Sie wollen also, dass Sport an dieser Schule nichts mehr zählt und die halbe Klasse auf der Bank sitzt.« Was ist das für ein Beitrag?
Hinweis 1 von 2 · StrategieLegen Sie die Wiedergabe des Gastes neben Ihre These. Würden Sie unterschreiben, dass Sie das wollen? Wenn nicht, wogegen kämpft er dann?
Hinweis 2 von 2 · InhaltEr greift nicht Ihre Person an und bietet keine Wahl an. Er kämpft gegen eine übertriebene Fassung Ihrer Position, die leichter zu schlagen ist als die echte.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 2 · Zuordnen Sechs Wortmeldungen zum Sitzenbleiben
Weiter zu Aufgabe 3 →Ein Schülerparlament streitet darüber, ob das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll. Sechs Wortmeldungen, nachempfunden. Ordnen Sie jeder die Karte zu, die das Manöver benennt. Zwei Karten passen zu keiner.
»Beweisen Sie mir erst einmal, dass Sitzenbleiben irgendwem hilft. Solange das niemand kann, gehört es abgeschafft.«»Sitzenbleiben ist sinnvoll, weil es richtig ist, dass man ein Jahr wiederholt, wenn man es nicht geschafft hat.«»Entweder wir lassen jeden sitzen, der eine Fünf hat, oder Noten bedeuten gar nichts mehr.«»In Finnland bleibt fast niemand sitzen, und alle sagen, das finnische Schulsystem sei das beste der Welt.«»Die Schulleiterin ist dagegen, und die hat schließlich Pädagogik studiert. Damit ist die Frage beantwortet.«»Du bist doch selbst einmal sitzengeblieben. Kein Wunder, dass du es abschaffen willst.«Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie zu jeder Wortmeldung die Prüffrage der Karte, die Ihnen zuerst einfällt. Wer soll beweisen? Müsste man die These schon glauben? Gibt es einen dritten Weg? Wer spricht, ein Titel oder eine Menge?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDie ersten drei stellen Pfeiler hin, die keine sind: der fehlende Gegenbeweis, die These selbst, das verkürzte Entweder-oder. Dann folgen Zahl, Rang und Person. Zurückgegeben wird kein Vorwurf, und niemand verzerrt eine fremde Position.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 3 · Lücken füllen Die acht Manöver in vier Sätzen
Weiter zu Aufgabe 4 →Wo die acht Manöver die Brücke verfehlen. Vervollständigen Sie die vier Sätze; die falschen Angebote sind die Verwechslungen, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen.
Strohmann, Ad hominem und Tu quoque treffen . Beweislast-Umkehr, Zirkelschluss und Schwarz-Weiß stellen . Autoritäts- und Mehrheits-Appell ersetzen . Und wer eines dieser Manöver ertappt, hat .
Hinweis 1 von 2 · StrategieGehen Sie die Brücke der siebten Etappe entlang: Pfeiler, Spannweite, das andere Ufer, und daneben die Person. Wo landet jede Gruppe?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDrei Manöver berühren die Brücke nicht, drei stellen einen falschen Pfeiler, zwei eine falsche Spannweite. Und das Ertappen eines Manövers räumt einen Beitrag ab, nicht eine These.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 4 · Auswählen Was zeigt ein ertapptes Manöver?
Weiter zu Aufgabe 5 →Ihre These am Tisch: »Die Schulbibliothek sollte auch in der Mittagspause geöffnet sein.« Ein Gast sagt: »Fast alle in meiner Klasse finden das unnötig, also ist es unnötig.« Sie erkennen den Mehrheits-Appell und benennen ihn. Was haben Sie damit gezeigt?
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie, was von der Debatte übrig ist, wenn Sie den ertappten Beitrag herausnehmen. Steht Ihre These dann besser da? Steht seine schlechter da?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDas Manöver verlässt die Debatte; die Frage bleibt offen. Eine Absicht hat die Karte nicht festgestellt, und eine Widerlegung auch nicht.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 5 · Auswählen Fünf Beiträge aus der Redaktionssitzung
Weiter zum Teil »Aus dem Werkzeugkasten« →Eine Redaktionssitzung streitet darüber, ob die Schülerzeitung nur noch online erscheinen soll. Fünf Beiträge, nachempfunden. Welche davon sind Fehlschlüsse? Wählen Sie alle, die zutreffen.
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie nicht, ob ein Beitrag hart oder unbequem klingt, sondern was er tut: Bringt er etwas Prüfbares zur Sache, oder ersetzt er es?
Hinweis 2 von 2 · InhaltZwei Beiträge sind Manöver: der über die Person, der über die anderen Schulen. Ein Beleg, eine Bitte um Zahlen und eine zuständige Person mit Gründen sind die harmlosen Verwandten.
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Aus dem Werkzeugkasten
3 Aufgaben · etwa 10 MinutenHier kommen Werkzeuge aus früheren Etappen zurück, diesmal am neuen Stoff. Wenn eines nicht mehr sitzt, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« eine Erinnerung oder schlagen in der Etappe nach, aus der es stammt; die Etappenleiste oben führt Sie hin.
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Aufgabe 6 · Auswählen Ein Gast nennt Ihre Regel naiv
Weiter zu Aufgabe 7 →Ihre These: »Schüler sollten ihre Lehrer bewerten dürfen.« Ihr Argument: »Wenn Lehrer Rückmeldung bekommen, verbessern sie ihren Unterricht. Also sollten Schüler bewerten dürfen.« Ein Gast sagt: »Ihre Regel ist naiv. Rückmeldung verbessert nur etwas, wenn sie gelesen wird und Folgen hat, und davon steht in Ihrem Argument kein Wort. Ihr Also hängt in der Luft.« Was ist das?
Hinweis 1 von 2 · StrategieStreichen Sie das Wort »naiv« und lesen Sie den Rest. Landet der Beitrag an einer der drei Stellen der siebten Etappe?
Hinweis 2 von 2 · InhaltEr lässt beide Prämissen gelten und zeigt eine Lücke zwischen ihnen und dem »Also«. Das ist der Übergangs-Angriff, hart formuliert und trotzdem Kritik.
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Aufgabe 7 · Wörter einsetzen Regel eins aus der ersten Etappe
Weiter zu Aufgabe 8 →Die Regel aus der ersten Etappe, an die die Beweislast-Umkehr rührt. Ziehen Sie die Wörter an ihren Platz; zwei bleiben übrig.
Wer etwas , schuldet eine . Wer daran , schuldet die Gründe für seinen Zweifel, nicht den des Gegenteils. Wer diesen Beweis trotzdem verlangt, kehrt die um. Und wer ihn schuldig bleibt, hat damit noch nichts .
Hinweis 1 von 2 · StrategieWer trägt die Last: der, der etwas in den Raum stellt, oder der, der nachfragt? Und was schuldet der Zweifler genau?
Hinweis 2 von 2 · InhaltBehaupten schuldet Begründung, Zweifeln schuldet Gründe für den Zweifel. Den Beweis des Gegenteils schuldet niemand, und wer ihn nicht liefert, gibt damit nichts zu.
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Aufgabe 8 · Auswählen Molières Opium-Argument mit beiden Prüffragen
Weiter zum Teil »Anwenden« →Molières Medizinkandidat in Standardform: »Opium besitzt eine einschläfernde Kraft. Also macht Opium schläfrig.« Legen Sie die beiden Prüffragen der fünften Etappe an. Was ergibt die Prüfung?
Hinweis 1 von 2 · StrategieNehmen Sie die Prämisse probeweise als wahr an. Folgt die Konklusion? Und dann fragen Sie, ob Sie die Prämisse annehmen könnten, ohne die Konklusion schon zu glauben.
Hinweis 2 von 2 · InhaltGültig ja, stichhaltig ja, und trotzdem wertlos. Der Zirkel ist ein Fehler, den die Werkzeuge der fünften Etappe nicht messen; dafür ist die Prüffrage der Karte da.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Anwenden
1 Aufgabe · etwa 5 MinutenJetzt wenden Sie das Werkzeug selbst an, meist an neuem Material. Hier zeigt sich, ob Sie es allein gebrauchen können.
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Aufgabe 9 · Im Text markieren Der Klassenrat und die Busfahrt
Weiter zu Schritt 4: Ihre These →Ein Klassenrat streitet darüber, ob die Klassenfahrt mit dem Bus statt mit dem Flugzeug reisen soll. Zwölf Beiträge, nachempfunden. Markieren Sie die Beiträge, in denen ein Manöver steckt. Notieren Sie danach im Heft zu jedem markierten Beitrag die Karte und die Wörter, die das Manöver tragen.
Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie zu jedem Beitrag, der Sie stutzen lässt, die Prüffrage der Karte, an die Sie denken. Würde Ayla die Wiedergabe unterschreiben? Ist der Pilot für Busse zuständig? Gibt es einen dritten Weg? Wer hat behauptet, wer soll beweisen?
Hinweis 2 von 2 · InhaltFünf Beiträge sind Manöver, alle bis auf einen von Ben: der Strohmann (»im Bus verbringen«), das Tu quoque (»selbst geflogen«), das Schwarz-Weiß (»Dazwischen gibt es nichts«), der Mehrheits-Appell (»so viele können sich nicht täuschen«) und Darios Autoritäts-Appell (»Mein Vater ist Pilot«). Die Bitte um Preise, die Zahlen vom Ministerium und Aylas Vorwurf sind Kritik, keine Karten.
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An Ihrer These weiterbauen
etwa 15 MinutenWorum es hier geht
Am Ende des Schuljahres sitzen Sie beim Pausenhofprojekt »Change my Mind« hinter Ihrer eigenen These und verteidigen sie gegen jeden, der sich an Ihren Tisch setzt. In jeder Etappe erproben Sie das neue Werkzeug an dieser These, und in der Werkstatt am Ende des Bandes fügen Sie alles zusammen.
Ihre letzte Arbeit an der These gehört zu Etappe 7, zur Aufgabe »Der stärkste Einwand gegen das eigene Argument«. Legen Sie dieses Blatt neben sich, bevor Sie weiterschreiben; fehlt es, holen Sie die Aufgabe zuerst nach.
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Aufgabe 10 · Für die Mappe schreiben · etwa 15 Minuten Das gefürchtete Manöver gegen die eigene These
Nehmen Sie den Einwand und Ihre Antwort aus der siebten Etappe wieder hervor. Prüfen Sie zuerst Ihre eigene Antwort mit den acht Karten: Haben Sie den Einwand so wiedergegeben, dass Ihre Gegnerin ihn unterschreiben würde? Berufen Sie sich irgendwo auf einen Namen oder eine Mehrheit, ohne Gründe zu nennen? Verlangen Sie an einer Stelle, dass die Gegenseite das Gegenteil beweist? Schreiben Sie jede Stelle um, an der Sie ein Manöver finden. Stellen Sie sich dann den Gast vor, der Ihnen am Tisch mit dem Manöver kommt, das Sie am meisten fürchten, und schreiben Sie Ihre Antwort in drei Sätzen: Der erste sagt, was er gerade getan hat, ohne ein Urteil über ihn; der zweite stellt die Prüffrage der Karte laut; der dritte führt zurück zu der Frage, um die es geht. Notieren Sie zum Schluss, was von seiner Position übrig ist, wenn Sie das Manöver herausnehmen, und seien Sie ehrlich: alles.
Schreiben Sie auf ein eigenes Blatt für Ihre Mappe oder in Ihre Notiz »Change my Mind«, unter die Überschrift »Band I, Etappe 8«. Spätere Etappen holen es wieder hervor.
Weiter zu Schritt 5: Rückblick →
Zurück zur Ausgangsfrage
5 MinutenUm 1830 schreibt ein Philosoph in Berlin eine Gebrauchsanweisung, wie man in jedem Streit Recht behält, ob man nun Recht hat oder nicht. Achtunddreißig Kunstgriffe zählt er auf, dann legt er das Manuskript angewidert weg; gedruckt wird es erst nach seinem Tod. Warum sollten ausgerechnet Sie, die Sie redlich streiten lernen wollen, die Anleitung eines Schummlers lesen?
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- Lesen Sie die Frage und Ihre erste Antwort noch einmal und schreiben Sie darunter, wie Sie jetzt antworten würden. Hat sich etwas geändert, nennen Sie den Gedanken, der Sie umgestimmt hat.
- Schätzen Sie ein, wie sicher Sie das Lernziel jetzt beherrschen, und notieren Sie einen Gedanken zur Frage »Zum Weiterdenken«.
- Schließen Sie die Etappe ab. Der Haken erscheint dann im Lernpfad des Kurses. Wenn Sie angemeldet sind, geht mit dem Abschluss Ihre Antwort an mich. Was offen geblieben ist, bringen Sie in die Doppelstunde mit.
Ihre Bilanz
In dieser Etappe haben Sie noch keine Aufgabe bearbeitet. Zu den Aufgaben →
Sie erkennen die acht Fehlschlüsse des ersten Katalog-Teils, vom Strohmann bis zum Mehrheits-Appell, können sie benennen und an den Wörtern belegen, die das Manöver tragen. Sie wissen, welche Stelle des Arguments jeder von ihnen verfehlt. Und Sie halten eine Behauptung nicht für widerlegt, nur weil jemand sie mit einem Fehlschluss verteidigt hat.
Wie sicher fühlen Sie sich damit jetzt?
Welches der acht Manöver haben Sie in der letzten Woche selbst gebraucht, ohne es zu merken? Und bei welchem ertappen Sie andere am schnellsten? Wenn es dasselbe ist, wissen Sie jetzt, warum.
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