Das Argument: Prämissen und Konklusion
So gehen Sie vor
Diese Etappe bearbeiten Sie vor der Doppelstunde zu Hause. Gehen Sie die fünf Schritte der Reihe nach durch. Sie müssen nicht alles in einem Zug schaffen. Ihre Antworten bleiben in diesem Browser gespeichert, und wenn Sie auf demselben Gerät zurückkommen, bringt Sie der Knopf »Weitermachen« zur nächsten offenen Aufgabe.
- 01Einstieg5 Min.
Sie lesen die Ausgangsfrage und halten eine erste Antwort fest.
- 02Erklärung17 Min. Video
Sie sehen das Video oder lesen die Lesefassung; eines von beiden genügt.
- 03Üben45 Min.
Sie bearbeiten 10 Aufgaben, 9 davon mit sofortiger Rückmeldung.
- 04Ihre These15 Min.
Sie erproben das neue Werkzeug an Ihrer eigenen These für »Change my Mind«.
- 05Rückblick5 Min.
Sie prüfen Ihre erste Antwort, schätzen sich ein und schließen die Etappe ab.
Sie haben diese Etappe abgeschlossen. Zum Wiederholen können Sie jederzeit einsteigen, Ihre Antworten sind noch da.
Was Sie brauchen und wo Ihre Antworten landen
Sie brauchen ein iPad oder einen Computer und für das Video Kopfhörer. Ohne Kopfhörer nehmen Sie die Lesefassung; sie enthält dasselbe wie das Video.
Die meisten Aufgaben beantworten Sie direkt auf dieser Seite und bekommen sofort eine Rückmeldung. Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App und tippen danach hier auf »Erledigt«.
Die Arbeit an Ihrer These kommt in jeder Etappe auf ein eigenes Blatt. Sammeln Sie die Blätter in einer Mappe oder in einer Notiz »Change my Mind« in Ihrer Notiz-App; in der Werkstatt am Ende des Bandes brauchen Sie alle.
Ohne Anmeldung bleibt alles in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang gehören die Ergebnisse der Aufgaben mit Antwortfeld, der Abschluss, Ihre Selbsteinschätzung und Ihre Antwort im Rückblick zu Ihrem Bereich, auch auf einem anderen Gerät. Ihre erste Antwort, Ihre Notizen und die Haken bei Heftaufgaben bleiben immer in diesem Browser. Meldet sich hier später jemand mit einem anderen Code an, legt die Seite Ihren Stand beiseite, bis Sie sich wieder anmelden.
Und was passiert in der Doppelstunde?
Die Doppelstunde beginnt mit den Stolpersteinen der Klasse, also mit den Denkfehlern, die in den Aufgaben am häufigsten vorkamen. In diese Liste gehen nur Antworten ein, die über Ihren Schülerzugang bei mir ankommen. Am sichersten melden Sie sich an, bevor Sie üben; was Sie vorher in diesem Browser geübt haben, reicht die Seite bei der Anmeldung nach. Das gilt nicht auf einem Gerät, an dem vorher schon jemand anderes angemeldet war: Dort gehört der Stand im Browser dieser Person.
Danach vertiefen wir das Werkzeug am Material und arbeiten an den Thesen weiter. Wer die Etappe vorher nicht geschafft hat, holt sie in der Stillarbeit nach; die Lesefassung geht auch ohne Kopfhörer.
Erst selbst nachdenken
5 MinutenSieben Sätze aus einem Gesetzentwurf, den der Bundestag 2021 abgelehnt hat, hier durcheinandergewürfelt. Einer der sieben wird von den anderen getragen; er ist der Satz, auf den der Text hinauswill. Zwei Sätze enthalten ein »daher«, und nur einer von beiden ist der gesuchte. Welcher ist es, und woran haben Sie das erkannt?
»Gegenwärtig bleibt daher mehr als 1,5 Mio. Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zwischen 16 und 18 Jahren allein aufgrund ihres Alters das aktive Wahlrecht verwehrt.« · »Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl garantiert das Recht aller Staatsbürger, zu wählen und gewählt zu werden.« · »Eine Unfähigkeit zur politischen Willensbildung bei Personen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren kann jedoch nicht beobachtet werden.« · »Das Wahlrecht ist der Schlüssel zur politischen Partizipation.« · »Ein Ausschluss vom aktiven Wahlrecht ist daher nicht zu rechtfertigen.« · »Der Ausschluss von der Wahl für Personen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren kann allein mit mangelnder Kommunikationsfähigkeit dieser Personengruppe gerechtfertigt werden.« · »Ein Ausschluss von diesem Recht kann vorgenommen werden, ist jedoch begründungsbedürftig.«
Bevor Sie weitergehen
Beantworten Sie die Frage zuerst für sich, bevor Sie Video oder Lesefassung öffnen. Ein oder zwei Sätze genügen. Schreiben Sie sie ins Feld darunter, dann zeige ich sie Ihnen im Rückblick wieder. Die Antwort darf falsch sein.
Bleibt in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Das können Sie danach: Sie können ein Argument aus einem Text herauslösen und in Standardform bringen: die Konklusion an der Stützbeziehung erkennen und nicht an ihrer Stellung, die Prämissen nummerieren, Beiwerk und Zugeständnisse aussortieren und die Prämisse, die der Text nie ausspricht, in Klammern ergänzen, so schwach, wie sie sein darf. Und Sie halten das Aufschreiben eines Arguments vom Urteil darüber getrennt.
Weiter zu Schritt 2: Erklärung →Das Werkzeug kennenlernen
Video 17 Minuten oder Lesefassung etwa 20 MinutenSo nutzen Sie die Erklärung
Video und Lesefassung erklären dasselbe, eines von beiden genügt. Das Video führt Sie Schritt für Schritt durch den Gedankengang. Die Lesefassung passt, wenn Sie lieber lesen, keine Kopfhörer haben oder während der Aufgaben etwas nachschlagen wollen.
Achten Sie darauf, wo die Erklärung auf die Ausgangsfrage zurückkommt, und vergleichen Sie das mit Ihrer ersten Antwort.
Ohne Verbindung lässt sich das Video nicht abspielen. Die Lesefassung steht Ihnen trotzdem offen.
Das Video konnte nicht geladen werden. Wählen Sie 720p oder 480p für einen neuen Versuch, oder öffnen Sie die MP4-Datei direkt.
Sieben Sätze, durcheinander
Ich beginne mit einer Sortieraufgabe. Im Oktober 2020 legte eine Fraktion im Deutschen Bundestag einen Gesetzentwurf vor, der das Wahlalter für die Bundestagswahl von 18 auf 16 Jahre senken sollte, und am 21. Mai 2021 lehnte der Bundestag ihn ab. Der Entwurf beginnt mit einem Abschnitt, der »Problem« heißt. Aus diesem Abschnitt stammen die sieben Sätze, die Sie oben im Einstieg gemischt vorgefunden haben. Einer von ihnen wird von den anderen getragen, und die übrigen sind da, damit man ihm glaubt. Zwei der sieben enthalten das Wort »daher«, und wer sich bei der Suche an dieses Wort gehalten hat, ist vermutlich bei einem der beiden gelandet. Nur bei welchem?
Ich löse noch nicht auf, aber ich verrate, warum die Aufgabe schwerer ist, als sie aussieht. Das »daher« hilft nur zur Hälfte, weil es in beiden Sätzen steht. Die Reihenfolge hilft gar nicht, weil ich sie zerstört habe, und im Original hätte sie Ihnen auch nicht geholfen, wie sich gleich zeigen wird. Helfen wird Ihnen eine einzige Frage, die ich so lange stelle, bis Sie sie im Schlaf stellen. Vorher brauche ich das Wort, um das sich der ganze Band dreht.
Was ein Argument ist
Am Ende der dritten Etappe habe ich angekündigt, Aussagen zu dem zusammenzusetzen, wofür sie gemacht sind, und das Material dafür liegt auf Ihrem Blatt: eine These und darunter ein Weil-Satz. Der Weil-Satz soll die These stützen. Dieses Stützen macht aus zwei Sätzen ein Argument, und die Fachwörter, die ich jetzt brauche, reden deshalb nur über die Rolle, die ein Satz spielt, nicht über seinen Inhalt.
Argument
Eine Gruppe von Aussagen, in der einige die Aufgabe haben, eine andere zu stützen. Die gestützte Aussage heißt Konklusion, die stützenden heißen Prämissen, und die Beziehung zwischen ihnen heißt Stützbeziehung.
BeispielIhr Blatt: Der Weil-Satz ist die Prämisse, die These ist die Konklusion.
Nicht zu verwechselnmit einem einzelnen Grund, den der Alltag schon »ein gutes Argument« nennt.
Drei Dinge muss ich dazu klarstellen. Erstens sind alle Beteiligten Aussagen im Sinn der zweiten Etappe, also Sätze, die etwas als wahr hinstellen. Eine Frage stützt nichts, ein Befehl auch nicht, und gestützt werden kann keiner von beiden. »Senkt das Wahlalter!« ist eine Forderung, die man befolgen kann. Erst der Satz »Das Wahlalter ist zu senken« ist eine Konklusion, die man begründen kann. Umgekehrt ist eine Frage, auf die der Sprecher gar keine Antwort erwartet, in Wahrheit eine Behauptung in Verkleidung: Wer fragt »Wer will da noch widersprechen?«, behauptet, dass niemand widersprechen kann, und in der Standardform schreibt man es auch so hin.
Zweitens ist ein Argument in dieser Reihe immer das Ganze. Ein Grund allein ist noch keines, und eine Konklusion allein ist erst recht keines, sie ist eine Behauptung, und Behauptungen kosten nichts, das war die erste Etappe. Der römische Senator Cato soll jahrelang jede Rede mit demselben Satz beendet haben, gleich, worum es vorher gegangen war: Karthago müsse zerstört werden. Ein Weil ist nicht überliefert. Tausend Wiederholungen zählen dabei so viel wie die tausend weißen Schwäne der letzten Etappe, nämlich nichts. Catos Satz war kein schlechtes Argument, er war gar keines, ein Ufer ohne Brücke.
Drittens hat die Stützbeziehung eine Richtung, und die lässt sich nicht umkehren. Die Prämissen tragen die Konklusion, niemals umgekehrt. Ein Satz, der von den anderen getragen wird, trägt selbst nichts, so kräftig er auch klingt.
Der Bauplan
In der ersten Etappe habe ich Ihnen ein Bild gegeben: den Fluss, das andere Ufer und die Begründung als Brücke darüber. Ich habe damals gesagt, dass man an einer Brücke zwei Dinge prüfen kann, ob die Pfeiler stehen und ob die Spannweite trägt. Bevor man etwas prüfen kann, muss man aber wissen, was dasteht. Deshalb zeichne ich die Brücke jetzt nicht mehr als Bild, sondern als Bauplan, in dem jedes Teil einen Platz und eine Nummer hat.
Das Argument als Bauplan
Philosophen schreiben diesen Plan in einer festen Form auf, der Standardform. Die Prämissen stehen nummeriert untereinander, jede als vollständiger Aussagesatz mit genau einem Gedanken. Darunter kommt ein Strich und unter den Strich, mit »Also« eingeleitet, die Konklusion. Rhetorischer Schmuck bleibt draußen. Die Konklusion steht immer zuletzt, gleich, wo der Text sie untergebracht hat, denn die Standardform ordnet nach der Stützrichtung und nicht nach der Reihenfolge des Vortrags. Wer einen Bauplan liest, kann jeden Pfeiler einzeln ansehen, und wer eine Standardform liest, kann jede Prämisse einzeln anzweifeln. Dafür ist sie da.
So sieht der Abschnitt »Problem« des Gesetzentwurfs in Standardform aus. Damit verrate ich die Lösung der Sortieraufgabe; wie man dahin kommt, zeige ich gleich danach.
- Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl garantiert allen Staatsbürgern das Recht zu wählen.
- Wer eine Gruppe von diesem Recht ausschließt, muss das mit objektiven Gründen rechtfertigen.
- Für Sechzehn- und Siebzehnjährige käme als Grund allein in Frage, dass sie zur politischen Willensbildung nicht fähig sind.
- Eine solche Unfähigkeit lässt sich bei Sechzehn- und Siebzehnjährigen nicht beobachten.
Also ist der Ausschluss der Sechzehn- und Siebzehnjährigen vom Wahlrecht nicht zu rechtfertigen.
Der Plan hat vier Pfeiler und ein Ufer. Die Konklusion ist der Satz mit dem ersten »daher«. Das zweite »daher«, der Satz mit den 1,5 Millionen, kommt im Plan nicht vor, und der Satz vom Schlüssel zur Partizipation auch nicht; warum, zeigen die nächsten beiden Abschnitte. Eines sieht man der Form aber schon jetzt an, was der Fließtext verbirgt. Im Text stützen die Gründe einander mit den Schultern, und wer widerspricht, streitet über alles zugleich. Im Plan steht jeder Pfeiler für sich, und man erkennt sofort, welchen die Gegenseite als Ersten anzweifeln wird, nämlich den vierten, und welchen als Zweiten, den dritten.
Herauslösen: die Warum-Probe
Wie kommt man vom Text zum Plan? Über die Stellung im Text jedenfalls nicht. Der Gesetzentwurf bringt seine Konklusion im zwölften von dreizehn Sätzen, das Plakat einer Schülervertretung stellt seine Forderung an den Anfang, und ein Aufsatz hebt sie sich für den Schluss auf. Auf Signalwörter ist ebenso wenig Verlass, dazu gleich mehr. Verlässlich ist nur die Stützbeziehung selbst, und man findet sie mit einer Probe, die ich die Warum-Probe nenne.
Sie stellen einem Satz des Textes die Frage »Warum?« und hören hin, ob andere Sätze des Textes darauf antworten. Der Satz, für den die anderen Antworten liefern, ist die Konklusion, und die Antworten sind ihre Prämissen. Sätze, die auf kein Warum antworten und nach denen auch niemand fragt, sind Beiwerk. Und wo überhaupt kein Satz auf das Warum eines anderen antwortet, steht gar kein Argument da, sondern eine Reihe von Behauptungen nebeneinander.
DenkpauseIhre Sitznachbarin tippt auf den Satz über die 1,5 Millionen, die »allein aufgrund ihres Alters« nicht wählen dürfen: »Das ist die Konklusion, der haut am meisten rein.« Welcher Satz des Abschnitts antwortet auf sein Warum?
Keiner. Warum 1,5 Millionen Menschen nicht wählen dürfen, beantwortet das geltende Recht, das 18 Jahre verlangt, und kein Satz des Entwurfs. Der Satz wird also von nichts gestützt, und er stützt auch nichts, denn auf die Frage, warum der Ausschluss nicht zu rechtfertigen sei, gibt er keine Antwort. Er sagt nur, wie viele Menschen der Ausschluss betrifft. Er ist der Anlass des Entwurfs, nicht sein Argument, und Ihre Sitznachbarin hat Wucht mit Rolle verwechselt.
Wie die Probe durch den ganzen Abschnitt läuft, zeigt die nächste Abbildung. Sie enthält alle dreizehn Sätze in ihrer ursprünglichen Reihenfolge, jeden in einer Kurzfassung.
Die Warum-Probe am Abschnitt »Problem«
- Der Abschnitt »Problem« in der Reihenfolge des Originals. Zwei Sätze tragen ein »daher«, und beide stehen ganz am Ende.
- Die Warum-Probe am zwölften Satz: Warum ist der Ausschluss nicht zu rechtfertigen? Acht Sätze antworten. Damit ist der zwölfte Satz die Konklusion, und die acht Antworten sind ihre Prämissen.
- Die acht Antworten sagen vier verschiedene Dinge. In der Standardform wird jedes davon ein Pfeiler, und Sätze, die dasselbe mit anderen Worten sagen, teilen sich eine Nummer.
- Die Gegenprobe am dreizehnten Satz findet keine Antwort im Abschnitt. Er wird von nichts gestützt und stützt nichts; er beschreibt den Zustand, den der Entwurf ändern will.
- Satz 13 ist der Anlass des Entwurfs. Von den übrigen drei Sätzen stimmen die ersten beiden auf das Thema ein und sind Beiwerk. Der fünfte räumt der Gegenseite etwas ein.
Zwei Dinge zeigt der Durchgang, die man sonst leicht übersieht. Mehrere Sätze können einen einzigen Pfeiler bilden, denn der Entwurf sagt manches zwei- oder dreimal, und die Standardform fasst es zu einer Zeile zusammen. Und Beiwerk ist nicht wertlos. Es macht Texte lesbar und Reden erträglich; es kommt nur nicht in den Plan, weil es nichts trägt.
Der fünfte Satz verdient einen zweiten Blick. Im Wortlaut heißt er: »Es ist seit jeher als mit dem Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl verträglich angesehen worden, dass die Ausübung des Wahlrechts an die Erreichung eines Mindestalters geknüpft wird.« Das ist kein Grund für die Konklusion, sondern ein Zugeständnis an die Gegenseite. Ein Mindestalter an sich sei in Ordnung, sagt der Entwurf, nur eben nicht dieses. Zugeständnisse kommen nicht in die Standardform, aber man sollte sie sich merken, und dieses eine wird noch wichtig.
Wegweiser sind keine Bauteile
Weil, denn und da kündigen oft eine Prämisse an, also, deshalb, daher und folglich eine Konklusion. Wo diese Wörter stehen, sind sie Gold wert, aber sie sind Wegweiser und keine Bauteile. Ein Wegweiser steht neben der Straße; man kann ihn abmontieren, und die Straße bleibt. Viele Argumente kommen ganz ohne Schilder aus, das Kiosk-Plakat in den Aufgaben etwa hat weder ein Weil noch ein Also, und die Warum-Probe findet sie trotzdem. Umgekehrt kann ein Schild an einer Stelle stehen, an der gar kein Argument ist.
DenkpauseAn der Tür der Mensa hängt ein Aushang: »Die Mensa bleibt am Freitag geschlossen, weil die Küche gewartet wird.« Ist das ein Argument?
Nein, das ist eine Erklärung. Dass die Mensa am Freitag geschlossen bleibt, bezweifelt niemand, es steht ja am Aushang. Der Weil-Satz stützt keine strittige These, er macht verständlich, wie es zu einer feststehenden Tatsache kommt. Wer hier eine Konklusion sucht, findet eine Tatsache und ihre Ursache.
Mit dem zweiten »daher« des Entwurfs verhält es sich genauso. In der Abbildung steht dasselbe Schild einmal vor Wasser und einmal vor trockenem Land.
Dasselbe »daher«, zwei verschiedene Wege
- Das erste »daher« steht vor Wasser. Dass der Ausschluss nicht zu rechtfertigen sei, bestreiten viele, und damit man hinüberkommt, braucht es eine Brücke. Die Sätze davor bauen sie.
- Das zweite »daher« steht vor trockenem Land. Dass 1,5 Millionen Menschen zwischen 16 und 18 Jahren nicht wählen dürfen, bestreitet niemand. Das Wort erklärt diesen Zustand aus dem geltenden Recht, und eine Brücke braucht es nicht.
Die Faustregel dahinter lautet: Fragen Sie, ob etwas auf dem Spiel steht. Ein Argument muss Wasser überbrücken, hinüber zu einer These, die auch bestritten wird. Wo niemand etwas bestreitet, braucht es keine Brücke, und ein Weil oder Daher, das dort steht, weist nur den Weg über trockenes Land. Ich vereinfache damit ein wenig. Die Grenze zwischen Begründen und Erklären ist im Einzelfall verzwickt, denn manche Erklärung wird zur Begründung, sobald jemand die erklärte Tatsache bezweifelt. Für den Anfang genügt die Faustregel.
Der Pfeiler, den niemand einträgt
Nun zu der Stelle, an der der Plan des Entwurfs noch nicht fertig ist. Der Abschnitt »Problem« endet bei dem Satz, dass der Ausschluss nicht zu rechtfertigen sei. Gefordert wird aber mehr, nämlich ein Gesetz, das das Wahlalter senkt. Das steht im nächsten Abschnitt, der »Lösung« heißt, und es ist das eigentliche andere Ufer. Zwischen »nicht zu rechtfertigen« und »ist zu senken« liegt Wasser, und kein Satz des Entwurfs steht darin. Der Sprung wirkt so selbstverständlich, dass ihn niemand ausgesprochen hat.
Das ist kein Betriebsunfall. Fast jedes Argument im Alltag lässt Prämissen weg, weil sie dem Sprecher selbstverständlich scheinen, und meistens ist das in Ordnung. Wer zum Bus drängt, sagt »Der nächste fährt erst in einer Stunde« und spricht den Satz »Eine Stunde wollen wir nicht warten« nicht eigens aus. Die Rekonstruktion trägt solche stillen Prämissen trotzdem in den Plan ein, und zwar in Klammern. Die Klammer sagt, dass dieser Pfeiler vom Rekonstrukteur stammt und nicht vom Autor, und dass der Autor ihm widersprechen darf. Philosophen nennen einen solchen Satz auch Brückenprämisse, weil er von dem, was dasteht, zu dem hinüberführt, was gefordert wird. Ergänzen ist kein Unterstellen, solange man es offen tut.
Was aber darf man eintragen? Hier liegt die wichtigste Regel des Rekonstruierens. Genau gesagt wird die schwächste Prämisse, die die Lücke schließt, ergänzt, also der Satz, der so wenig wie möglich behauptet und gerade noch genügt, damit das Also trägt. Im Alltag hieße das: Leihen Sie dem Autor nur, was er wirklich braucht. Alles, was Sie ihm darüber hinaus in den Mund legen, gehört Ihnen und nicht ihm, und wer diesen Pfeiler später umwirft, hat nur sein eigenes Bauwerk getroffen. Wie das am Fall aussieht, können Sie in der folgenden Abbildung Schritt für Schritt verfolgen.
Welcher Pfeiler in die Lücke gehört
- Die vier Pfeiler des Abschnitts »Problem« tragen bis zu einer Zwischenstation: Der Ausschluss sei nicht zu rechtfertigen. Gefordert wird aber ein niedrigeres Wahlalter, und bis dorthin steht kein Satz im Wasser.
- Ein Gegner schlägt einen Pfeiler vor: »Altersgrenzen im Wahlrecht sind Willkür und gehören abgeschafft.« Er schließt die Lücke, aber er trägt viel mehr als nötig, denn aus ihm folgte auch das Wahlrecht für Zwölfjährige, und die Sache wäre erledigt.
- Der Entwurf hat das Gegenteil gesagt. In seinem Zugeständnis steht, ein Mindestalter sei seit jeher mit der Allgemeinheit der Wahl verträglich. Wer ihm den Willkür-Pfeiler unterschiebt, rekonstruiert nicht, er dichtet.
- Eingetragen wird der schwächste Satz, der die Lücke gerade noch schließt. Er steht in Klammern und ist gestrichelt gezeichnet, weil er vom Rekonstrukteur stammt und nicht aus dem Text: »Einen Ausschluss vom Wahlrecht, der sich nicht rechtfertigen lässt, hat der Gesetzgeber aufzuheben.«
Mehr muss der Entwurf nicht glauben, damit sein Also trägt. Diesen Satz hätten seine Verfasser vermutlich sofort unterschrieben, und ein Gegner übrigens auch; er würde stattdessen den vierten Pfeiler angreifen. Damit ist der Plan vollständig.
- Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl garantiert allen Staatsbürgern das Recht zu wählen.
- Wer eine Gruppe von diesem Recht ausschließt, muss das mit objektiven Gründen rechtfertigen.
- Für Sechzehn- und Siebzehnjährige käme als Grund allein in Frage, dass sie zur politischen Willensbildung nicht fähig sind.
- Eine solche Unfähigkeit lässt sich bei Sechzehn- und Siebzehnjährigen nicht beobachten.
- Einen Ausschluss vom Wahlrecht, der sich nicht rechtfertigen lässt, hat der Gesetzgeber aufzuheben.
Also ist das Wahlalter für die Bundestagswahl auf sechzehn Jahre zu senken.
Der Plan hat jetzt fünf Pfeiler, einer davon in Klammern, und ein Ufer. Der Satz »nicht zu rechtfertigen« ist dabei nicht verschwunden. Er ist die Stelle, an der die ersten vier Pfeiler ankommen und der fünfte weiterführt, und Fachleute nennen einen solchen Satz eine Zwischenkonklusion. Im Plan lasse ich ihn weg, und das ist eine Vereinfachung.
Gezeichnet, nicht geprüft
Sehen Sie sich noch einmal das Schriftfeld unten rechts im Bauplan an. Auf einem echten Bauplan hat es drei Zeilen, gezeichnet, geprüft und freigegeben, und wer den Plan zeichnet, füllt die erste aus und keine andere. Mit der Standardform ist es genauso. Wer den Entwurf in Standardform bringt, stimmt ihm damit nicht zu. Die Rekonstruktion protokolliert, worauf ein Text sich stützt; ob die Stützen halten, ist eine andere Frage, und die kommt in der nächsten Etappe dran. In eine Standardform darf deshalb Strittiges, Zweifelhaftes und sogar offenkundig Falsches. Gegen diese Regel verstoßen erstaunlicherweise am häufigsten die Gewissenhaften.
DenkpauseSie halten die vierte Prämisse für falsch, weil Sie glauben, dass vielen Sechzehnjährigen das politische Urteil noch fehlt. Sollten Sie die Prämisse in Ihrer Standardform weglassen oder wenigstens vorsichtiger formulieren?
Weder noch. Sie schreiben sie hin, genau so, wie der Entwurf sie meint, und gerade weil Sie ihr widersprechen, brauchen Sie sie im Plan: Nur dort können Sie auf sie zeigen und sagen, was an ihr nicht stimmt. Die Regel von der schwächsten Fassung gilt für das, was Sie ergänzen, nicht für das, was dasteht. Wer schon beim Aufschreiben streicht oder abschwächt, was ihm falsch vorkommt, hat am Ende nichts mehr in der Hand, das sich prüfen ließe.
Dass das keine Spitzfindigkeit ist, zeigt der Fall. Die vierte Prämisse hielten im Bundestag viele für falsch, und die dritte, dass allein diese Fähigkeit als Grund in Frage komme, bestreiten Juristen bis heute. Manche wenden ein, das Wahlrecht lasse sich nicht von der Volljährigkeit lösen, ohne dass die übrigen Altersgrenzen ins Rutschen kommen. Erst wer diese Prämissen im Plan stehen sieht, kann in Ruhe fragen, ob sie stimmen, und weiß dann auch, worüber eigentlich gestritten wird.
Wie es ausging, gehört zur Ehrlichkeit dazu.
Dasselbe Argument, andere Mehrheiten
- Okt. 2020
Die FDP-Fraktion bringt den Gesetzentwurf ein, Drucksache 19/23687: Wahlalter 16 für die Bundestagswahl.
- Mai 2021
Am 21. Mai lehnt der Bundestag ab, mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und AfD gegen die von FDP, Linken und Grünen.
- Nov. 2022
Am 10. November beschließt der neu gewählte Bundestag das Wahlalter 16 für die Europawahl, eingebracht von SPD, Grünen und FDP, gegen die Stimmen von CDU/CSU und AfD.
- Juni 2024
Bei der Europawahl wählen in Deutschland zum ersten Mal bei einer bundesweiten Wahl Sechzehnjährige mit.
Ich schließe daraus nicht, dass Argumente nichts zählen. Ich schließe daraus, dass ein Argument und die Entscheidung darüber zwei verschiedene Dinge sind, und dass man das erste sauber aufschreiben muss, wenn man über das zweite reden will.
Ihr Blatt
Jetzt zu Ihrem eigenen Plan. Ihr Blatt aus der dritten Etappe, die redlich abgeschwächte These mit dem Weil-Satz darunter, ist ein Bauplan mit einem einzigen Pfeiler und einem Ufer. In der Transferaufgabe zeichnen Sie ihn fertig, ungefähr nach diesem Muster.
- Ihr Weil-Satz aus der dritten Etappe.
- Weitere Gründe, falls Sie welche haben, jeder in einer eigenen Zeile.
- Was Sie beim Diskutieren bisher stillschweigend vorausgesetzt haben, in der schwächsten Fassung, die Ihre Lücke wirklich schließt.
Also: Ihre redlich abgeschwächte These.
Ich verspreche Ihnen, dass Sie dabei etwas über Ihre eigene These lernen, das Sie noch nicht wussten. Vielleicht ist Ihre stille Prämisse harmlos, und jeder unterschreibt sie. Vielleicht ist sie das Gewagteste an Ihrem ganzen Argument. Beides ist ein Gewinn, denn von nun an wissen Sie, woran Ihr Plan hängt. Fragen Sie sich zum Schluss, welchen Pfeiler ein Gast an Ihrem Tisch als Ersten anzweifeln würde, den ausgesprochenen oder den eingetragenen.
Das Raster
Wenn Sie einen Text vor sich haben und das Argument herauslösen wollen, gehen Sie so vor.
Finden Sie die Konklusion mit der Warum-Probe
Gestützt wird der Satz, für den die anderen Antworten liefern, gleich, wo er im Text steht. Eine Forderung oder eine Frage, die keine echte Frage ist, schreiben Sie als ehrlichen Aussagesatz aus.
Sammeln Sie die Prämissen
Alles, was auf das Warum antwortet, wird ein nummerierter, vollständiger Aussagesatz, ein Gedanke pro Zeile. Was mehrfach gesagt wird, steht einmal da.
Sortieren Sie Beiwerk und Zugeständnisse aus
Was weder stützt noch gestützt wird, bleibt draußen, so gut es auch klingt. Wegweiser wie weil und daher helfen beim Suchen, entscheiden aber nichts.
Zeichnen Sie den Bauplan
Prämissen oben, darunter der Strich und nach dem Also die Konklusion. Die Prämissen tragen die Konklusion, nie umgekehrt.
Schließen Sie die Lücke wohlwollend
Ergänzen Sie in Klammern die schwächste Prämisse, die das Also gerade eben trägt, und keine stärkere. Unterschreiben Sie nur in der Zeile »gezeichnet«.
Welche Rolle ein Satz im Argument spielt, entscheidet allein die Stützbeziehung, und wer das Argument aufschreibt, ergänzt nur die schwächste Prämisse, die die Lücke schließt.
In der nächsten Etappe wird der fertige Plan zum ersten Mal belastet. Zwei Prüffragen gehören dazu, und man muss sie streng auseinanderhalten: Trägt der Übergang von den Prämissen zur Konklusion? Und stimmen die Prämissen überhaupt? Sie werden sehen, dass ein Argument tadellos gebaut und trotzdem aus falschen Steinen gemauert sein kann, und dass das zwei verschiedene Dinge sind. Vorführen werden es ein zweitausend Jahre alter Satz über Sokrates und ein kleiner Fisch namens Nemo. Nehmen Sie Ihre eigene Standardform mit; sie ist das erste Bauwerk auf dem Prüfstand.
Das Werkzeug üben
10 Aufgaben · etwa 45 MinutenSo üben Sie
- Bearbeiten Sie die Aufgaben der Reihe nach und prüfen Sie jede Antwort, bevor Sie weitergehen.
- Lesen Sie die Rückmeldung auch dann, wenn Sie richtig lagen. Sie fügt meistens einen Gedanken hinzu, den Ihre Antwort noch nicht enthält.
- Wenn Sie feststecken, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« einen Denkanstoß. Nach dem zweiten Fehlversuch können Sie sich die Auflösung zeigen lassen.
- Manche Aufgaben fragen, wie sicher Sie sich sind. Eine ehrliche Antwort hilft Ihnen und mir mehr als eine mutige.
- Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App. Tippen Sie danach auf »Erledigt«, damit der Stand oben stimmt.
Mit Ihrem Schülerzugang zählen Ihre Antworten zu Ihrem Bereich, auch beim Gerätewechsel, und gehen in die Stolpersteine der Doppelstunde ein. Was Sie hier schon geübt haben, reicht die Seite nach, sobald Sie sich in diesem Browser anmelden. Liegt Ihre Einwilligung vor, können Sie außerdem EduBuddy fragen, den Tutor, der Denkanstöße gibt statt Lösungen.
Sie sind nicht angemeldet, deshalb liegen Ihre Antworten nur in diesem Browser. Mit dem Schülerzugang anmelden →
Verstehen
5 Aufgaben · etwa 15 MinutenSitzt, was die Erklärung gezeigt hat? Die falschen Antworten sind keine Fallen, sondern die Denkfehler, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen. Die Rückmeldung sagt Ihnen, welcher es war.
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Aufgabe 1 · Auswählen Zwei »daher«, zwei Konklusionen?
Weiter zu Aufgabe 2 →Zwei Sätze des Gesetzentwurfs enthalten ein »daher«, und sie stehen direkt hintereinander: »Ein Ausschluss vom aktiven Wahlrecht ist daher nicht zu rechtfertigen. Gegenwärtig bleibt daher mehr als 1,5 Mio. Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zwischen 16 und 18 Jahren allein aufgrund ihres Alters das aktive Wahlrecht verwehrt.« Ein Mitschüler sagt: »Zwei Also-Wörter, zwei Konklusionen.« Hat er recht?
Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie beiden Sätzen die Warum-Probe: Antworten andere Sätze des Abschnitts auf das Warum?
Hinweis 2 von 2 · InhaltAuf die Frage, warum der Ausschluss nicht zu rechtfertigen sei, antwortet der ganze Abschnitt. Auf die Frage, warum 1,5 Millionen ausgeschlossen bleiben, antwortet nur das geltende Gesetz, und das ist keine Prämisse des Entwurfs, sondern sein Anlass.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 2 · Auswählen Ein Kiosk-Plakat ohne Weil und Also
Weiter zu Aufgabe 3 →Am Schulkiosk hängt ein Plakat der Schülervertretung: »Der Schulkiosk braucht eine vegetarische Theke. Immer mehr von uns essen kein Fleisch. Wer am Kiosk nichts findet, kauft eben beim Imbiss gegenüber.« Drei Aussagen, kein Weil, kein Also. Welche ist die Konklusion?
Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie jedem der drei Sätze die Warum-Probe: Auf welche Warum-Frage antworten die beiden anderen?
Hinweis 2 von 2 · InhaltAuf die Frage, warum der Kiosk eine Theke braucht, antworten zwei Sätze; auf die Frage, warum immer mehr kein Fleisch essen, antwortet keiner. Gestützt wird also der erste Satz.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 3 · Zuordnen Argument oder Erklärung in der Zeitung?
Weiter zu Aufgabe 4 →Vier Fundstücke aus derselben Ausgabe einer Lokalzeitung. Ordnen Sie jedem zu, was Sie vor sich haben. Zwei Karten passen zu keinem Fundstück.
»Der Bahnübergang am Stadtwald gehört gesichert, denn die Sicht auf die Gleise ist dort völlig verdeckt.«»Das Freibad öffnet erst im Mai, weil das Becken saniert wird.«»Die Innenstadt ist voller Baustellen. Die Busse sind oft verspätet. Parkplätze fehlen sowieso.«»Frau Vogel ist Apothekerin, sie wird die Erste Hilfe beim Stadtfest also bestens organisieren.«Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jedem Fundstück zuerst, ob ein Satz einen anderen stützt, und bei einem Weil zusätzlich, ob überhaupt etwas strittig ist.
Hinweis 2 von 2 · InhaltZwei Fundstücke enthalten Argumente, eines davon mit einer Lücke, die erst ein Satz über Apothekerinnen schließt. Das Freibad-Weil erklärt eine feststehende Tatsache, und die Baustellen-Sätze stehen unverbunden nebeneinander.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 4 · Auswählen Die Lücke beim kaputten Wasserspender
Weiter zu Aufgabe 5 →Die Schülerzeitung schreibt: »Der Wasserspender im Foyer ist seit Wochen kaputt. Die Schule sollte ihn endlich reparieren lassen.« Zwischen dem Grund und der Forderung bleibt eine Lücke. Wie schließen Sie sie, wenn Sie das Argument rekonstruieren?
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie, welcher Satz zwischen dem Grund und der Forderung fehlt, und dann, wie wenig dieser Satz behaupten darf, damit das Also gerade eben trägt.
Hinweis 2 von 2 · InhaltDer fehlende Pfeiler verbindet kaputte Geräte mit einer Pflicht der Schule. Die schwächste Fassung redet nur über Geräte, auf die Schüler angewiesen sind, nicht über jeden Mangel um jeden Preis; und die Klammer kennzeichnet sie als Ihre Ergänzung.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 5 · Lücken füllen Prämisse und Konklusion in drei Sätzen
Weiter zum Teil »Aus dem Werkzeugkasten« →Drei Sätze, in denen sich das Werkzeug der Etappe zusammenfassen lässt. Wählen Sie in jeder Lücke das Angebot, das stimmt; die anderen sind die Fehler, die an diesen Stellen am häufigsten gemacht werden.
Ob eine Aussage Prämisse oder Konklusion ist, entscheidet . Im Text darf die Konklusion stehen, erst die Standardform stellt sie immer ans Ende. Und ein Text ganz ohne Weil und Also .
Hinweis 1 von 2 · StrategiePrüfen Sie jedes Angebot an der Warum-Probe: Woran erkennen Sie eine Konklusion wirklich?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDie Rollen vergibt die Stützbeziehung, die Konklusion darf im Text überall stehen, und Signalwörter sind entbehrlich; das Kiosk-Plakat belegt alle drei Sätze auf einmal.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Aus dem Werkzeugkasten
2 Aufgaben · etwa 5 MinutenHier kommen Werkzeuge aus früheren Etappen zurück, diesmal am neuen Stoff. Wenn eines nicht mehr sitzt, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« eine Erinnerung oder schlagen in der Etappe nach, aus der es stammt; die Etappenleiste oben führt Sie hin.
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Aufgabe 6 · Auswählen Wer schuldet in der Kommentarspalte eine Begründung?
Weiter zu Aufgabe 7 →Unter einem Zeitungsbericht über den abgelehnten Gesetzentwurf stehen vier Kommentare. Nele: »Mit 16 kann doch keiner die Parteiprogramme auseinanderhalten!« Jon: »Dürfen 16-Jährige in Österreich eigentlich schon wählen?« Ayla: »Senkt das Wahlalter endlich!« Ben: »Hoffentlich kommt das noch vor der nächsten Wahl.« Wer hat eine Behauptung aufgestellt und schuldet nach der ersten Regel des Tischs eine Begründung, sobald jemand ernsthaft zweifelt?
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jedem Kommentar zuerst, ob er etwas als wahr hinstellt, und erst danach, wer etwas schuldet.
Hinweis 2 von 2 · InhaltNur Neles Satz hat einen Wahrheitswert: Entweder können Sechzehnjährige Parteiprogramme auseinanderhalten, oder sie können es nicht. Die drei anderen Sätze kann man nicht bestreiten, nur beantworten, befolgen oder teilen.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 7 · Auswählen Neles »niemand« und Rikes Bruder
Weiter zum Teil »Anwenden« →Nele legt nach: »Mit 16 interessiert sich niemand für Politik.« Rike antwortet: »Mein Bruder ist 16 und hat im Frühjahr die Schülerdemo für das günstigere Busticket organisiert.« Was leistet Rikes Antwort?
Hinweis 1 von 2 · StrategiePrüfen Sie zuerst, ob Neles Satz eine Allaussage ist, und dann den Bruder an den zwei Bedingungen aus der dritten Etappe.
Hinweis 2 von 2 · Inhalt»Niemand« verträgt keine Ausnahme. Der Bruder ist sechzehn und interessiert sich; damit fällt die Allaussage, und der redliche nächste Schritt ist eine Stufe auf der Leiter hinunter.
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Anwenden
3 Aufgaben · etwa 25 MinutenJetzt wenden Sie das Werkzeug selbst an, meist an neuem Material. Hier zeigt sich, ob Sie es allein gebrauchen können.
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Aufgabe 8 · Im Text markieren Die tragenden Sätze im Gesetzentwurf
Weiter zu Aufgabe 9 →Hier ist der Abschnitt »Problem« des Gesetzentwurfs vollständig, dreizehn Sätze im Wortlaut, jeder in einer Zeile. Die Konklusion des Abschnitts kennen Sie: »Ein Ausschluss vom aktiven Wahlrecht ist daher nicht zu rechtfertigen.« Markieren Sie alle Zeilen, die diese Konklusion als Prämisse tragen. Die Konklusion selbst, Beiwerk und Zugeständnisse bleiben unmarkiert.
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie Zeile für Zeile: Antwortet dieser Satz auf die Frage, warum der Ausschluss nicht zu rechtfertigen sei, oder macht er etwas anderes?
Hinweis 2 von 2 · InhaltAcht Zeilen antworten: der Grundsatz der Allgemeinheit, die zwei Sätze über die Begründungspflicht, die zwei Sätze über den einzigen möglichen Grund und die drei Sätze über die Fähigkeit der Sechzehnjährigen. Die ersten beiden Zeilen stimmen ein, die Zeile mit »seit jeher« räumt ein, die letzte beschreibt den Zustand.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 9 · Standardform bauen Den Gesetzentwurf in Standardform bauen
Weiter zu Aufgabe 10 →Der Bauplan des Gesetzentwurfs, zum Selberzeichnen. In der Ablage liegen zehn Karten: Sätze des Abschnitts »Problem«, in vollständige Sätze gebracht, die Forderung aus dem Abschnitt »Lösung«, die ergänzte Prämisse in Klammern und eine zweite Ergänzung, die jemand vorgeschlagen hat. Legen Sie die Pfeiler auf die nummerierten Plätze, in welcher Reihenfolge, ist gleichgültig, und unter den Strich den Satz, den alle anderen tragen. Was nicht in den Plan gehört, bleibt in der Ablage liegen.
Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie an jede Karte die Warum-Probe: Antworten andere Karten auf ihr Warum, oder antwortet sie selbst auf eines? Der Satz, auf den alle anderen antworten, gehört unter den Strich; was auf nichts antwortet und nach dem niemand fragt, bleibt liegen.
Hinweis 2 von 2 · InhaltFünf Karten antworten auf die Frage, warum das Wahlalter zu senken sei: der Grundsatz, die Rechtfertigungspflicht, der einzige mögliche Grund, der Befund und der Klammersatz, der von »nicht zu rechtfertigen« zu »aufzuheben« führt. Der Satz vom Schlüssel stimmt nur ein, der Satz vom Mindestalter räumt ein, der Satz mit den 1,5 Millionen beschreibt den Anlass, und die zweite Klammer behauptet mehr, als der Entwurf je sagt.
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Aufgabe 10 · Ins Heft schreiben · etwa 15 Minuten Den Bibliothekskommentar rekonstruieren
In der Schülerzeitung steht dieser Kommentar; ich habe ihn für diese Aufgabe geschrieben, so wie er in jeder Schülerzeitung stehen könnte. »Seit die Bibliothek auch in der Mittagspause offen ist, sitzen dort jeden Tag vierzig Schüler. Vorher war der Raum um diese Zeit abgeschlossen, und es hieß, niemand vermisse ihn. Und jetzt? Wer behauptet noch, dass die Schule keine längeren Öffnungszeiten braucht?« Bringen Sie das Argument in Standardform. Suchen Sie zuerst die Konklusion; sie ist nirgends ausgesprochen und versteckt sich in einer Frage, die keine echte Frage ist. Nummerieren Sie dann die Prämissen, sortieren Sie das Beiwerk aus, und ergänzen Sie in Klammern die schwächste Prämisse, die von den vierzig Schülern zu Ihrer Konklusion trägt. Erklären Sie zum Schluss in einem Satz, warum Ihre Fassung besser ist als »Was Schüler nutzen, muss die Schule unbegrenzt anbieten«.
Diese Aufgabe hat kein Antwortfeld. Schreiben Sie Ihre Antwort ins Heft oder in Ihre Notiz-App und tippen Sie danach hier auf »Erledigt«.
Weiter zu Schritt 4: Ihre These →
An Ihrer These weiterbauen
etwa 15 MinutenWorum es hier geht
Am Ende des Schuljahres sitzen Sie beim Pausenhofprojekt »Change my Mind« hinter Ihrer eigenen These und verteidigen sie gegen jeden, der sich an Ihren Tisch setzt. In jeder Etappe erproben Sie das neue Werkzeug an dieser These, und in der Werkstatt am Ende des Bandes fügen Sie alles zusammen.
Ihre letzte Arbeit an der These gehört zu Etappe 3, zur Aufgabe »Das Gegenbeispiel gegen die eigene These«. Legen Sie dieses Blatt neben sich, bevor Sie weiterschreiben; fehlt es, holen Sie die Aufgabe zuerst nach.
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Aufgabe 11 · Für die Mappe schreiben · etwa 15 Minuten Der Bauplan der eigenen These
Holen Sie das Blatt aus der dritten Etappe hervor, mit Ihrer redlich abgeschwächten These und dem Weil-Satz darunter. Zeichnen Sie daraus den Bauplan: das beste Argument, das Sie für Ihre These haben, in Standardform, mit nummerierten Prämissen und der These als Konklusion unter dem Strich; der Weil-Satz wird vermutlich Ihre erste Prämisse. Schreiben Sie mindestens eine Prämisse aus, die Sie beim Diskutieren bisher stillschweigend vorausgesetzt haben, und kennzeichnen Sie sie in Klammern; wählen Sie die schwächste Fassung, die Ihre Lücke wirklich schließt. Benennen Sie dann, welche Ihrer Prämissen ein Gast an Ihrem Tisch als Erstes anzweifeln würde, die ausgesprochene oder die ergänzte. Und heben Sie die fertige Standardform gut auf: In der fünften Etappe wird sie geprüft, an beiden Stellen.
Schreiben Sie auf ein eigenes Blatt für Ihre Mappe oder in Ihre Notiz »Change my Mind«, unter die Überschrift »Band I, Etappe 4«. Spätere Etappen holen es wieder hervor.
Weiter zu Schritt 5: Rückblick →
Zurück zur Ausgangsfrage
5 MinutenSieben Sätze aus einem Gesetzentwurf, den der Bundestag 2021 abgelehnt hat, hier durcheinandergewürfelt. Einer der sieben wird von den anderen getragen; er ist der Satz, auf den der Text hinauswill. Zwei Sätze enthalten ein »daher«, und nur einer von beiden ist der gesuchte. Welcher ist es, und woran haben Sie das erkannt?
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- Lesen Sie die Frage und Ihre erste Antwort noch einmal und schreiben Sie darunter, wie Sie jetzt antworten würden. Hat sich etwas geändert, nennen Sie den Gedanken, der Sie umgestimmt hat.
- Schätzen Sie ein, wie sicher Sie das Lernziel jetzt beherrschen, und notieren Sie einen Gedanken zur Frage »Zum Weiterdenken«.
- Schließen Sie die Etappe ab. Der Haken erscheint dann im Lernpfad des Kurses. Wenn Sie angemeldet sind, geht mit dem Abschluss Ihre Antwort an mich. Was offen geblieben ist, bringen Sie in die Doppelstunde mit.
Ihre Bilanz
In dieser Etappe haben Sie noch keine Aufgabe bearbeitet. Zu den Aufgaben →
Sie können ein Argument aus einem Text herauslösen und in Standardform bringen: die Konklusion an der Stützbeziehung erkennen und nicht an ihrer Stellung, die Prämissen nummerieren, Beiwerk und Zugeständnisse aussortieren und die Prämisse, die der Text nie ausspricht, in Klammern ergänzen, so schwach, wie sie sein darf. Und Sie halten das Aufschreiben eines Arguments vom Urteil darüber getrennt.
Wie sicher fühlen Sie sich damit jetzt?
Der Bundestag hat 2021 über ein Argument abgestimmt, das vermutlich kaum jemand im Saal in Standardform gesehen hat. Welche Forderung wird in Ihrer Klasse, Ihrer Familie oder Ihrem Chat so oft gestellt, dass nie jemand ihre Pfeiler aufschreibt? Und welche Prämisse, vermuten Sie, stünde dann in Klammern?
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