Aussage und Wahrheitswert
So gehen Sie vor
Diese Etappe bearbeiten Sie vor der Doppelstunde zu Hause. Gehen Sie die fünf Schritte der Reihe nach durch. Sie müssen nicht alles in einem Zug schaffen. Ihre Antworten bleiben in diesem Browser gespeichert, und wenn Sie auf demselben Gerät zurückkommen, bringt Sie der Knopf »Weitermachen« zur nächsten offenen Aufgabe.
- 01Einstieg5 Min.
Sie lesen die Ausgangsfrage und halten eine erste Antwort fest.
- 02Erklärung15 Min. Video
Sie sehen das Video oder lesen die Lesefassung; eines von beiden genügt.
- 03Üben25 Min.
Sie bearbeiten 7 Aufgaben, alle mit sofortiger Rückmeldung.
- 04Ihre These15 Min.
Sie erproben das neue Werkzeug an Ihrer eigenen These für »Change my Mind«.
- 05Rückblick5 Min.
Sie prüfen Ihre erste Antwort, schätzen sich ein und schließen die Etappe ab.
Sie haben diese Etappe abgeschlossen. Zum Wiederholen können Sie jederzeit einsteigen, Ihre Antworten sind noch da.
Was Sie brauchen und wo Ihre Antworten landen
Sie brauchen ein iPad oder einen Computer und für das Video Kopfhörer. Ohne Kopfhörer nehmen Sie die Lesefassung; sie enthält dasselbe wie das Video.
Die meisten Aufgaben beantworten Sie direkt auf dieser Seite und bekommen sofort eine Rückmeldung. Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App und tippen danach hier auf »Erledigt«.
Die Arbeit an Ihrer These kommt in jeder Etappe auf ein eigenes Blatt. Sammeln Sie die Blätter in einer Mappe oder in einer Notiz »Change my Mind« in Ihrer Notiz-App; in der Werkstatt am Ende des Bandes brauchen Sie alle.
Ohne Anmeldung bleibt alles in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang gehören die Ergebnisse der Aufgaben mit Antwortfeld, der Abschluss, Ihre Selbsteinschätzung und Ihre Antwort im Rückblick zu Ihrem Bereich, auch auf einem anderen Gerät. Ihre erste Antwort, Ihre Notizen und die Haken bei Heftaufgaben bleiben immer in diesem Browser. Meldet sich hier später jemand mit einem anderen Code an, legt die Seite Ihren Stand beiseite, bis Sie sich wieder anmelden.
Und was passiert in der Doppelstunde?
Die Doppelstunde beginnt mit den Stolpersteinen der Klasse, also mit den Denkfehlern, die in den Aufgaben am häufigsten vorkamen. In diese Liste gehen nur Antworten ein, die über Ihren Schülerzugang bei mir ankommen. Am sichersten melden Sie sich an, bevor Sie üben; was Sie vorher in diesem Browser geübt haben, reicht die Seite bei der Anmeldung nach. Das gilt nicht auf einem Gerät, an dem vorher schon jemand anderes angemeldet war: Dort gehört der Stand im Browser dieser Person.
Danach vertiefen wir das Werkzeug am Material und arbeiten an den Thesen weiter. Wer die Etappe vorher nicht geschafft hat, holt sie in der Stillarbeit nach; die Lesefassung geht auch ohne Kopfhörer.
Erst selbst nachdenken
5 MinutenAm Ende der ersten Etappe habe ich Sie gebeten, den Satz »Schließen Sie bitte das Fenster!« auf seine Wahrheit zu prüfen. Versuchen Sie es: Ist er wahr oder falsch? Die Frage klingt schief. Am 30. Juli 1966 fiel in London ein Satz, bei dem dieselbe Frage nicht schief klingt, und trotzdem wusste neunundzwanzig Jahre lang niemand die Antwort. Was unterscheidet die beiden Sätze, und was heißt es, dass ein Satz wahr ist, wenn kein Mensch es weiß?
»Ein Tor ist erzielt, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Pfosten und unter der Latte vollständig überquert hat.«
Bevor Sie weitergehen
Beantworten Sie die Frage zuerst für sich, bevor Sie Video oder Lesefassung öffnen. Ein oder zwei Sätze genügen. Schreiben Sie sie ins Feld darunter, dann zeige ich sie Ihnen im Rückblick wieder. Die Antwort darf falsch sein.
Bleibt in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Das können Sie danach: Sie können unterscheiden, welche Sätze etwas als wahr hinstellen und welche nicht, also Aussagen von Fragen, Aufforderungen und Ausrufen trennen. Sie wissen, dass eine Aussage genau einen von zwei Wahrheitswerten hat, und Sie können erklären, warum es zwei verschiedene Dinge sind, ob eine Aussage wahr ist und ob jemand das weiß.
Weiter zu Schritt 2: Erklärung →Das Werkzeug kennenlernen
Video 15 Minuten oder Lesefassung etwa 17 MinutenSo nutzen Sie die Erklärung
Video und Lesefassung erklären dasselbe, eines von beiden genügt. Das Video führt Sie Schritt für Schritt durch den Gedankengang. Die Lesefassung passt, wenn Sie lieber lesen, keine Kopfhörer haben oder während der Aufgaben etwas nachschlagen wollen.
Achten Sie darauf, wo die Erklärung auf die Ausgangsfrage zurückkommt, und vergleichen Sie das mit Ihrer ersten Antwort.
Ohne Verbindung lässt sich das Video nicht abspielen. Die Lesefassung steht Ihnen trotzdem offen.
Das Video konnte nicht geladen werden. Wählen Sie 720p oder 480p für einen neuen Versuch, oder öffnen Sie die MP4-Datei direkt.
Die Frage, die schief klingt
Am Ende der ersten Etappe habe ich Ihnen einen Satz mitgegeben, »Schließen Sie bitte das Fenster!«, und Sie gebeten, ihn auf seine Wahrheit zu prüfen. Versuchen Sie es jetzt. Ist der Satz wahr, oder ist er falsch?
Sie merken, dass die Frage nicht passt. Der Satz kann höflich sein oder unverschämt, berechtigt oder überflüssig, und man kann ihn befolgen oder überhören. Wer aufsteht und das Fenster schließt, hat ihn damit nicht wahr gemacht, und wer sitzen bleibt, hat ihn nicht widerlegt. Die Wörter »wahr« und »falsch« finden an diesem Satz keinen Halt, weil er für sie gar nicht gebaut ist.
Das ist merkwürdiger, als es klingt. In der ersten Etappe ging es die ganze Zeit darum, dass jemand einen Satz als wahr hinstellt und ein anderer diese Behauptung prüft. Offenbar geht das nicht mit jedem Satz. Welche Sätze kann man überhaupt als wahr hinstellen? Und was heißt es, dass ein solcher Satz wahr ist? Für die zweite Frage habe ich einen Fall, über den mehr Menschen gestritten haben als über die meisten Sätze der Philosophie. Er dauert eine Sekunde.
Eine Sekunde in Wembley
Am 30. Juli 1966 stand es im Finale der Fußballweltmeisterschaft zwischen England und Deutschland nach 90 Minuten 2:2. In der 101. Minute, schon in der Verlängerung, schoss der Engländer Geoff Hurst aus kurzer Entfernung. Der Ball prallte an die Unterkante der Latte, sprang senkrecht nach unten, auf die Linie oder dahinter, und von dort zurück ins Feld. Der Schiedsrichter, ein Schweizer, hatte es nicht sehen können. Er lief zu seinem Linienrichter, einem Mann aus Baku, mit dem er keine gemeinsame Sprache hatte, und der Linienrichter nickte. Der Schiedsrichter gab das Tor zum 3:2, und England wurde am Ende Weltmeister.
Seitdem wird über einen einzigen Satz gestritten: »Der Ball war hinter der Linie.« Die Regel, an der er sich messen lassen muss, haben Sie am Anfang der Etappe als Material gelesen.
Fußballregeln · Regel 10 · sinngemäß
Torerzielung. Ein Tor ist erzielt, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Pfosten und unter der Latte vollständig überquert hat.
Auf das Wort »vollständig« kommt alles an. Ein Ball, der auf der Linie liegt, ist nicht drin, und einer, der sie nur noch mit dem Rand berührt, ist es auch nicht. Wie wenig da fehlen darf, sieht man am besten von oben.
Wann ein Ball drin ist
Erst 1995 werteten die Ingenieure Ian Reid und Andrew Zisserman von der Universität Oxford die Filmaufnahmen mit einem Verfahren aus, das aus den Bildern die Lage des Balls im Raum berechnet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass dem Ball wenige Zentimeter fehlten: Er hatte die Linie nicht vollständig überquert.
In den 29 Jahren dazwischen wusste niemand, ob der Satz wahr ist. Trotzdem liegen in diesem Fall drei Dinge auf getrennten Spuren, die man gern zusammenwirft, und die Grafik unten hält sie auseinander.
Was sich zwischen 1966 und 1995 änderte, und was nicht
- In dem Augenblick, in dem der Ball aufspringt, liegt er irgendwo. Von da an steht fest, ob der Satz wahr oder falsch ist, auch wenn es noch niemand weiß.
- Der Linienrichter nickt, der Schiedsrichter gibt das Tor. Diese Entscheidung gilt bis heute, und keine spätere Messung ändert etwas am Ergebnis.
- Über 90 000 Menschen haben die Szene gesehen, die Kameras haben sie gefilmt, und trotzdem weiß es 29 Jahre lang niemand.
- 1995 messen Reid und Zisserman die Filmbilder nach: Der Ball war nicht ganz hinter der Linie. Den roten Balken trage ich erst nach dieser Messung ein, er beginnt aber trotzdem 1966, denn der Wert war nie ein anderer. Neu ist nur, dass man ihn kennt.
Weil die oberste Spur von der ersten Sekunde an einen Wert hatte, klingt bei diesem Satz die Frage »wahr oder falsch?« nicht schief wie beim Fenster. Sie hatte nur lange keine Antwort.
DenkpauseDer Schiedsrichter hat 1966 auf Tor entschieden, und das Tor zählt bis heute. Ist der Satz »Der Ball war hinter der Linie« durch den Pfiff nicht doch irgendwie wahr geworden?
Nein. Wahr geworden ist durch den Pfiff ein anderer Satz, nämlich »Das Tor zählt«. Über diesen Satz entscheidet tatsächlich der Schiedsrichter, denn ob ein Tor zählt, legen die Regeln und seine Entscheidung fest. Wo der Ball lag, legt er nicht fest. Deshalb stehen in der Grafik zwei Spuren übereinander, die nicht zueinander passen und trotzdem beide stimmen: Das Tor zählt, und der Ball war nicht drin.
Vier Sätze in einer Sekunde
Bleiben wir in der Sekunde, in der der Ball von der Latte springt, und hören wir auf die Tribüne. Vier Menschen rufen gleichzeitig etwas, und nur einer von ihnen sagt das, worüber seither gestritten wird.
Vier Sätze von der Tribüne
»Tor!« ist ein Ausruf. Er stellt nichts als wahr hin, er entlädt sich, und widersprechen kann man ihm nicht, man kann höchstens zurückschreien. »War der drin?« stellt ebenfalls nichts als wahr hin, sondern bittet darum, dass es ein anderer tut. »Gib ihn!« will nicht sagen, wie es ist, sondern etwas bewirken, nämlich den Pfiff. Erst der vierte Satz sagt, wie es sich verhält. Deshalb kann er wahr oder falsch sein, deshalb kann man ihm widersprechen, und deshalb kann man 29 Jahre lang über ihn streiten. Über einen Schrei streitet niemand so lange.
Aus diesem Sortieren ergibt sich eine einzige Prüffrage: Stellt der Satz selbst etwas als wahr hin, von dem sich herausstellen könnte, dass es sich so verhält oder nicht so verhält? Wenn ja, drückt er eine Aussage aus. Wenn nein, ist er etwas anderes, eine Frage, eine Aufforderung, ein Ausruf oder ein Wunsch, und zwar auch dann, wenn er sehr laut ist.
Satz und Aussage
Bevor ich weitergehe, brauche ich eine Unterscheidung, die viele von Ihnen jeden Tag machen, ohne darüber nachzudenken. Wer zwischen Spanisch und Deutsch wechselt, weiß, dass »El balón entró« und »Der Ball war drin« dasselbe sagen, obwohl kein einziges Wort gleich ist. Merkwürdiger ist der umgekehrte Fall, in dem die Wörter gleich sind und trotzdem nicht dasselbe gesagt wird. Die Grafik zeigt beide Richtungen.
Gezählt wird auf zwei Ebenen
- Drei Sätze in drei Sprachen, aber behauptet wird dreimal dasselbe, nämlich dass der Ball die Linie überquert hat. Mehrfach ist nur das Sprachliche.
- Nach dem Abpfiff ruft ein englischer Fan »Wir haben gewonnen«, und ein deutscher Fan, der es nicht glauben will, sagt trotzig denselben Satz. Der eine behauptet etwas über England und hat recht, der andere etwas über Deutschland und irrt.
Ich brauche also zwei Wörter. Der Satz ist das sprachliche Gebilde, das, was gesagt oder geschrieben wird. Die Aussage ist das, was mit einem solchen Satz behauptet wird, nämlich dass es sich so und so verhält. Einen Satz, der eine Aussage ausdrücken kann, nenne ich einen Aussagesatz. »Der Ball war drin« ist einer, »Schließen Sie bitte das Fenster!« ist keiner.
Wahr oder falsch ist nicht der Satz mit seinen Buchstaben, sondern das, was mit ihm behauptet wird. Deshalb kann ein Satz auf Spanisch nicht wahrer sein als auf Deutsch. Und deshalb hatten die englischen und die deutschen Zeitungen am Morgen nach dem Finale nicht zwei verschiedene Wahrheiten, sondern eine, von der beide nichts wussten.
Aussage
Das, was ein Aussagesatz als wahr hinstellt, nämlich dass es sich so und so verhält. Jede Aussage hat genau einen von zwei Wahrheitswerten: Sie ist wahr oder falsch.
PrüffrageStellt der Satz selbst etwas als wahr hin, das zutreffen oder nicht zutreffen kann?
Beispiel»Der Ball war hinter der Linie«, ob auf Deutsch, Spanisch oder Englisch gesagt.
Nicht zu verwechselnmit dem Satz, der sie ausdrückt.
Wahr oder falsch, und wer das entscheidet
Eine Aussage ist wahr, wenn es sich so verhält, wie sie sagt, und falsch, wenn es sich nicht so verhält. Das sind die beiden Wahrheitswerte, und es sind genau zwei. Ich vereinfache hier ein wenig und sage es dazu: Es gibt Logiker, die für bestimmte Zwecke mit einem dritten Wert rechnen. Für diesen Kurs brauchen wir nur die zwei, und für den Ball reichen sie auch.
Wichtiger ist, wer den Wert bestimmt. Den Schiedsrichter haben Sie beim Pfiff von 1966 schon ausgeschlossen. Die Zuschauer sind es auch nicht, selbst wenn sie sich alle einig wären, und die Kamera ist es ebenso wenig. Ob der Ball hinter der Linie war, entscheidet der Ball. Wenn alle Menschen der Welt abstimmten, dass er drin war, läge er dadurch keinen Millimeter weiter hinten.
Wie weit diese Dinge auseinanderfallen können, zeigte 44 Jahre später das Achtelfinale von Bloemfontein, wieder England gegen Deutschland. Frank Lampards Schuss sprang von der Latte deutlich hinter der Linie auf, fast jeder sah es sofort, und der Schiedsrichter gab das Tor nicht. Seit 2014 misst bei Weltmeisterschaften eine Torlinientechnik die Lage des Balls. Sie macht den Ball nicht drin. Sie zeigt, ob er es war.
Drei Fälle an der Torlinie
Wahr sein, gewusst werden und gepfiffen werden sind drei verschiedene Dinge, und nur das erste entscheidet über den Wahrheitswert.
DenkpauseWie viele Grashalme standen an jenem Nachmittag auf dem Rasen von Wembley, eine gerade oder eine ungerade Zahl? Niemand hat sie gezählt, und niemand wird es je tun. Hat die Aussage »Es war eine gerade Zahl« trotzdem einen Wahrheitswert?
Ja. Eines von beiden war der Fall, auch wenn niemand je erfahren wird, welches. Die Aussage ist wahr oder falsch, und ihr Wert ist so unbekannt, wie ein Wert nur sein kann. Wer hier »weder noch« sagt, verwechselt in der Zeitgrafik von Wembley die Spur »Wie es war« mit der Spur »Was man wusste«: Unbekannt ist unser Wissen, nicht der Wert.
Mitteilen ist nicht behaupten
Wer die Prüffrage zum ersten Mal anwendet, macht leicht einen Fehler.
DenkpauseEin Fan schreit 1966 »Tor!«, obwohl der Ball, wie wir heute wissen, nicht ganz drin war. Hat er etwas Falsches gesagt?
Nein. Falsch war nicht sein Satz, sondern seine Überzeugung. Der Schrei hat nichts behauptet und kann darum weder wahr noch falsch sein; die falsche Aussage »Der Ball war drin« hat der Fan nicht ausgesprochen, sondern nur geglaubt. Wahr ist dagegen die Aussage »Er hält den Ball für drin«, aber sie handelt vom Fan, und gemacht hat sie nicht er, sondern wer ihn hört.
Der Ausruf, die Frage und die Aufforderung teilen also durchaus etwas mit, sie behaupten es nur nicht. Mitteilen und behaupten sind zwei verschiedene Dinge, und wahr oder falsch kann nur sein, was behauptet wird. Am deutlichsten wird das an einem Wort, das jeder kennt.
»Autsch!«
Wer sich den Fuß stößt und das ruft, teilt zweifellos mit, dass es wehtut. Er behauptet es aber nicht. Deshalb kann »Autsch!« nicht falsch sein, auch dann nicht, wenn er nur so tut.
»Ich habe Schmerzen im Fuß.«
Am Nachmittag sagt derselbe Mensch diesen Satz beim Arzt. Jetzt stellt er etwas als wahr hin, und ob es stimmt, entscheidet der Fuß. Wer hier nur so tut, sagt etwas Falsches.
Dasselbe gilt für Fragen, die eine Information mit sich tragen. »Wussten Sie schon, dass das Tor nicht hätte zählen dürfen?« enthält eine Behauptung, stellt sie aber nicht selbst als wahr hin; der Satz fragt. Sie erkennen das daran, dass man ihm nicht widersprechen kann, ohne ihn vorher in eine Aussage zu übersetzen. Für die Prüffrage zählt, was der Satz selbst tut, nicht was er nahelegt.
Ein Sonderfall, den ich nicht verschweigen will
Es gibt Sätze, die wie Aussagesätze gebaut sind und bei denen trotzdem strittig ist, ob sie wahr oder falsch sein können. »Das war das schönste Tor des Turniers.« »Lügen ist verwerflich.« »Diese Lehrerin ist fachlich kompetent.« Das sind Wertungen, und ob Wertungen wahr sein können wie der Satz über die Linie, ist eine der großen Streitfragen der Philosophie.
Auch Gerichte müssen darüber entscheiden, wenn auch aus anderen Gründen. Auf einer Internetseite konnten Schüler ihre Lehrer mit Noten bewerten, unter anderem danach, ob sie fachlich kompetent seien, und eine Lehrerin klagte auf Löschung ihrer Bewertungen.
Bundesgerichtshof · Urteil vom 23. Juni 2009 · VI ZR 196/08
Die Bewertungen der Lehrerin auf spickmich.de sind Werturteile und keine Tatsachenbehauptungen. Sie sind von der Meinungsfreiheit gedeckt und müssen nicht gelöscht werden.
Eine Tatsachenbehauptung kann man nachprüfen wie die Lage eines Balls. Ein Werturteil kann man begründen und bestreiten, aber nicht nachmessen. Ich lasse die philosophische Streitfrage hier offen und sage Ihnen, was sie für den Kurs bedeutet. Die Thesen vom Pausenhof waren fast alle Wertungen, von der Sterbehilfe bis zur besseren Cola, und wir behandeln sie am Tisch wie Aussagen. Man stellt sie als wahr hin, man gibt Gründe für sie, man prüft die Gründe. Das funktioniert, und es ist das Beste, was wir mit ihnen tun können. Ob »wahr« am Ende das richtige Wort für eine Wertung ist, kommt in der Reihe wieder, wenn es ums moralische Argumentieren geht. Bis dahin genügt eine Warnung: Nicht jeder Satz, der gebaut ist wie »Der Ball war drin«, trägt seinen Wahrheitswert so offen wie dieser.
Woraus Argumente gebaut sind
In der ersten Etappe war die Begründung eine Brücke, mit dem Grund als Pfeiler und der Behauptung als anderem Ufer. Jetzt können Sie sagen, aus welchem Material diese Brücke gebaut sein muss, nämlich aus Aussagen und aus nichts anderem. Das Ufer, auf dem sie landet, muss etwas sein, das wahr oder falsch sein kann, sonst gäbe es nichts, wohin man hinüberkommen könnte. Und der Pfeiler muss es auch, denn nur ein Satz, der selbst wahr sein kann, kann einen anderen stützen.
Nur Aussagen tragen
»Der Ball war drin, weil er hinter der Linie aufsprang« ist eine Brücke, über die man gehen und die man prüfen kann. »Der Ball war drin, weil gib ihn endlich!« ist keine. Eine Aufforderung begründet nichts, und ein Schrei auch nicht, so laut er ist.
Fragen haben am Tisch trotzdem ihren Platz, nur einen anderen. »Woraus schließt du das?« behauptet nichts, aber es fordert die Brücke ein, die der andere schuldet. Wer dagegen »Das ist doch komplett falsch!« ruft, behauptet selbst etwas, nämlich das Gegenteil der These, und schuldet damit seinerseits eine Brücke. Deshalb beginnt jede Prüfung eines Arguments mit demselben Handgriff, den Sie in diesem Kurs noch oft ausführen werden: die Aussagen aus dem Redefluss herauslösen und von allem trennen, was nur so klingt. Wer das kann, hat das Material in der Hand, aus dem Argumente gebaut sind.
Das Raster
Wenn Sie einen Satz vor sich haben, gehen Sie so vor.
Fragen Sie, ob der Satz selbst etwas als wahr hinstellt
Wenn nein, ist er keine Aussage, sondern eine Frage, eine Aufforderung, ein Wunsch oder ein Ausruf, so viel er auch mitteilen mag.
Fragen Sie, was genau behauptet wird
Derselbe Satz kann je nach Sprecher Verschiedenes behaupten, und drei Sätze in drei Sprachen können eine einzige Aussage sein.
Gehen Sie davon aus, dass die Aussage wahr oder falsch ist
Sie hat genau einen der beiden Werte, und welchen, entscheidet die Sache, nicht der Schiedsrichter, nicht die Mehrheit und nicht wir.
Fragen Sie getrennt, ob jemand den Wert kennt
Unbekannt heißt nicht ohne Wert, und umstritten heißt nicht unentschieden. Bei Wertungen seien Sie vorsichtig: Ob sie einen Wahrheitswert haben wie der Satz über die Linie, ist selbst umstritten.
Eine Aussage ist das, was ein Aussagesatz als wahr hinstellt; sie ist wahr, wenn es sich so verhält, und sonst falsch, ganz gleich, ob jemand das weiß oder entscheidet.
In der nächsten Etappe lasse ich Aussagen aufeinandertreffen. Sie werden sehen, wann zwei Aussagen einander widersprechen, und Sie werden einen Vogel kennenlernen, der einen Satz gestürzt hat, den anderthalbtausend Jahre lang jeder für wahr gehalten hatte. Über 90 000 Augenpaare haben 1966 nicht ausgereicht, um zu wissen, ob ein Satz wahr ist; ein einziger Vogel hat genügt, um zu zeigen, dass einer falsch war. Warum Widerlegen so viel leichter ist als Beweisen, und was das für Sätze wie »Du räumst nie auf« bedeutet, das ist die dritte Etappe.
Das Werkzeug üben
7 Aufgaben · etwa 25 MinutenSo üben Sie
- Bearbeiten Sie die Aufgaben der Reihe nach und prüfen Sie jede Antwort, bevor Sie weitergehen.
- Lesen Sie die Rückmeldung auch dann, wenn Sie richtig lagen. Sie fügt meistens einen Gedanken hinzu, den Ihre Antwort noch nicht enthält.
- Wenn Sie feststecken, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« einen Denkanstoß. Nach dem zweiten Fehlversuch können Sie sich die Auflösung zeigen lassen.
- Manche Aufgaben fragen, wie sicher Sie sich sind. Eine ehrliche Antwort hilft Ihnen und mir mehr als eine mutige.
- Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App. Tippen Sie danach auf »Erledigt«, damit der Stand oben stimmt.
Mit Ihrem Schülerzugang zählen Ihre Antworten zu Ihrem Bereich, auch beim Gerätewechsel, und gehen in die Stolpersteine der Doppelstunde ein. Was Sie hier schon geübt haben, reicht die Seite nach, sobald Sie sich in diesem Browser anmelden. Liegt Ihre Einwilligung vor, können Sie außerdem EduBuddy fragen, den Tutor, der Denkanstöße gibt statt Lösungen.
Sie sind nicht angemeldet, deshalb liegen Ihre Antworten nur in diesem Browser. Mit dem Schülerzugang anmelden →
Verstehen
4 Aufgaben · etwa 15 MinutenSitzt, was die Erklärung gezeigt hat? Die falschen Antworten sind keine Fallen, sondern die Denkfehler, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen. Die Rückmeldung sagt Ihnen, welcher es war.
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Aufgabe 1 · Lücken füllen Drei Stolperstellen am Satz aus Wembley
Weiter zu Aufgabe 2 →Der Satz aus Wembley steht seit 1966 im Raum, und an drei Stellen kann man beim Reden über ihn danebengreifen. Wählen Sie in jeder Lücke das Angebot, das stimmt; die anderen sind die Fehler, die an diesen Stellen am häufigsten gemacht werden.
Der Satz »Der Ball war hinter der Linie« hat genau einen von zwei Wahrheitswerten: Er ist wahr oder . Welchen der beiden Werte er hat, entscheidet . Und »Der Ball war drin«, »El balón entró« und »The ball crossed the line« sind drei , aber nur eine Aussage.
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jeder Lücke, worüber das Angebot redet: über den Ball, über die Menschen, die auf ihn schauen, oder über die Sprache, in der man von ihm spricht.
Hinweis 2 von 2 · InhaltEin Wahrheitswert hat nur zwei Ausprägungen und hängt daran, wie es sich verhält, nicht daran, wer etwas glaubt, weiß oder pfeift. Und drei Sprachen ergeben drei sprachliche Gebilde für eine einzige Behauptung.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 2 · Zuordnen Vier Sätze rund um das Wembley-Tor
Weiter zu Aufgabe 3 →Vier Sätze, wie sie in Wembley gefallen sein könnten und wie sie seither über das Spiel gesagt werden. Ordnen Sie jedem Satz die Beschreibung zu, die sagt, was er tut und was das für seinen Wahrheitswert bedeutet. Eine der Karten passt zu keinem der Sätze.
»Deutschland hat das Finale von 1966 verloren.«»Der Ball war mit seinem ganzen Umfang hinter der Linie.«»War der drin?«»Schiri, gib das Tor!«Hinweis 1 von 2 · StrategieStellen Sie an jeden Satz dieselbe Prüffrage: Stellt er selbst etwas als wahr hin, das zutreffen oder nicht zutreffen kann? Erst wenn ja, fragen Sie, ob jemand weiß, was von beiden gilt.
Hinweis 2 von 2 · InhaltZwei Sätze stellen nichts als wahr hin; der eine bittet um eine Antwort, der andere um eine Entscheidung. Die zwei anderen sind Aussagen, und sie unterscheiden sich nur darin, seit wann ihr Wert bekannt ist. Haben tun ihn beide.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 3 · Auswählen »Autsch« und der Satz beim Arzt
Weiter zu Aufgabe 4 →Beim Sportfest tritt jemand Ihrer Freundin auf den Fuß, und sie ruft: »Autsch!« Am Nachmittag sagt sie zum Arzt: »Ich habe Schmerzen im Fuß.« Beide Sätze teilen mit, dass ihr der Fuß wehtut. Warum hat nur der zweite einen Wahrheitswert?
Hinweis 1 von 2 · StrategieVersuchen Sie, jedem der beiden Sätze zu widersprechen. Bei welchem gelingt das, und was sagt Ihnen das darüber, ob er etwas als wahr hingestellt hat?
Hinweis 2 von 2 · InhaltGezeigt wird beim Ausruf viel, behauptet wird nichts; deshalb kann man ihn nicht bestreiten. Und ob eine Behauptung von außen nachprüfbar ist, entscheidet nicht darüber, ob sie einen Wahrheitswert hat.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 4 · Wörter einsetzen Drei Sprachen und zwei Fans
Weiter zum Teil »Aus dem Werkzeugkasten« →Auf der Tribüne ruft jemand »Der Ball war drin«, daneben jemand »El balón entró«, und Sie merken, dass Sie gerade dasselbe zweimal gehört haben. Ziehen Sie die vier Wörter an ihre Plätze. Sie ähneln sich, aber sie zählen auf zwei verschiedenen Ebenen, und ein Wort aus der Ablage bleibt übrig.
»Der Ball war drin«, »El balón entró« und »The ball crossed the line« sind drei , aber nur eine . Ruft nach dem Finale ein englischer Fan »Wir haben gewonnen« und ein deutscher Fan dasselbe, dann ist das ein , aber es sind zwei .
Hinweis 1 von 2 · StrategieTrennen Sie die zwei Ebenen, bevor Sie ziehen: das, was dasteht oder gerufen wird, und das, was damit darüber gesagt wird, wie es sich verhält.
Hinweis 2 von 2 · InhaltIm ersten Beispiel wird in drei Sprachen ein und dasselbe behauptet, mehrfach ist nur das Sprachliche. Im zweiten steht derselbe Wortlaut, aber je nach Sprecher wird etwas anderes behauptet, und einer der beiden hat sogar recht.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Aus dem Werkzeugkasten
2 Aufgaben · etwa 5 MinutenHier kommen Werkzeuge aus früheren Etappen zurück, diesmal am neuen Stoff. Wenn eines nicht mehr sitzt, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« eine Erinnerung oder schlagen in der Etappe nach, aus der es stammt; die Etappenleiste oben führt Sie hin.
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Aufgabe 5 · Auswählen Wer schuldet in der Klassengruppe eine Begründung?
Weiter zu Aufgabe 6 →In der Klassengruppe schreibt Camila: »Morgen fällt die erste Stunde aus.« Mateo antwortet: »Sicher?« Valentina schreibt: »Hoffentlich!« Wer von den dreien hat etwas behauptet und schuldet darum nach der ersten Regel des Tischs eine Begründung, sobald jemand ernsthaft zweifelt?
Hinweis 1 von 2 · StrategieNehmen Sie jeden Beitrag einzeln und fragen Sie zuerst, ob er etwas als wahr hinstellt. Erst bei denen, für die das gilt, fragen Sie nach der Pflicht.
Hinweis 2 von 2 · InhaltNur einer der drei Sätze ist ein Aussagesatz. Die Frage bittet um eine Begründung, der Wunsch drückt eine Hoffnung aus, und dass sich Camilas Satz erst morgen prüfen lässt, ändert nichts daran, dass sie ihn heute behauptet.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 6 · Zuordnen Vier Reaktionen auf die Schuluniform-These
Weiter zum Teil »Anwenden« →Zurück am Tisch aus der ersten Etappe. Auf dem Plakat steht »Schuluniformen sollten Pflicht sein«, und vier Gäste reagieren. Ordnen Sie jeder Beschreibung die Reaktion zu, die sie trifft.
Widerspruch: eine zweite Behauptung, die selbst eine Brücke schuldetFrage: stellt nichts als wahr hin, macht aber die Brücke fälligWunsch: kein Wahrheitswert, keine Behauptung, kein EinwandRelevanzregel verletzt: Der Satz führt zur Person, nicht zur TheseHinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jeder Reaktion zweimal: Stellt der Satz etwas als wahr hin, und wenn ja, worüber, über die These oder über etwas anderes?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDer lauteste Satz ist mehr als bloßes Dagegensein, er behauptet das Gegenteil der These. Der Satz über die Kleidung behauptet auch etwas, nur über eine Person. Frage und Wunsch behaupten nichts.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Anwenden
1 Aufgabe · etwa 5 MinutenJetzt wenden Sie das Werkzeug selbst an, meist an neuem Material. Hier zeigt sich, ob Sie es allein gebrauchen können.
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Aufgabe 7 · Im Text markieren Sieben Zettel am Schwarzen Brett
Weiter zu Schritt 4: Ihre These →Am Schwarzen Brett der Schule hängen sieben Zettel. Markieren Sie die Sätze, die eine Aussage ausdrücken, also selbst etwas als wahr hinstellen, das zutreffen oder nicht zutreffen kann.
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jedem Zettel nicht, ob er etwas mitteilt, denn das tun fast alle, sondern ob Sie ihm widersprechen könnten. Wo das geht, wurde etwas als wahr hingestellt.
Hinweis 2 von 2 · InhaltAufforderung, Frage, Wunsch und Ausruf scheiden aus, auch wenn in ihnen eine Information mitfährt. Und ob Sie die Zahl der Bücher kennen, spielt keine Rolle; der Satz über sie ist wahr oder falsch, so oder so.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
An Ihrer These weiterbauen
etwa 15 MinutenWorum es hier geht
Am Ende des Schuljahres sitzen Sie beim Pausenhofprojekt »Change my Mind« hinter Ihrer eigenen These und verteidigen sie gegen jeden, der sich an Ihren Tisch setzt. In jeder Etappe erproben Sie das neue Werkzeug an dieser These, und in der Werkstatt am Ende des Bandes fügen Sie alles zusammen.
Ihre letzte Arbeit an der These gehört zu Etappe 1, zur Aufgabe »Ihr Plakat für »Change my Mind««. Legen Sie dieses Blatt neben sich, bevor Sie weiterschreiben; fehlt es, holen Sie die Aufgabe zuerst nach.
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Aufgabe 8 · Für die Mappe schreiben · etwa 15 Minuten Das eigene Plakat auf Wahrheitswerte abklopfen
Holen Sie das Plakat hervor, das Sie in der ersten Etappe entworfen haben, mit Ihrer These und dem Weil-Satz darunter. Prüfen Sie zuerst beide Sätze mit der Frage dieser Etappe: Stellt jeder von ihnen selbst etwas als wahr hin, das zutreffen oder nicht zutreffen kann? Wenn Ihre These eine Frage, eine Parole oder ein Wunsch ist, schreiben Sie sie so um, dass man ihr widersprechen kann, und notieren Sie, was Sie dabei festlegen mussten. Prüfen Sie dann, ob Ihre These eine Wertung ist wie die meisten Thesen auf dem Pausenhof, und schreiben Sie in zwei Sätzen auf, woran man erkennen würde, dass Sie mit ihr recht haben. Zum Schluss der Weil-Satz: Kennen Sie seinen Wahrheitswert, oder halten Sie ihn nur für wahr, so wie 1966 neunzigtausend Menschen den Ball für drin hielten? Schreiben Sie ehrlich auf, welches von beiden gilt und woran Sie es merken. Heben Sie das Blatt auf; in der nächsten Etappe lernen Sie, wie ein einziges Gegenbeispiel einen Weil-Satz zu Fall bringen kann.
Schreiben Sie auf ein eigenes Blatt für Ihre Mappe oder in Ihre Notiz »Change my Mind«, unter die Überschrift »Band I, Etappe 2«. Spätere Etappen holen es wieder hervor.
Weiter zu Schritt 5: Rückblick →
Zurück zur Ausgangsfrage
5 MinutenAm Ende der ersten Etappe habe ich Sie gebeten, den Satz »Schließen Sie bitte das Fenster!« auf seine Wahrheit zu prüfen. Versuchen Sie es: Ist er wahr oder falsch? Die Frage klingt schief. Am 30. Juli 1966 fiel in London ein Satz, bei dem dieselbe Frage nicht schief klingt, und trotzdem wusste neunundzwanzig Jahre lang niemand die Antwort. Was unterscheidet die beiden Sätze, und was heißt es, dass ein Satz wahr ist, wenn kein Mensch es weiß?
Bleibt in diesem Browser, nichts wird übertragen.
- Lesen Sie die Frage und Ihre erste Antwort noch einmal und schreiben Sie darunter, wie Sie jetzt antworten würden. Hat sich etwas geändert, nennen Sie den Gedanken, der Sie umgestimmt hat.
- Schätzen Sie ein, wie sicher Sie das Lernziel jetzt beherrschen, und notieren Sie einen Gedanken zur Frage »Zum Weiterdenken«.
- Schließen Sie die Etappe ab. Der Haken erscheint dann im Lernpfad des Kurses. Wenn Sie angemeldet sind, geht mit dem Abschluss Ihre Antwort an mich. Was offen geblieben ist, bringen Sie in die Doppelstunde mit.
Ihre Bilanz
In dieser Etappe haben Sie noch keine Aufgabe bearbeitet. Zu den Aufgaben →
Sie können unterscheiden, welche Sätze etwas als wahr hinstellen und welche nicht, also Aussagen von Fragen, Aufforderungen und Ausrufen trennen. Sie wissen, dass eine Aussage genau einen von zwei Wahrheitswerten hat, und Sie können erklären, warum es zwei verschiedene Dinge sind, ob eine Aussage wahr ist und ob jemand das weiß.
Wie sicher fühlen Sie sich damit jetzt?
Denken Sie an einen Satz, den Sie für wahr halten, ohne es zu wissen: über einen Menschen, über die Zukunft, über Sie selbst. Woran merken Sie den Unterschied zwischen Halten und Wissen, und was würde sich ändern, wenn Sie ihn öfter bemerkten?
Selbsteinschätzung und Notiz bleiben in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Als Nächstes: »Widerspruch und Gegenbeispiel«
Weiter mit Etappe 03 →