Wortstreit oder Sachstreit?
So gehen Sie vor
Diese Etappe bearbeiten Sie vor der Doppelstunde zu Hause. Gehen Sie die fünf Schritte der Reihe nach durch. Sie müssen nicht alles in einem Zug schaffen. Ihre Antworten bleiben in diesem Browser gespeichert, und wenn Sie auf demselben Gerät zurückkommen, bringt Sie der Knopf »Weitermachen« zur nächsten offenen Aufgabe.
- 01Einstieg5 Min.
Sie lesen die Ausgangsfrage und halten eine erste Antwort fest.
- 02Erklärung19 Min. Video
Sie sehen das Video oder lesen die Lesefassung; eines von beiden genügt.
- 03Üben55 Min.
Sie bearbeiten 10 Aufgaben, 9 davon mit sofortiger Rückmeldung.
- 04Ihre These15 Min.
Sie entscheiden, ob Ihre These aus Band I bleibt, und prüfen sie mit dem ersten Werkzeug des Bandes.
- 05Rückblick5 Min.
Sie prüfen Ihre erste Antwort, schätzen sich ein und schließen die Etappe ab.
Sie haben diese Etappe abgeschlossen. Zum Wiederholen können Sie jederzeit einsteigen, Ihre Antworten sind noch da.
Was Sie brauchen und wo Ihre Antworten landen
Sie brauchen ein iPad oder einen Computer und für das Video Kopfhörer. Ohne Kopfhörer nehmen Sie die Lesefassung; sie enthält dasselbe wie das Video.
Die meisten Aufgaben beantworten Sie direkt auf dieser Seite und bekommen sofort eine Rückmeldung. Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App und tippen danach hier auf »Erledigt«.
Die Arbeit an Ihrer These kommt in jeder Etappe auf ein eigenes Blatt. Sammeln Sie die Blätter in einer Mappe oder in einer Notiz »Change my Mind« in Ihrer Notiz-App; in der Werkstatt am Ende des Bandes brauchen Sie alle.
Ohne Anmeldung bleibt alles in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang gehören die Ergebnisse der Aufgaben mit Antwortfeld, der Abschluss, Ihre Selbsteinschätzung und Ihre Antwort im Rückblick zu Ihrem Bereich, auch auf einem anderen Gerät. Ihre erste Antwort, Ihre Notizen und die Haken bei Heftaufgaben bleiben immer in diesem Browser. Meldet sich hier später jemand mit einem anderen Code an, legt die Seite Ihren Stand beiseite, bis Sie sich wieder anmelden.
Und was passiert in der Doppelstunde?
Die Doppelstunde beginnt mit den Stolpersteinen der Klasse, also mit den Denkfehlern, die in den Aufgaben am häufigsten vorkamen. In diese Liste gehen nur Antworten ein, die über Ihren Schülerzugang bei mir ankommen. Am sichersten melden Sie sich an, bevor Sie üben; was Sie vorher in diesem Browser geübt haben, reicht die Seite bei der Anmeldung nach. Das gilt nicht auf einem Gerät, an dem vorher schon jemand anderes angemeldet war: Dort gehört der Stand im Browser dieser Person.
Danach vertiefen wir das Werkzeug am Material und arbeiten an den Thesen weiter. Wer die Etappe vorher nicht geschafft hat, holt sie in der Stillarbeit nach; die Lesefassung geht auch ohne Kopfhörer.
Erst selbst nachdenken
5 MinutenIst ein Burrito ein Sandwich? Sie haben eine Antwort, bevor Sie die Frage zu Ende gelesen haben. Im Herbst 2006 brauchte ein Gericht in Massachusetts mehrere Seiten dafür, und dabei wusste jeder im Saal genau, woraus ein Burrito besteht und woraus ein Sandwich. Über keine einzige Tatsache waren die Parteien uneins. Worüber haben sie dann gestritten?
»Der Vermieter verpflichtet sich, im Einkaufszentrum keine weitere Gaststätte zuzulassen, die vor allem Sandwiches verkauft.« · »Ein Sandwich: zwei dünne Scheiben Brot, gewöhnlich gebuttert, mit einer dünnen Schicht Fleisch, Käse oder einer würzigen Mischung dazwischen.«
Bevor Sie weitergehen
Beantworten Sie die Frage zuerst für sich, bevor Sie Video oder Lesefassung öffnen. Ein oder zwei Sätze genügen. Schreiben Sie sie ins Feld darunter, dann zeige ich sie Ihnen im Rückblick wieder. Die Antwort darf falsch sein.
Bleibt in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Das können Sie danach: Sie können einen Wortstreit von einem Sachstreit unterscheiden: Sie sperren das strittige Wort, lassen beide Seiten sagen, was sie meinen, und sehen nach, ob ein Streit über Tatsachen oder über das, was sein soll, übrig bleibt. Und Sie wissen, was zu tun ist, wenn an dem Wort etwas hängt: Seine Grenze wird nicht entdeckt, sondern für einen Zweck festgelegt, mit Gründen.
Weiter zu Schritt 2: Erklärung →Das Werkzeug kennenlernen
Video 19 Minuten oder Lesefassung etwa 18 MinutenSo nutzen Sie die Erklärung
Video und Lesefassung erklären dasselbe, eines von beiden genügt. Das Video führt Sie Schritt für Schritt durch den Gedankengang. Die Lesefassung passt, wenn Sie lieber lesen, keine Kopfhörer haben oder während der Aufgaben etwas nachschlagen wollen.
Achten Sie darauf, wo die Erklärung auf die Ausgangsfrage zurückkommt, und vergleichen Sie das mit Ihrer ersten Antwort.
Ohne Verbindung lässt sich das Video nicht abspielen. Die Lesefassung steht Ihnen trotzdem offen.
Das Video konnte nicht geladen werden. Wählen Sie 720p oder 480p für einen neuen Versuch, oder öffnen Sie die MP4-Datei direkt.
Ist ein Burrito ein Sandwich?
Sie haben eine Antwort, und Sie hatten sie, bevor Sie die Frage zu Ende gelesen hatten. Behalten Sie sie einen Moment für sich. Im Herbst 2006 brauchte ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts für dieselbe Frage mehrere Seiten, und niemand im Saal hielt das für Zeitverschwendung.
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Die Bäckereikette Panera hatte in einem Einkaufszentrum in der Kleinstadt Shrewsbury ein Lokal gemietet und sich im Vertrag eine Schutzklausel gesichert: Der Vermieter durfte im selben Einkaufszentrum keine weitere Gaststätte zulassen, die vor allem Sandwiches verkauft. Einige Jahre später vermietete er ein Ladenlokal an Qdoba, eine Kette, die Burritos, Tacos und Quesadillas verkauft. Panera legte Einspruch ein. Ein Burrito, so argumentierten seine Anwälte, sei ein Sandwich, denn er habe Teig außen und Füllung innen, man nehme ihn mit, und er werde an dieselben Kunden zur selben Mittagszeit verkauft. Der Vermieter hielt das für absurd, und weil sich beide nicht einigten, musste ein Richter entscheiden, ob Qdoba einziehen durfte.
Merkwürdig an diesem Streit ist, dass beide Seiten genau wussten, was ein Burrito ist. Niemand bestritt, dass er aus einer einzelnen Weizentortilla besteht, die mit Fleisch, Reis und Bohnen gefüllt und dann gerollt wird, und niemand bestritt, was bei Panera in der Vitrine lag. Über keine einzige Tatsache waren die beiden uneins, und trotzdem standen sie vor Gericht. Worüber haben sie dann gestritten?
Worüber sie sich einig waren
Ich schlage vor, den Streit zuerst zu sortieren. Auf die eine Seite kommt alles, worüber Panera und der Vermieter einer Meinung waren: wie ein Burrito gebaut ist, wie ein Sandwich gebaut ist, was im Vertrag steht und wo die beiden Lokale liegen. Diese Liste ist lang, und sie ist vollständig, denn es gibt nichts über Burritos, was die eine Seite behauptet und die andere bestreitet. Auf die andere Seite kommt, worüber sie uneins waren, und diese Liste hat einen einzigen Eintrag: ob das Wort »Sandwich« den Burrito einschließt.
Um den Unterschied zwischen den beiden Listen sichtbar zu machen, benutze ich ein Bild, das Sie durch den ganzen Band begleiten wird. Die Dinge, über die wir reden, sind ein Gelände. Burritos, Sandwiches, Bagels und alles andere, was es gibt, liegen dort herum. Unsere Begriffe sind Karten dieses Geländes: Ein Begriff ist ein Gebiet, das jemand mit einer Grenze eingezeichnet hat, und das Wort ist der Name, der auf dem Gebiet steht.
Zwei Karten über demselben Gelände
- Das Gelände: sechs Speisen, so wie sie sind. Über jede von ihnen waren sich Panera und der Vermieter einig.
- Die Karte des Vermieters. Das Gebiet mit dem Namen »Sandwich« umfasst, was aus Brot mit Belag dazwischen besteht, und endet lange vor dem Burrito.
- Die Karte von Panera. Derselbe Name steht auf einem viel größeren Gebiet, das alles einschließt, was Teig außen und Füllung innen hat, bis zum Burrito.
- Beide Karten übereinander. Das Gelände ist dasselbe geblieben, kein Burrito ist gewachsen und kein Sandwich verschwunden. Verschieden ist nur, wo die Grenze um den Namen läuft.
Panera und der Vermieter standen also auf demselben Gelände und beschrieben es gleich. Sie hielten nur zwei verschiedene Karten in der Hand.
Wortstreit
Ein Streit, in dem beide Seiten über die Sache einig sind und nur darüber streiten, wie weit ein Wort reicht.
BeispielPanera und der Vermieter über den Burrito.
GegenstückDer Sachstreit: Die Seiten sind über das Gelände selbst uneins, darüber, was dort ist oder was dort geschehen soll.
Das klingt, als ließe sich beides leicht auseinanderhalten. In Wirklichkeit gehört es zum Schwersten, was es im Streiten gibt, denn von innen sieht ein Wortstreit genauso aus wie ein Sachstreit. Man hat das sichere Gefühl, der andere behaupte etwas Falsches, man findet Gründe und wird lauter, und dabei hat keiner von beiden je einen falschen Satz gesagt. Auf das Gefühl ist also kein Verlass, und deshalb braucht es ein Verfahren.
Die Sperrprobe
Das Verfahren stammt in dieser Form von dem Philosophen David Chalmers, der es 2011 beschrieben hat. Ich nenne es die Sperrprobe, und es besteht aus drei Handgriffen. Zuerst sperren Sie das strittige Wort: Niemand darf es mehr benutzen, auch nicht in einer anderen Form und auch nicht durch ein Wort, das dasselbe bedeutet. Dann lassen Sie jede Seite sagen, was sie über die Sache behauptet. Und zuletzt sehen Sie nach, was vom Streit übrig ist. Die Grafik führt die Probe am Burrito Schritt für Schritt vor.
Die Sperrprobe am Burrito
- Vor der Probe sieht der Streit aus wie ein Widerspruch: Der eine Satz bejaht, was der andere verneint.
- Das strittige Wort wird gesperrt. Es fehlt jetzt in beiden Sätzen, und ohne es sagen die Sätze nichts mehr.
- Jede Seite sagt, was sie über die Sache behauptet, ohne das Wort. Die Sätze werden länger, dafür steht jetzt darin, was jeder meint.
- Man vergleicht. Jede Seite würde den Satz der anderen unterschreiben, und vom Streit über den Burrito bleibt nichts übrig.
Dass die Sätze im dritten Schritt umständlicher klingen als im ersten, ist kein Mangel der Probe, sondern ihr Zweck. Wer ohne das Wort auskommen muss, muss sagen, was er meint, und erst dann sieht man, ob zwei Menschen einander überhaupt widersprechen.
DenkpauseNach der Sperre sagt Paneras Anwalt: »Gut, dann eben so: Ein Burrito ist ein belegtes Brot.« Der Vermieter antwortet: »Ist er nicht.« Hat die Probe damit einen Sachstreit freigelegt?
Nein, die Probe ist noch gar nicht gemacht. »Belegtes Brot« ist nur ein neuer Name für dasselbe Gebiet, und der Streit ist mit denselben zwei Karten von einem Wort zum anderen umgezogen. Die Sperrprobe verlangt Sätze über Tortillas, Füllungen und Kunden, nicht neue Namen, und erst an solchen Sätzen zeigt sich, ob etwas übrig bleibt.
Das Eichhörnchen
Damit Sie sehen, wie ein reiner Wortstreit aussieht, einer, bei dem am Ende gar nichts übrig bleibt, erzähle ich Ihnen die Geschichte, mit der der amerikanische Philosoph William James 1907 das Thema eröffnet hat. Auf einem Ausflug in die Berge findet er seine Freunde mitten in einem hitzigen Streit. An einem Baumstamm hängt ein Eichhörnchen, und auf der anderen Seite des Stamms steht ein Mann, der das Tier sehen will. Er geht um den Baum herum, aber das Eichhörnchen huscht ebenso schnell um den Stamm, sodass immer der Baum zwischen den beiden bleibt. Die Freunde streiten über die Frage, ob der Mann um das Eichhörnchen herumgeht.
Die eine Hälfte sagt ja, die andere nein, und beide sind sich sicher. James gibt beiden recht, und die Sperrprobe zeigt, warum er das darf. Sperren Sie »herum« und lassen Sie jede Hälfte sagen, was sie meint. Die Zeichnung zeigt beide Karten über demselben Baum.
Zwei Karten für das Wort »herum«
- Heißt »herum«, nacheinander im Norden, Osten, Süden und Westen des Tiers zu sein, dann geht der Mann herum. Das bestreitet niemand.
- Heißt »herum«, nacheinander vor, neben, hinter und neben dem Tier zu sein, dann geht er nicht herum: Das Eichhörnchen dreht sich mit und hält ihm immer den Bauch zu, nie den Rücken, und so bleibt der Mann immer vor dem Tier. Auch das bestreitet niemand.
Über Mann, Baum und Tier sind sich alle vollständig einig. Es gibt zwei wahre Sätze und zwei Karten für das Wort »herum«, und damit war der Streit von Anfang an leer.
Den Grund kennen Sie aus dem ersten Band. In der zweiten Etappe haben Sie gesehen, dass zwei Sätze eine einzige Aussage tragen können, »Es regnet« und »Está lloviendo«. Hier ist es umgekehrt: Ein Satz trägt zwei Aussagen, je nachdem, was »herum« heißt. Wer ihn bejaht, bejaht die eine, und wer ihn verneint, verneint die andere. Ein Widerspruch im Sinn der dritten Etappe, bei dem dieselbe Aussage bejaht und verneint wird, liegt deshalb gar nicht vor, und darum muss sich hier auch niemand irren.
Wenn etwas übrig bleibt
Nicht jeder Streit, in dem ein Wort auffällig oft fällt, ist ein Wortstreit. Manchmal sperrt man das Wort, und der Streit steht unverändert da, nur in längeren Sätzen. Dann war nicht das Wort das Problem, sondern die Sache, und die Sperrprobe hat den Sachstreit freigelegt, den das Wort verdeckt hat.
Lena und Jonas streiten nach einer Klausur darüber, ob sie fair war. Das klingt zunächst wie der Streit um den Burrito, denn beide kennen die Tatsachen. Drei von acht Aufgaben stammten aus einem Kapitel, das nur eine einzige Stunde lang behandelt worden war, und dieses Kapitel stand auf dem Lernzettel. Sperren Sie »fair« und lassen Sie beide sagen, was sie meinen.
»Eine Klausur darf einem Kapitel nur so viel Gewicht geben, wie es im Unterricht bekommen hat.«
»Was auf dem Lernzettel steht, darf drankommen, und vorbereiten muss sich jeder selbst.«
Diese beiden Sätze widersprechen sich, und zwar ohne das Wort. Der Streit hat die Probe überstanden, also ist er ein Sachstreit. Allerdings geht es darin nicht um Tatsachen, denn die kennen beide, sondern um die Frage, was eine Klausur tun soll.
Die Klausur zeigt also die eine Art von Rest, die die Sperrprobe übrig lassen kann: ein Sollen. Beide kennen alle Tatsachen und wollen trotzdem Verschiedenes. Die andere Art ist eine Tatsache. Wenn zwei uneins sind, ob der Unterricht heute früher zu Ende war, meinen beide mit »früher« dasselbe und sind nur über die Uhrzeit uneins, und das klärt ein Blick auf die Uhr. Für beide Reste haben Sie im ersten Band das Werkzeug bekommen: für Tatsachen den Beleg und das Gegenbeispiel, für das Sollen die Brücke mit ihren Pfeilern und den drei Angriffen. Die Sperrprobe erledigt also keinen Streit. Sie sortiert ihn und sagt Ihnen, womit Sie weiterarbeiten.
DenkpauseZwei Freunde streiten seit einer halben Stunde, ob die Tomate ein Obst oder ein Gemüse ist. Beide wissen, dass sie Samen trägt und dass man sie in den Salat schneidet. Trotzdem werden sie immer lauter, und keiner gibt nach. Muss es bei so viel Leidenschaft nicht um die Sache gehen?
Nein, an der Heftigkeit erkennt man keinen Sachstreit. Wortstreits werden oft besonders zäh geführt, gerade weil keiner der beiden je etwas Falsches sagt und darum keiner einen Grund sieht nachzugeben. Ob es um die Sache geht, zeigt nur die Probe: Wer »Obst« und »Gemüse« sperrt, findet über Samen und Salat nichts mehr, worüber die beiden uneins wären. Wer aus der Lautstärke schließt, es müsse um die Sache gehen, hat die Probe durch ein Gefühl ersetzt.
Wenn am Wort etwas hängt
Zurück nach Massachusetts. Über den Burrito blieb nach der Sperrprobe nichts übrig, und trotzdem konnte der Richter den Streit nicht mit einem Achselzucken beenden, denn an dem Wort hing ein Vertrag und an dem Vertrag ein Geschäft. Das ist der dritte Fall, und er ist der interessanteste: ein Wortstreit, an dem etwas hängt. Dann muss jemand entscheiden, wie weit das Wort reicht, und diese Entscheidung ist keine Entdeckung. Niemand kann herausfinden, was ein Sandwich in Wahrheit ist, so wie man herausfinden kann, wann die Stunde zu Ende war. Man kann die Grenze nur ziehen, und zwar gut oder schlecht.
Der Richter, Jeffrey Locke, zog sie so:
Massachusetts Superior Court · Urteil vom Herbst 2006
Der Mietvertrag legt nicht fest, was »Sandwich« bedeutet. Das Wort ist deshalb in seiner gewöhnlichen Bedeutung zu verstehen. Webster’s Third New International Dictionary beschreibt ein Sandwich als zwei dünne Scheiben Brot, gewöhnlich gebuttert, mit einer dünnen Schicht Fleisch, Käse oder einer würzigen Mischung dazwischen.
Burritos, Tacos und Quesadillas werden gewöhnlich aus einer einzelnen Tortilla gemacht und mit Fleisch, Reis und Bohnen gefüllt. Nach dieser Definition und nach dem gewöhnlichen Verständnis fallen sie nicht unter das Wort »Sandwich«.
Dazu kam ein zweiter Gedanke, der mir der wichtigere scheint. Panera ist ein großes Unternehmen und hatte den Vertrag selbst ausgehandelt. Wer sich gegen Burritos schützen will, kann Burritos in die Klausel schreiben. Panera hatte es nicht getan, und die Unschärfe eines Wortes geht zu Lasten dessen, der sie hätte beseitigen können. Qdoba durfte einziehen. Ich vereinfache hier ein wenig, denn ein Urteil hat mehr Seiten als dieser Auszug.
Sehen Sie aber genau hin, was der Richter getan hat und was nicht. Er hat nicht entdeckt, was ein Sandwich ist. Er hat festgelegt, was das Wort in diesem Vertrag umfasst, für den Zweck dieses Vertrags, und er hat seine Festlegung begründet. Dass es eine Festlegung war, zeigt ein Blick auf andere Stellen, an denen dieselbe Grenze gezogen wurde, jedes Mal anders.
Dieselbe Tortilla, vier Grenzen
Wer in New York einen Burrito kauft, zahlt darauf die Steuer für Sandwiches, denn die dortige Steuerverwaltung zählt Burritos ausdrücklich zu den Sandwiches, neben Hotdogs, Gyros und gebutterten Bagels. Ihr Zweck ist, alles gleich zu besteuern, was zubereitet und verzehrfertig verkauft wird, ob auf Brot, im Fladen oder gerollt. Die Lebensmittelaufsicht der Vereinigten Staaten nennt den Burrito in ihren Vorschriften ein sandwichartiges Produkt, weil für Fleisch in Teig dieselben Regeln über Inhalt und Kennzeichnung gelten sollen. Und im Prozess selbst hatte der Koch Chris Schlesinger in einer Erklärung für den Vermieter versichert, kein Koch würde einen Burrito ein Sandwich nennen; er zog die Grenze so, wie Küchen und Kochbücher das Wort gebrauchen. Keine der vier Instanzen hat sich geirrt, und keine hat die anderen widerlegt, weil jede für einen anderen Zweck gezeichnet hat.
Das deutsche Recht kennt dasselbe Manöver und macht keinen Hehl daraus. Die Abgabenordnung zählt auf, welche Zwecke als gemeinnützig gelten und deshalb steuerlich begünstigt sind, und dort steht diese Zeile:
Abgabenordnung · § 52 Gemeinnützige Zwecke
21. die Förderung des Sports (Schach gilt als Sport);
Der Gesetzgeber hat nicht herausgefunden, dass Schach Sport ist. Er hat es festgelegt, weil er Schachvereine so behandeln wollte wie Turnvereine, und er hat den Satz so gebaut, dass jeder sieht, dass es eine Festlegung ist.
DenkpauseEin Mitschüler liest das Urteil und sagt: »Wenn keiner entdecken kann, was ein Sandwich ist, hätte der Richter genauso gut Ja sagen können. Das ist doch alles Willkür.« Hat er recht?
Nein. Der Richter hätte Ja sagen können, aber nicht ebenso gut, denn festgelegt heißt nicht beliebig: Eine Grenze wird an ihrem Zweck gemessen, und man kann mit Gründen darüber streiten, ob die Grenze des Richters dem Zweck der Klausel gerecht wurde. Das ist dann wieder ein Sachstreit, nur einer über den Vertrag statt über Burritos, und die Sperrprobe hat ihn genau an diese Stelle geschoben.
Wie man einen Begriff für einen Zweck sauber festlegt, ist ein Handwerk für sich. Die letzte Etappe dieses Bandes ist ihm gewidmet.
Der Wegweiser
Was Sie aus alledem mitnehmen, lässt sich als Wegweiser zeichnen. Wenn Sie in einen Streit geraten, in dem ein Wort auffällig oft fällt, sperren Sie es und lassen Sie beide Seiten sagen, was sie meinen. Danach gibt es genau drei Wege.
Nach der Sperrprobe: drei Wege
Am Tisch beginnt das mit einer Frage, die Sie längst kennen und die jetzt eine Methode hat: »Was meinen Sie mit …?« Wer sie stellt, ist weder unhöflich noch pedantisch. Er spart beiden Seiten die Zeit, die sie sonst damit verbrächten, sich über zwei Karten zu streiten, während das Gelände unverändert daliegt.
An den Tisch
Am Ende des ersten Bandes habe ich versprochen, dass Ihre These wieder auf den Tisch kommt und dass wir dann fragen, worüber Sie dabei eigentlich reden. Ich fange mit meiner eigenen an. Beim Finale hat sich ein Gast zu mir gesetzt und gesagt: »Aber Sie sagen doch dauernd Ihre Meinung. Wenn Sie einen Fehlschluss benennen, ist das eine Meinung.« Ich hätte widersprechen können, er hätte darauf bestanden, und wir hätten eine Pause lang darüber gestritten, ob das Benennen eines Fehlschlusses eine Meinung ist. Stattdessen sperre ich das Wort »Meinung«.
»Ein Lehrer sollte seine Meinung zu einer strittigen Frage erst sagen, wenn die Schüler ihre eigene gebildet haben.«
»Ein Lehrer sollte erst sagen, auf welcher Seite einer strittigen Frage er selbst steht, wenn die Schüler sich eine eigene Antwort gebildet haben.«
Ob ich einen Fehlschluss benenne, berührt die neue Fassung nicht, denn damit stelle ich mich auf keine Seite der strittigen Frage. Entscheidend ist jetzt, ob der Gast auch der neuen Fassung widerspricht. Sagt er, ein Lehrer solle seine Seite ruhig gleich nennen, damit die Schüler wissen, woran sie sind, dann ist der Streit echt. Es ist ein Sachstreit darüber, was ein Lehrer tun soll, und mein Argument aus dem ersten Band hat endlich einen Gegner, der es treffen kann. Sagt er dagegen, so habe er es auch gemeint, dann waren wir einer Meinung und hatten es nur nicht gemerkt.
Beides ist ein Gewinn. Im ersten Fall weiß ich, worüber gestritten wird, und kann meine Brücke prüfen lassen. Im zweiten habe ich eine Pause gewonnen, die ich sonst an ein Wort verloren hätte.
Ein Wortstreit ist Streit um die Grenze eines Wortes bei Einigkeit über die Sache; die Sperrprobe deckt ihn auf, und wo am Wort etwas hängt, wird die Grenze für einen Zweck mit Gründen festgelegt, nicht entdeckt.
In der nächsten Etappe sehen wir Leuten dabei zu, wie sie eine Grenze neu ziehen, und zwar per Abstimmung. Im August 2006 haben die Astronomen der Welt in Prag darüber abgestimmt, ob Pluto ein Planet ist, und seitdem hat unser Sonnensystem acht Planeten statt neun. Kann man über Tatsachen abstimmen? Nach dieser Etappe ahnen Sie die Antwort. Die nächste macht sie genau: Sie trennt das Wort vom Begriff und den Begriff vom Gegenstand, und sie zeigt, wie man eine Definition baut und wie man sie mit einem einzigen Gegenbeispiel zu Fall bringt.
Das Werkzeug üben
10 Aufgaben · etwa 55 MinutenSo üben Sie
- Bearbeiten Sie die Aufgaben der Reihe nach und prüfen Sie jede Antwort, bevor Sie weitergehen.
- Lesen Sie die Rückmeldung auch dann, wenn Sie richtig lagen. Sie fügt meistens einen Gedanken hinzu, den Ihre Antwort noch nicht enthält.
- Wenn Sie feststecken, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« einen Denkanstoß. Nach dem zweiten Fehlversuch können Sie sich die Auflösung zeigen lassen.
- Manche Aufgaben fragen, wie sicher Sie sich sind. Eine ehrliche Antwort hilft Ihnen und mir mehr als eine mutige.
- Aufgaben ohne Antwortfeld schreiben Sie ins Heft oder in Ihre Notiz-App. Tippen Sie danach auf »Erledigt«, damit der Stand oben stimmt.
Mit Ihrem Schülerzugang zählen Ihre Antworten zu Ihrem Bereich, auch beim Gerätewechsel, und gehen in die Stolpersteine der Doppelstunde ein. Was Sie hier schon geübt haben, reicht die Seite nach, sobald Sie sich in diesem Browser anmelden. Liegt Ihre Einwilligung vor, bekommen Sie außerdem zu jedem Text, den Sie im Antwortfeld abgeben, eine Rückmeldung zu jedem Kriterium und können EduBuddy fragen, den Tutor, der Denkanstöße gibt statt Lösungen. Ohne Anmeldung prüfen Sie Ihre Texte selbst, in der Selbstkontrolle unter dem Schreibfeld.
Sie sind nicht angemeldet, deshalb liegen Ihre Antworten nur in diesem Browser. Mit dem Schülerzugang anmelden →
Verstehen
5 Aufgaben · etwa 20 MinutenSitzt, was die Erklärung gezeigt hat? Die falschen Antworten sind keine Fallen, sondern die Denkfehler, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen. Die Rückmeldung sagt Ihnen, welcher es war.
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Aufgabe 1 · Urteilen und begründen Der Schachstreit im Café
Weiter zu Aufgabe 2 →Zwei Freunde im Café. Er: »Schach ist kein Sport, da bewegt sich nichts außer den Fingern.« Sie: »Schach ist Sport. Es gibt Turniere, Weltmeister, einen Verband, sogar Dopingkontrollen.« Beide wissen dasselbe über Schach: wie es gespielt wird, dass man dabei sitzt, dass es Verbände und Weltmeisterschaften gibt. Es hängt nichts an der Frage, keiner zahlt die Rechnung des anderen.
Ihr UrteilWorum geht es in diesem Streit?
Ihre BegründungWoran machen Sie das fest?
Hinweis 1 von 2 · StrategieSperren Sie das Wort »Sport« und lassen Sie beide sagen, was sie über Schach behaupten. Gibt es dann noch einen Satz, den der eine bejaht und die andere verneint?
Hinweis 2 von 2 · InhaltÜber das Spiel, das Sitzen, die Turniere und die Verbände sind die beiden einig, und keiner will etwas anderes tun als der andere. Uneins sind sie nur, wie weit ein Wort reicht, und das entscheidet weder ein Wörterbuch noch die Lautstärke.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 2 · Einordnen Die Sperrprobe an sechs kleinen Streits
Weiter zu Aufgabe 3 →Sechs kleine Streits. Führen Sie bei jedem die Sperrprobe im Kopf durch und ordnen Sie ihn ein: Bleibt nichts übrig, ist es ein Wortstreit. Bleibt eine Tatsache oder ein Sollen übrig, ist es ein Sachstreit.
Ist ein Hotdog ein Sandwich? Beide wissen, was ein Hotdog ist: Brötchen, Würstchen, Senf. Er sagt ja, sie sagt nein, und es hängt nichts daran.Ist Wien größer als Hamburg? Beide kennen die Zahlen: Wien hat rund zwei Millionen Einwohner auf 415 Quadratkilometern, Hamburg 1,9 Millionen auf 755. Er sagt Wien, sie sagt Hamburg.War der Unterricht heute kürzer als sonst? Er sagt, die Stunde endete um 12:55, sie sagt um 13:00. Was »kürzer« heißt, ist beiden klar.Soll die Schule Handys in der Pause erlauben? Beide wissen, was ein Handy ist und was in der Pause passiert. Er sagt ja, sie sagt nein.War es gerecht, dass die Nachschreiber eine andere Klausur bekamen? Beide wissen, welche Aufgaben in beiden Klausuren standen. Er sagt, gleiche Aufgaben für alle wären gerecht gewesen. Sie sagt, die Nachschreiber kannten die erste Klausur, gleiche Aufgaben hätten ihnen einen Vorteil gegeben.Ist der neue Mitschüler groß? Beide haben ihn gemessen: 1,80 Meter. In seiner Basketballmannschaft ist er damit der Kleinste, in der Klasse der Größte.Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jedem Streit zuerst, ob die beiden über irgendeine Tatsache uneins sind. Dann fragen Sie, ob sie Verschiedenes wollen. Erst wenn beides verneint ist, bleibt nur das Wort.
Hinweis 2 von 2 · InhaltDrei der sechs Streits verschwinden, sobald jeder sagt, was er mit dem Wort meint: Hotdog, Wien und der große Mitschüler. Die Uhrzeit ist eine Tatsache, das Handyverbot und die Klausur sind Fragen danach, was sein soll.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 3 · Auswählen Was bleibt vom Burritostreit übrig?
Weiter zu Aufgabe 4 →Machen Sie die Sperrprobe am Fall: Niemand im Gerichtssaal darf das Wort »Sandwich« mehr benutzen, auch kein anderes Wort für dasselbe. Was bleibt vom Streit zwischen Panera und dem Vermieter übrig?
Hinweis 1 von 2 · StrategieSchreiben Sie für beide Seiten einen Satz über den Burrito, in dem weder »Sandwich« noch ein Ersatzwort vorkommt. Widersprechen sich die beiden Sätze?
Hinweis 2 von 2 · InhaltÜber die Tortilla, die Füllung und die Kunden sind sich beide einig. Was nach der Probe noch offen ist, betrifft den Vertrag: Wen sollte die Klausel fernhalten? Das ist eine Frage nach dem Zweck einer Regel, und die verschwindet nicht, nur weil der Burrito nicht mehr strittig ist.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 4 · Zuordnen Wer zieht die Grenze, und wonach?
Weiter zu Aufgabe 5 →Vier Instanzen haben die Grenze des Wortes »Sandwich« gezogen, jede für sich und jede anders. Ordnen Sie jeder zu, wonach sie die Grenze gezogen hat. Eine Karte passt zu keiner.
Das Gericht in Massachusetts, 2006: Ein Burrito ist kein Sandwich.Die Steuerverwaltung des Staates New York: Burritos zählen zu den Sandwiches.Die Lebensmittelaufsicht der Vereinigten Staaten: Ein Burrito ist ein »sandwichartiges Produkt«.Der Koch Chris Schlesinger in seinem Gutachten für den Vermieter: Kein Koch würde einen Burrito ein Sandwich nennen.Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie bei jeder Instanz, wofür sie das Wort braucht. Ein Gericht braucht es, um einen Vertrag auszulegen; eine Steuerbehörde, um Speisen zu besteuern; eine Aufsicht, um Vorschriften zuzuordnen; ein Koch, um sich mit anderen Köchen zu verständigen.
Hinweis 2 von 2 · InhaltDas Gericht hat das Wörterbuch zitiert und darauf verwiesen, dass Panera Burritos in die Klausel hätte schreiben können. Die Steuerverwaltung wollte alles Verzehrfertige gleich behandeln, die Aufsicht alles Fleisch in Teig. Der Koch hat gesagt, wie sein Fach redet. Eine wahre Natur hat keiner von ihnen gesucht.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 5 · Lücken füllen Die Sperrprobe in drei Sätzen
Weiter zum Teil »Aus dem Werkzeugkasten« →Das Werkzeug der Etappe in drei Sätzen. Vervollständigen Sie sie. Die falschen Angebote sind die drei Irrtümer, die an dieser Stelle am häufigsten vorkommen.
Ein Wortstreit liegt vor, wenn zwei Seiten . Die Sperrprobe verbietet das strittige Wort und lässt jeden sagen, was er behauptet; . Hängt an dem Wort etwas, ein Vertrag, ein Gesetz, eine Note, dann .
Hinweis 1 von 2 · StrategieFragen Sie sich bei jeder Lücke, ob das Angebot noch auf die Sache schaut oder nur auf das Wort. Die Sperrprobe verlangt immer Sätze über die Sache.
Hinweis 2 von 2 · InhaltEin Wortstreit ist Einigkeit über die Sache, die Probe lässt einen Sachstreit übrig oder nichts, und eine Grenze, an der etwas hängt, wird mit Gründen für einen Zweck gezogen.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Aus dem Werkzeugkasten
3 Aufgaben · etwa 10 MinutenHier kommen Werkzeuge aus Band I zurück, diesmal am neuen Stoff. Wenn eines nicht mehr sitzt, holen Sie sich mit »Hinweis anzeigen« eine Erinnerung oder schlagen in der Etappe nach, aus der es stammt.
Die Etappen von Band I finden Sie im Kurs »Argumentieren«.
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Aufgabe 6 · Auswählen Wie viele Aussagen trägt der Eichhörnchensatz?
Weiter zu Aufgabe 7 →William James' Freunde streiten über den Satz »Der Mann geht um das Eichhörnchen herum«. Die eine Hälfte bejaht ihn, die andere verneint ihn, und James gibt beiden recht. Sehen Sie sich das mit dem Werkzeug der zweiten und dritten Etappe von Band I an: Wie viele Aussagen trägt der Satz, und liegt ein Widerspruch vor?
Hinweis 1 von 2 · StrategieSperren Sie »herum« und lassen Sie jede Hälfte sagen, was sie über den Weg des Mannes behauptet. Sind das dieselben Sätze mit verschiedenem Vorzeichen, oder zwei verschiedene Sätze?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDie Ja-Hälfte redet über Himmelsrichtungen, die Nein-Hälfte über Bauch und Rücken des Tieres. Zwei Aussagen, beide entschieden; ein Widerspruch bräuchte eine einzige Aussage, bejaht und verneint.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 7 · Standardform bauen Das Urteil im Burritostreit in Standardform
Weiter zu Aufgabe 8 →Das Argument des Richters, in sechs Karten zerlegt. Bauen Sie es in Standardform: die Prämissen auf die Pfeiler, die Konklusion unter den Strich. Zwei Karten gehören nicht in den Plan.
Hinweis 1 von 2 · StrategieSuchen Sie zuerst den Satz, für den alle anderen Gründe liefern sollen. Dann prüfen Sie jede übrige Karte: Wird die Konklusion schwächer, wenn Sie die Karte streichen?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDer Richter schließt vom fehlenden Vertragswort über die gewöhnliche Bedeutung und den Bau des Burritos auf das Ergebnis. Wie es zum Prozess kam und wie ein Burrito schmeckt, trägt dabei nichts.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 8 · Auswählen Als Anwalt von Panera noch einmal ansetzen
Weiter zum Teil »Anwenden« →Panera hat verloren. Angenommen, Sie wären der Anwalt und dürften gegen das Argument des Richters noch einmal ansetzen, mit dem Raster der siebten Etappe von Band I. Welcher der vier Einwände trifft eine Stelle des Arguments, und welche?
Hinweis 1 von 2 · StrategieGehen Sie das Raster durch: Trifft der Beitrag die Sache? Wenn ja, an welcher Adresse: an einer Prämisse, am Übergang oder als eigenes Argument gegen die Konklusion?
Hinweis 2 von 2 · InhaltNur einer der vier Beiträge nennt eine Prämisse und einen Grund, an ihr zu zweifeln. Die anderen bestreiten die Konklusion, reden über die Person oder beginnen ein eigenes Argument, ohne es zu führen.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Anwenden
2 Aufgaben · etwa 25 MinutenJetzt wenden Sie das Werkzeug selbst an, meist an neuem Material. Hier zeigt sich, ob Sie es allein gebrauchen können.
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Aufgabe 9 · Im Text markieren Den Klassenchat ohne »fair« lesen
Weiter zu Aufgabe 10 →Ein Klassenchat nach der Mathematikklausur, sinngemäß. Sperren Sie das Wort »fair« samt seinem Gegenteil und markieren Sie die Beiträge, die dann noch übrig bleiben: Sätze, über die die beiden wirklich uneins sind.
Hinweis 1 von 2 · StrategieSortieren Sie die Zeilen in drei Stapel: Tatsachen, die beide bestätigen; Sätze über das Wort; und Sätze darüber, was eine Klausur tun darf. Nur der letzte Stapel überlebt die Sperre.
Hinweis 2 von 2 · InhaltZwei Zeilen bleiben übrig, Lenas Regel und Jonas' Regel, und sie widersprechen sich ohne das Wort »fair«. Die Stunde und der Lernzettel sind unstrittig, »Unfair bleibt unfair« wiederholt nur das Wort, und der letzte Satz redet über Lena.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
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Aufgabe 10 · Text schreiben · etwa 20 Minuten Zählt das Hörbuch als Lesen?
Führen Sie die Sperrprobe durch: Sperren Sie »lesen« und schreiben Sie auf, was die Lehrerin und was der Schüler dann noch behaupten. Stellen Sie fest, was vom Streit übrig bleibt, und entscheiden Sie mit Begründung, ob es ein Wortstreit oder ein Sachstreit ist. Hier hängt am Wort etwas, nämlich eine Note: Schlagen Sie vor, wie die Lehrerin die Grenze des Wortes für diese Aufgabe festlegen sollte, und begründen Sie das mit dem Zweck der Aufgabe, nicht mit dem Wörterbuch. Schreiben Sie zum Schluss in einem Satz, was Ihre Festlegung den Schüler kostet oder ihm bringt, und ob Sie sie ihm ins Gesicht sagen könnten.
Über die Ferien sollte die Klasse einen Roman lesen; in der ersten Stunde danach gibt es ein Gespräch darüber, und ein Lesetagebuch wird benotet. Ein Schüler hat den Roman als Hörbuch gehört, neun Stunden lang, kennt jede Figur und jede Wendung und hat das Tagebuch geführt. Die Lehrerin: »Das war nicht Lesen. Das Tagebuch zählt nicht.« Der Schüler: »Ich habe das Buch von vorn bis hinten aufgenommen, das ist Lesen.« Beide sind sich einig: Er kennt den Inhalt genau, er hat keinen einzigen gedruckten Satz entziffert, und die Aufgabe hieß »Lest den Roman«.
Woran ich Ihren Text messe- Beide Seiten ohne das Wort Die Lehrerin und der Schüler sagen, was sie über die Sache behaupten, ohne »lesen« und ohne ein Ersatzwort dafür.
- Was übrig bleibt Der Text sagt, worüber die beiden nach der Sperre noch uneins sind, und worüber nicht.
- Wortstreit oder Sachstreit, begründet Die Einordnung folgt aus dem, was die Sperrprobe übrig gelassen hat, und wird begründet.
- Festlegung für den Zweck Der Vorschlag, wie weit »lesen« in dieser Aufgabe reichen soll, wird mit dem Zweck der Aufgabe begründet, nicht mit einer Wörterbuch-Bedeutung.
- Folgen und Ehrlichkeit Der Schlusssatz nennt, was die Festlegung den Schüler kostet oder ihm bringt, und ob man sie ihm ins Gesicht sagen könnte.
Formulierungshilfen
- »Ohne das Wort ›lesen‹ behauptet die Lehrerin: … Der Schüler behauptet: …«
- »Über … sind beide einig. Übrig bleibt die Frage, …«
- »Das ist ein …streit, weil nach der Sperrprobe …«
- »Für diese Aufgabe sollte ›lesen‹ … umfassen, denn die Aufgabe sollte …«
- »Diese Festlegung kostet den Schüler … / bringt ihm …, und ich könnte sie ihm sagen, weil …«
0 Wörter · empfohlen 150 bis 350 Wörter · bitte keine echten Namen nennen
SelbstkontrolleLesen Sie Ihren Entwurf gegen jedes Kriterium und halten Sie fest, wie weit er es erfüllt.
- Beide Seiten ohne das Wort
- Was übrig bleibt
- Wortstreit oder Sachstreit, begründet
- Festlegung für den Zweck
- Folgen und Ehrlichkeit
Ohne Anmeldung bleibt Ihr Text als Entwurf in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang und vorliegender Einwilligung erhalten Sie zu diesem Text eine Rückmeldung zu jedem Kriterium und können ihn danach überarbeiten.
Hinweis 1 von 2 · StrategieSchreiben Sie zuerst die beiden Sätze ohne das Wort auf, bevor Sie urteilen. Fragen Sie dann: Widersprechen sich die beiden Sätze in einer Tatsache, in einem Sollen, oder gar nicht?
Hinweis 2 von 2 · InhaltÜber die Tatsachen sind beide einig. Was bleibt, ist der Zweck der Aufgabe, und danach richtet sich die Grenze des Wortes. Vergessen Sie nicht, wer die Unschärfe hätte beseitigen können: Die Aufgabe sagte nichts über Hörbücher.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Haben Sie Ihren Text in der Selbstkontrolle Kriterium für Kriterium geprüft, übertragen Sie die fertige Fassung ins Heft.
Weiter zu Schritt 4: Ihre These →
Ihre These wieder aufnehmen
etwa 15 MinutenWorum es hier geht
Am Ende des Schuljahres sitzen Sie beim Pausenhofprojekt »Change my Mind« hinter Ihrer eigenen These und verteidigen sie gegen jeden, der sich an Ihren Tisch setzt. In dieser Etappe entscheiden Sie, ob Ihre These vom letzten Jahr wieder auf den Tisch kommt oder ob Sie eine neue wählen. Jede weitere Etappe des Bandes prüft sie dann mit einem neuen Werkzeug.
Ihre These aus Band I steht auf der Tischkarte aus der Werkstatt des Kurses »Argumentieren«, in der Aufgabe »Ihre Tischkarte für das Pausenhof-Finale«. Legen Sie sie neben sich, bevor Sie beginnen.
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Aufgabe 11 · Für die Mappe schreiben · etwa 15 Minuten Das Streitwort der eigenen These sperren
Ihre These aus dem ersten Band kommt in diesem Jahr wieder auf den Tisch, oder Sie wählen eine neue; entscheiden Sie das jetzt und schreiben Sie die These in einem Satz auf. Suchen Sie dann das Wort in Ihrer These, an dem der Streit am Tisch am ehesten hängen bleibt; bei mir waren es »Meinung« und »strittig«. Sperren Sie es und schreiben Sie die These ohne dieses Wort neu, so, dass darin steht, was Sie meinen. Stellen Sie sich dann Ihren schärfsten Gast vor: Widerspricht er auch der neuen Fassung? Wenn ja, wissen Sie jetzt, worum es geht, und Ihr Argument aus dem ersten Band hat eine Adresse. Wenn nein, stand ein Wortstreit auf Ihrem Plakat, und die neue Fassung ist Ihre These. Heben Sie beide Fassungen auf; die Werkstatt am Ende des Bandes macht aus dem gesperrten Wort einen geklärten Begriff.
Schreiben Sie auf ein eigenes Blatt für Ihre Mappe oder in Ihre Notiz »Change my Mind«, unter die Überschrift »Band II, Etappe 1«. Spätere Etappen holen es wieder hervor.
Weiter zu Schritt 5: Rückblick →
Zurück zur Ausgangsfrage
5 MinutenIst ein Burrito ein Sandwich? Sie haben eine Antwort, bevor Sie die Frage zu Ende gelesen haben. Im Herbst 2006 brauchte ein Gericht in Massachusetts mehrere Seiten dafür, und dabei wusste jeder im Saal genau, woraus ein Burrito besteht und woraus ein Sandwich. Über keine einzige Tatsache waren die Parteien uneins. Worüber haben sie dann gestritten?
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- Lesen Sie die Frage und Ihre erste Antwort noch einmal und schreiben Sie darunter, wie Sie jetzt antworten würden. Hat sich etwas geändert, nennen Sie den Gedanken, der Sie umgestimmt hat.
- Schätzen Sie ein, wie sicher Sie das Lernziel jetzt beherrschen, und notieren Sie einen Gedanken zur Frage »Zum Weiterdenken«.
- Schließen Sie die Etappe ab. Der Haken erscheint dann im Lernpfad des Kurses. Wenn Sie angemeldet sind, geht mit dem Abschluss Ihre Antwort an mich. Was offen geblieben ist, bringen Sie in die Doppelstunde mit.
Ihre Bilanz
In dieser Etappe haben Sie noch keine Aufgabe bearbeitet. Zu den Aufgaben →
Sie können einen Wortstreit von einem Sachstreit unterscheiden: Sie sperren das strittige Wort, lassen beide Seiten sagen, was sie meinen, und sehen nach, ob ein Streit über Tatsachen oder über das, was sein soll, übrig bleibt. Und Sie wissen, was zu tun ist, wenn an dem Wort etwas hängt: Seine Grenze wird nicht entdeckt, sondern für einen Zweck festgelegt, mit Gründen.
Wie sicher fühlen Sie sich damit jetzt?
Denken Sie an Ihren Tisch beim Finale zurück, oder an den letzten Streit, den Sie zu Hause geführt haben. Wäre er nach der Sperrprobe noch da gewesen? Und wenn nicht: Hätten Sie das damals lieber gewusst, oder hätte es Ihnen den Streit verdorben?
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