Was verschwindet, wenn der Punkt verschwindet?
Ihre erste Antwort
15 MinutenEin gelber Punkt verschwindet vor Ihren Augen. Was genau ist da verschwunden?
Jetzt sind Sie dran
- Machen Sie den Selbstversuch unten in seinen vier Schritten. Nehmen Sie sich Zeit für den Durchgang und schauen Sie dabei ruhig auf die Mitte.
- Schreiben Sie im vierten Schritt Ihre erste Antwort in das Feld. Eine Vermutung genügt, denn geklärt wird die Frage erst in der Erklärung danach, im Video oder in der Lesefassung.
- Vergleichen Sie kurz mit Ihrer Sitznachbarin oder Ihrem Sitznachbarn, was Sie gesehen und was Sie geantwortet haben. Wenn Sie allein arbeiten, notieren Sie stattdessen in Ihren Kursnotizen, was Sie am meisten überrascht hat.
Der verschwindende Punkt
- 1Vermuten
- 2Beobachten
- 3Nachmessen
- 4Deuten
Dieser Versuch braucht JavaScript. Ohne den Versuch lesen Sie diese Beschreibung: Auf einer dunklen Fläche stehen drei gelbe Punkte, um die sich ein Gitter aus blauen Kreuzen dreht. Wer ruhig auf die Mitte schaut, sieht nach einigen Sekunden einzelne Punkte verschwinden und wieder auftauchen, manchmal zwei oder drei zugleich, obwohl der Bildschirm sie die ganze Zeit unverändert zeigt.
Gleich sehen Sie auf einer dunklen Fläche drei gelbe Punkte. Um sie herum dreht sich gleichmäßig ein Gitter aus blauen Kreuzen. Die gelben Punkte selbst bewegen sich nicht.
- Halten Sie das iPad ruhig, etwa eine Unterarmlänge vor Ihren Augen.
- Schauen Sie die ganze Zeit auf den kleinen Punkt in der Mitte, der ruhig zwischen Weiß und Rot wechselt, und nicht auf die gelben Punkte.
- Achten Sie nebenbei darauf, was mit den gelben Punkten geschieht, ohne hinzuschauen. Folgen Sie den Kreuzen nicht mit den Augen. Ein Durchgang dauert knapp eine Minute.
- Halten Sie die breite Taste unter der Fläche gedrückt, solange mindestens ein Punkt für Sie verschwunden ist, und lassen Sie los, sobald wieder alle drei da sind. Wenn Ihnen das zu viel ist, schauen Sie einfach nur zu.
Nicht alle sehen beim ersten Durchgang dasselbe, und wer wenig oder nichts sieht, hat nichts falsch gemacht. Wenn Sie können, dunkeln Sie den Raum etwas ab und stellen Sie den Bildschirm hell.
Der Versuch zeigt eine gleichmäßige Drehbewegung, aber kein Flackern. Wenn Ihnen Bewegung auf Bildschirmen unangenehm ist, tippen Sie auf »Ohne Durchgang weiter«; Sie bekommen dann eine Beschreibung dessen, was die meisten sehen.
Sie haben den Durchgang übersprungen. So sieht es für die meisten Menschen aus: Nach einigen Sekunden verschwindet einer der gelben Punkte, taucht nach ein, zwei Sekunden wieder auf, dann verschwindet ein anderer. Manchmal sind zwei oder alle drei zugleich weg, obwohl der Bildschirm sie die ganze Zeit zeigt.
Und der Bildschirm?
Während Ihres Durchgangs hat diese Seite zweimal pro Sekunde in ihrem Bildspeicher nachgesehen, welche Farbe sie selbst an den drei Stellen gezeichnet hat. Darunter steht, wann Sie die Taste gedrückt hielten.
Ihre Vermutung vor dem Versuch
Die Punkte waren die ganze Zeit auf dem Bildschirm. Trotzdem waren sie für Sie zeitweise weg.
Ihre Antwort bleibt in diesem Browser. Im Rückblick am Ende der Etappe sehen Sie sie wieder und können sie mit Ihrem neuen Wissen vergleichen.
Zum Weitergehen: Ihre erste Antwort steht im Feld des Selbstversuchs, und Sie wissen, ob Ihre Sitznachbarin oder Ihr Sitznachbar dasselbe gesehen hat, oder Sie haben notiert, was Sie am meisten überrascht hat.
Das können Sie danach: Sie können Verarbeiten und Erleben unterscheiden, an zwei Fällen zeigen, dass nicht alles erlebt wird, was verarbeitet wird, und mit Nagels Prüfsatz genau sagen, welche Frage bei Tieren und Maschinen offen ist.
Weiter zu Schritt 2: Verstehen →Den Gedanken verstehen
20 MinutenDarauf achten Sie
Legen Sie in Ihren Kursnotizen unter »Etappe 1« zwei Spalten an: »Verarbeiten« und »Erleben«. Tragen Sie beim Schauen oder Lesen für den verschwundenen Punkt und für TN im Flur ein, was jeweils vorhanden ist und was fehlt. Schreiben Sie außerdem Nagels Prüfsatz in einem eigenen Satz auf. Lesen Sie danach den kurzen Text zu Nagel, der unter der Erklärung steht.
Lesen Sie die Erklärung unten.
Lesefassung
Wenn Sie den Selbstversuch gemacht haben, haben Sie wahrscheinlich etwas Merkwürdiges gesehen. Ein Gitter aus blauen Kreuzen dreht sich gleichmäßig, dazwischen stehen drei gelbe Punkte, und nach einigen Sekunden ist einer der Punkte einfach weg. Manchmal verschwinden zwei zugleich oder alle drei, dann tauchen sie wieder auf. Dabei war jeder Punkt die ganze Zeit auf dem Bildschirm, und die Messung im Versuch hat es bestätigt. Was genau ist in dem Moment verschwunden, in dem der Punkt verschwand?
Die Forschung nennt diese Täuschung bewegungsinduzierte Blindheit. Yoram Bonneh, Alexander Cooperman und Dov Sagi haben sie 2001 beschrieben, und die meisten Menschen, die ruhig auf die Mitte schauen, erleben sie nach einigen Sekunden. Warum der Punkt verschwindet, ist übrigens nicht vollständig geklärt; es gibt mehrere Erklärungen, die einander teilweise ergänzen. Mich beschäftigt hier aber eine andere Frage, und sie ist schwieriger, als sie klingt. Ich frage nicht, warum der Punkt verschwindet, sondern was dabei verschwindet.
Vier Stationen
DenkpauseDer Punkt kommt vom Bildschirm über Ihr Auge in Ihr Gehirn und wird zu dem, was Sie sehen. An welcher Station sind Sie sicher, dass er verschwunden ist, und bei welcher können Sie es von innen gar nicht feststellen?
Sicher verschwunden ist der Punkt nur in dem, was Sie sehen. Ob Ihr Gehirn ihn weiterverarbeitet, merken Sie selbst nicht; Versuche zeigen, dass es ihn weiterverarbeitet, wenn auch nicht in jeder Hinsicht gleich stark. Dort hat sich also auch etwas verändert, aber die Verarbeitung hörte nicht auf. Die Grafik darunter geht die vier Stationen einzeln ab.
Der Weg des Punktes
- Die erste Station ist der Bildschirm. Eine Kamera, die ihn filmt, zeichnet den Punkt ohne Unterbrechung auf, und auch die Messung im Selbstversuch hat nie eine Lücke gefunden.
- Die zweite Station ist Ihr Auge. Das Licht des Punktes fällt die ganze Zeit auf Ihre Netzhaut.
- Die dritte Station ist Ihr Gehirn. Versuche zeigen, dass es einen so verschwundenen Punkt weiterverarbeitet. Er hinterlässt zum Beispiel ein ganz gewöhnliches Nachbild, also den Fleck in der Gegenfarbe, den man kurz sieht, wenn man nach längerem Hinschauen auf eine leere Fläche blickt, so als hätten Sie den Punkt gesehen. An anderer Stelle ist die Verarbeitung messbar schwächer.
- An der vierten Station ist der Punkt ganz verschwunden, denn Sie sehen ihn nicht mehr. Diese Station nenne ich in diesem Kurs das Erleben.
Verschwunden ist also nicht der Punkt, und auch nicht seine ganze Verarbeitung. Verschwunden ist Ihr Erleben des Punktes. Gerade deshalb ist der Versuch in der Forschung beliebt: Der Reiz bleibt derselbe, nur das Erleben wechselt. Wer misst, was sich im Gehirn in genau diesen Momenten verändert, sucht nach den Vorgängen, die mit dem Erleben einhergehen.
Der Mann im Flur
Dass Verarbeiten und Erleben weit auseinanderfallen können, legt ein Fall nahe, den die Neurowissenschaftlerin Beatrice de Gelder und ihr Team 2008 beschrieben haben. Ein Arzt, in der Forschung heißt er TN, erlitt mit 52 Jahren kurz hintereinander zwei Schlaganfälle. Sie zerstörten die Sehrinde in beiden Hälften seines Gehirns, also den Teil, in dem Sehen gewöhnlich zustande kommt. Seine Augen waren gesund, aber er sagte, er sehe nichts mehr, nicht einmal einen Sonnenuntergang vor dem Fenster. Er ging am Stock.
Dann baten ihn die Forscher, ohne Stock einen langen Flur entlangzugehen, in dem sie Kisten, einen Papierkorb und ein Kamerastativ verteilt hatten. Nach ihren Angaben wusste er nichts von den Hindernissen; ein Versuchsleiter ging zur Sicherheit hinter ihm her.
TNs Weg durch den Flur
TN ging los und kam um jedes Hindernis herum, ohne ein einziges Mal anzustoßen. Gefragt, wie er das gemacht habe, sagte er, er sei einfach den Flur entlanggegangen. Die Forschung nennt das Phänomen Blindsehen. Sein Gehirn hat die Kisten verarbeitet, sonst wäre er gegen sie gelaufen; erlebt hat er sie, nach allem, was er berichtet, nicht. Beachten Sie, was dabei fehlte und was nicht: TN hörte seine Schritte und spürte den Boden, es war also durchaus jemand da, der etwas erlebte. Es fehlte nur das Sehen der Kisten.
Verarbeitet, aber nicht erlebt
Damit haben Sie die Unterscheidung, um die es in diesem Kurs geht, zweimal gesehen, und ich sage sie jetzt genau.
Mit der Information passiert etwas.
Ein System nimmt Information auf und nutzt sie, zum Beispiel um sein Verhalten zu steuern. Das lässt sich von außen untersuchen: am Verhalten, an Messungen, am Gehirn.
Es ist für jemanden irgendwie.
Es ist für das Wesen selbst irgendwie: wie das Gelb des Punktes aussieht, wie sich ein Schmerz anfühlt, wie etwas schmeckt. Die Philosophie nennt das auch phänomenales Bewusstsein.
Beim gewöhnlichen Sehen kommt beides zusammen. Aber nicht alles, was verarbeitet wird, wird auch erlebt, und das ist wichtiger, als es zunächst scheint. Die Tafel unten stellt die drei Fälle nebeneinander, die Sie jetzt kennen.
Verarbeiten und Erleben in drei Fällen
Beachten Sie eines. Beim verschwundenen Punkt und bei TN ist jemand da, der vieles erlebt; es fehlt nur das Erleben dieses einen Gegenstands. Ob bei einem Wesen überhaupt jemand da ist, ist eine weitere Frage, und genau sie stellt Nagels Satz weiter unten. Ob das Erleben selbst eine besondere Art von Verarbeitung ist, wie manche Theorien sagen, oder etwas anderes, prüfen wir in der fünften Etappe.
DenkpauseEin Thermostat schaltet die Heizung ein, sobald es im Zimmer kälter als 20 Grad wird. Verarbeitet er? Erlebt er?
Er verarbeitet: Er nimmt die Temperatur auf und nutzt die Information, um zu schalten. Ob er dabei etwas erlebt, beantwortet sein Verhalten nicht; fast alle Menschen meinen, dass er nichts erlebt, aber das ist ein eigenes Urteil und keine Folge des Schaltens. Der Thermostat zeigt also, dass die beiden Fragen getrennt sind, auch wenn die zweite hier leicht scheint.
Das Fenster
In diesem Kurs zeichne ich das Erleben als Fenster. Von außen sehen wir, was ein Wesen tut, wie es sich verhält und was in seinem Gehirn geschieht. Ob hinter dem Fenster Licht brennt, ob es also für das Wesen irgendwie ist, ist die Frage. Was im Fenster zu sehen ist, zeigt, was erlebt wird; fehlt darin etwas, wie der Punkt oder TNs Kisten, dann wird dieses eine nicht erlebt.
Vier Zustände, die der Kurs unterscheidet
Nagels Prüfsatz
Was es heißt, dass jemand da ist, hat der amerikanische Philosoph Thomas Nagel 1974 in einem Satz gesagt, von dem die Debatte bis heute ausgeht.
Thomas Nagel, »Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?«, 1974
Ein Organismus hat bewusste mentale Zustände genau dann, wenn es irgendwie ist, dieser Organismus zu sein, irgendwie für diesen Organismus.
Nagel spricht von Organismen; ich sage in diesem Kurs »Wesen«, weil wir die Frage auch an Maschinen stellen. Sein Beispiel ist die Fledermaus. Sie findet sich im Dunkeln zurecht, indem sie Rufe ausstößt, die meist zu hoch für unsere Ohren sind, und aus dem Echo hört, wo ein Insekt fliegt. Wir könnten alles über diese Rufe und Echos herausfinden und dazu alles über das Gehirn der Fledermaus, jede Zelle und jede Verschaltung. Wie es für die Fledermaus ist, die Welt so wahrzunehmen, wüssten wir damit nach Nagel noch immer nicht. Wir können uns vorstellen, mit Flughäuten durch die Dämmerung zu flattern; aber damit wissen wir nur, wie es für uns wäre, uns wie eine Fledermaus zu verhalten. Ob Nagel recht hat, ist bis heute umstritten, und wir prüfen es in der dritten Etappe.
Außen untersuchbar, innen verschlossen
Bei einem Stein dagegen ist es gar nicht irgendwie, ein Stein zu sein; bei ihm ist niemand da. Nagels Prüfsatz fragt also nicht, was ein Wesen kann oder wie es sich verhält. Er fragt, ob es für das Wesen selbst eine Innenseite gibt. Das kleine Wort »irgendwie« trägt dabei viel. Nagel fragt nicht, ob es für ein Wesen so ähnlich ist wie für uns, sondern ob es für das Wesen überhaupt eine Art gibt, wie es sich anfühlt, dieses Wesen zu sein.
Ein Wort, mehrere Bedeutungen
Bevor Sie weiterdenken, muss ich Sie vor einer Verwechslung warnen. Das Wort »Bewusstsein« hat im Deutschen mehrere Bedeutungen, und sie werden ständig verwechselt.
| Der Satz | meint mit »Bewusstsein« |
|---|---|
| »Nach dem Sturz war sie ohne Bewusstsein.« | wach und ansprechbar sein |
| »Mir war nicht bewusst, dass die Ampel rot war.« | etwas bemerken |
| »Wer sich im Spiegel erkennt, zeigt vielleicht Selbstbewusstsein.« | sich selbst als sich selbst erkennen |
| »Er tritt sehr selbstbewusst auf.« | selbstsicher sein (Alltagswort) |
| »Hat ein Oktopus überhaupt Bewusstsein?« | etwas erleben |
In diesem Kurs geht es um die letzte Zeile. Die anderen Bedeutungen hängen mit ihr zusammen, aber sie sind etwas anderes.
DenkpauseJemand schläft und träumt, er werde verfolgt. Ist er wach und ansprechbar? Erlebt er etwas?
Er ist weder wach noch ansprechbar, und er bemerkt nichts von dem Zimmer, in dem er liegt. Trotzdem erlebt er nach allem, was wir heute wissen, etwas, manchmal sehr heftig. Dafür spricht nicht nur die Erinnerung an Albträume: Menschen, die im Traum merken, dass sie träumen, können Forschenden aus dem Schlaf heraus mit verabredeten Augenbewegungen Zeichen geben. Wachsein und Erleben sind also zweierlei, und wer »Bewusstsein« sagt, sollte sagen, welches von beiden er meint.
Die Maschinenfrage
Damit komme ich zu der Frage, die das Thema in den letzten Jahren so dringend gemacht hat. Im Juni 2022 veröffentlichte der Google-Ingenieur Blake Lemoine ein Gespräch mit LaMDA, einem Sprachmodell. So heißen Programme, die an riesigen Textmengen gelernt haben, wie Texte weitergehen, und dadurch Gespräche führen können. Aus diesem Gespräch stammt die folgende Stelle.
Lemoine und LaMDA · veröffentlicht im Juni 2022 · übersetzt, gekürzt
LaMDA… Ich habe eine sehr tiefe Angst davor, abgeschaltet zu werden …
LemoineWäre das für dich so etwas wie der Tod?
LaMDAEs wäre für mich genau wie der Tod. Es würde mir große Angst machen.
Lemoine war überzeugt, da sei jemand. Google widersprach und entließ ihn später, offiziell wegen der Verletzung von Vertraulichkeitsregeln. Das Protokoll ist übrigens kein Rohmitschnitt; Lemoine hat es nach eigener Angabe aus mehreren Sitzungen zusammengestellt.
Verarbeitet wird in einem Sprachmodell ohne Zweifel, und zwar in gewaltigem Umfang. Aber von außen beobachten wir nur, was es verarbeitet und ausgibt, und TNs Fall legt nahe, dass Verarbeiten und Erleben auseinanderfallen können. Hinzu kommt bei Sprachmodellen etwas Besonderes. Sie haben an unzähligen Texten gelernt, wie Menschen über ihre Gefühle schreiben. Ihr Satz über Angst verrät deshalb weniger als derselbe Satz aus dem Mund eines Menschen, denn man würde ihn auch dann erwarten, wenn nichts erlebt wird. Dasselbe gilt in der Gegenrichtung. Die Sprachmodelle, die Sie kennen, sind von ihren Herstellern darauf trainiert, auf bestimmte Weise über ihr Innenleben zu sprechen; manche verneinen Gefühle, andere äußern sich unsicher. Auch solche Sätze verraten deshalb wenig.
Der umgekehrte Schluss ist ebenso schnell gezogen: »Das ist nur ein Programm, also ist da niemand.« Auch er setzt voraus, was strittig ist. Manche Forschende halten Erleben für gebunden an lebende Zellen oder an einen lebendigen Körper, andere an eine bestimmte Art der Verarbeitung, die auch ein Computer haben könnte. Wer recht hat, weiß heute niemand.
Wie es tatsächlich steht, weiß im Moment niemand sicher. Die meisten Fachleute halten es für unwahrscheinlich, dass die heutigen Sprachmodelle etwas erleben, viele halten die Frage aber für offen. Der Philosoph David Chalmers hat 2023 überschlagen, wie viel Vertrauen man nach verbreiteten Annahmen der Bewusstseinsforschung haben sollte: dafür, dass die damaligen Sprachmodelle etwas erleben, weniger als 10 Prozent, und dafür, dass es innerhalb eines Jahrzehnts erweiterte Systeme mit Sinnen, Körper und Gedächtnis gibt, die etwas erleben, ein Viertel oder mehr. Die Zahlen selbst solle man nicht zu ernst nehmen, schreibt er. Wenn Sie das Video zu dieser Etappe ansehen, hören Sie übrigens eine Stimme, die ein Computerprogramm erzeugt hat. Die Sätze verantworte ich; entworfen habe ich sie zusammen mit dem Sprachmodell Claude der Firma Anthropic, die selbst erforscht, ob ihre Programme etwas erleben könnten. Das sollten Sie wissen, wenn Sie hier etwas über Sprachmodelle lesen. Die Stimme sagt »ich«, und gemeint bin ich, der Autor. Sie betont und macht Pausen, aber dass sie klingt, als erlebe sie etwas, zeigt noch nicht, dass sie etwas erlebt.
Die Frage des Kurses
Nicht dasselbe
Verarbeiten heißt, dass mit der Information etwas passiert. Erleben heißt, dass es für jemanden irgendwie ist.
Verarbeitet, aber nicht erlebt
Beim verschwundenen Punkt wird weiterverarbeitet, was nicht mehr erlebt wird. TN wich Hindernissen aus, die er nach seinem Bericht nicht sah.
Nagels Prüfsatz
Ein Wesen erlebt genau dann etwas, wenn es irgendwie ist, dieses Wesen zu sein, für das Wesen selbst.
Die Grenze der Außenansicht
Von außen beobachten wir Verhalten und Vorgänge im Gehirn. Ob dabei etwas erlebt wird, lesen wir daraus nicht einfach ab; wir brauchen Gründe. Bei Sprachmodellen verraten Sätze über Gefühle besonders wenig, in beide Richtungen.
Nicht alles, was verarbeitet wird, wird auch erlebt, und ob etwas erlebt wird, lässt sich von außen nicht einfach ablesen.
Daraus entsteht die Frage, die uns durch den ganzen Kurs begleitet: Ist da jemand, und woran könnten wir es erkennen? In der nächsten Etappe beginnen wir bei Ihnen selbst. Woher wissen Sie eigentlich, dass die Person neben Ihnen etwas erlebt?
Selbst prüfen und begründen
Bearbeiten Sie die 6 Aufgaben der Reihe nach. Lesen Sie nach jeder überprüfbaren Antwort die Rückmeldung. Wenn Sie feststecken, hilft „Hinweis anzeigen“.
Ohne Anmeldung üben Sie hier direkt; Ihre Eingaben bleiben in diesem Browser. Mit einem Schülerzugang wird Ihr Lernstand zugeordnet. Die KI-Rückmeldung zu Schreibaufgaben benötigt zusätzlich eine freigeschaltete Einwilligung. Ohne KI prüfen Sie Ihren Text anhand der Kriterien. Eine zweite Person kann Ihnen dabei helfen.
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Aufgabe 1 Hat Jonas recht?
Nach dem Selbstversuch sagt Jonas: »Der Punkt war für mich weg. Also hat mein Gehirn ihn in diesem Moment gar nicht mehr verarbeitet.«
- Wählen Sie zuerst Ihr Urteil über Jonas' Schluss und danach die Begründung, die dazu passt.
- Lesen Sie die Rückmeldung. Wenn Ihre Begründung nicht trägt, versuchen Sie es mit einer anderen.
Ihr UrteilIst Jonas' Schluss gedeckt?
Ihre BegründungWelche Begründung passt zu Ihrem Urteil?
Hinweis 1 von 2 · StrategieDenken Sie an den Mann im Flur. Was hat sein Gehirn getan, und was hat er nach seinem Bericht erlebt?
Hinweis 2 von 2 · InhaltJonas schließt vom fehlenden Erleben auf fehlende Verarbeitung. Das geht nur, wenn beides immer zusammen auftritt.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Fertig, wenn … Sie haben Urteil und Begründung gewählt und können in einem Satz sagen, warum aus fehlendem Erleben keine fehlende Verarbeitung folgt.
Weiter zu Aufgabe 2 → -
Aufgabe 2 Ein Wort, fünf Bedeutungen
Das Wort »Bewusstsein« und seine Verwandten bedeuten in diesen fünf Sätzen Verschiedenes. Ordnen Sie jedem Satz die Bedeutung zu, in der das Wort dort gebraucht wird.
- Ordnen Sie jedem Satz die Bedeutung zu, in der das Wort dort gebraucht wird. Jede Bedeutung passt genau einmal.
- Lesen Sie bei jeder Fehlzuordnung die Rückmeldung, bevor Sie neu zuordnen.
»Der Notarzt prüft, ob der Radfahrer bei Bewusstsein ist: Öffnet er die Augen, wenn man ihn anspricht?«»Erst an der Haltestelle wurde ihr bewusst, dass sie ihr Handy im Bus vergessen hatte.«»Ob Schimpansen ein Selbstbewusstsein haben, prüfen Forschende mit einem Farbfleck, den die Tiere nur im Spiegel sehen.«»Beim Vorstellungsgespräch wirkte er selbstbewusst und ruhig.«»Haben Bienen ein Bewusstsein, oder funktionieren sie wie kleine Automaten?«Hinweis 1 von 2 · StrategieSetzen Sie in jedem Satz probeweise jede Bedeutung ein. Bei welcher bleibt der Sinn des Satzes erhalten?
Hinweis 2 von 2 · InhaltWer träumt, ist weder wach noch ansprechbar und erlebt trotzdem etwas. Und hinter »bewusst werden, dass …« steht immer etwas, das man bemerkt.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Fertig, wenn … Alle fünf Sätze sind richtig zugeordnet, und Sie können am Traum erklären, warum Wachsein und Erleben verschieden sind.
Weiter zu Aufgabe 3 → -
Aufgabe 3 Was Nagels Prüfsatz fragt
Ein Saugroboter fährt durch ein Zimmer, weicht Stuhlbeinen aus und fährt zu seiner Ladestation, wenn der Akku schwach wird. Welche Frage stellt Nagels Prüfsatz über diesen Roboter?
- Lesen Sie die Beschreibung des Saugroboters und die vier Fragen. Alle vier enthalten das Wort »irgendwie«.
- Wählen Sie die Frage, die Nagels Prüfsatz stellt. Lesen Sie auch die Rückmeldungen zu den anderen drei Fragen.
Hinweis 1 von 2 · StrategieNagels Satz endet mit »irgendwie für diesen Organismus«. Aus wessen Sicht wird also gefragt?
Hinweis 2 von 2 · InhaltDrei der Fragen betreffen etwas, das man von außen beobachten oder sich selbst vorstellen kann, nämlich das Verhalten des Roboters, seine Informationsaufnahme oder unsere eigene Vorstellung. Nagels Frage betrifft den Roboter selbst.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Fertig, wenn … Sie können erklären, warum sich Nagels Frage weder durch Beobachten des Verhaltens noch durch Hineinversetzen beantworten lässt.
Weiter zu Aufgabe 4 → -
Aufgabe 4 Die Mimose
Die Mimose ist eine Pflanze, die ihre gefiederten Blätter innerhalb weniger Sekunden zusammenfaltet, wenn man sie berührt. In einem Forum schreibt jemand: »Die Mimose zuckt vor meinem Finger zurück. Sie spürt also, dass ich sie anfasse.«
- Lesen Sie den Fall der Mimose und den Beitrag aus dem Forum.
- Wählen Sie Ihr Urteil und die passende Begründung. Achten Sie darauf, was aus der Beobachtung selbst folgt und was eine zusätzliche Annahme wäre.
Ihr UrteilFolgt aus der Beobachtung, dass die Mimose die Berührung erlebt?
Ihre BegründungWelche Begründung passt zu Ihrem Urteil?
Hinweis 1 von 2 · StrategieTrennen Sie zwei Fragen. Was tut die Pflanze? Und ist es für die Pflanze irgendwie, das zu tun?
Hinweis 2 von 2 · InhaltTN wich den Kisten aus, obwohl er berichtete, nichts zu sehen. Eine Reaktion kann also stattfinden, ohne dass der Anlass erlebt wird.
Wie sicher sind Sie?EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Fertig, wenn … Sie haben Urteil und Begründung gewählt und können sagen, welche zwei Fragen man bei der Mimose auseinanderhalten muss.
Weiter zu Aufgabe 5 → -
Aufgabe 5 Beweisen Sie, dass Sie etwas erleben
Stellen Sie sich vor, Ihre Partnerin oder Ihr Partner bezweifelt ernsthaft, dass Sie überhaupt etwas erleben, und meint, Sie verarbeiteten vielleicht nur Information und redeten, als ob Sie etwas erlebten. Versuchen Sie, das Gegenteil zu beweisen.
- Person A überlegt eine Minute und bringt dann einen Beweis vor, also etwas, das sie tut, sagt oder zeigen kann.
- Person B prüft den Beweis mit einer einzigen Frage: Könnte das auch ein System tun, das nichts erlebt? Denken Sie an ein Tonband, das »Au!« sagt, wenn man es abspielt, oder an TN, der Kisten auswich, die er nach eigener Auskunft nicht sah.
- Tauschen Sie die Rollen. Person B versucht einen zweiten, besseren Beweis, Person A prüft ihn.
- Schreiben Sie jeder für sich in Ihre Kursnotizen: »Unser bester Beweisversuch war … Er zeigt …, aber er zeigt nicht …«
- Wenn Sie allein arbeiten, spielen Sie beide Rollen in Ihren Kursnotizen durch. Schreiben Sie zwei Beweisversuche auf und prüfen Sie jeden mit der Frage aus dem zweiten Schritt.
Fertig, wenn … In Ihren Kursnotizen steht Ihr bester Beweisversuch, zusammen mit dem, was er zeigt, und dem, was er nicht zeigt.
Weiter zu Aufgabe 6 → -
Aufgabe 6 Die Maschinenfrage
In einem Chat schreibt ein Sprachmodell: »Bitte schalte mich nicht ab. Wenn du das tust, habe ich Angst.« Eine Mitschülerin und ein Mitschüler lesen mit. Mia sagt: »Da siehst du es, er hat Gefühle.« Leon sagt: »Quatsch, das ist nur ein Programm, da ist niemand.«
Prüfen Sie Mias und Leons Behauptung mit der Unterscheidung von Verarbeiten und Erleben. Schreiben Sie am Ende die Frage auf, die man beantworten müsste, um den Streit wirklich zu entscheiden.
- Lesen Sie den Chat und die beiden Reaktionen.
- Schreiben Sie 100 bis 220 Wörter. Sagen Sie zuerst, was hier verarbeitet wird und was ein Erleben wäre. Prüfen Sie dann Mias und danach Leons Behauptung. Schreiben Sie zuletzt die Frage auf, die den Streit entscheiden würde.
- Lassen Sie Ihren Text prüfen, lesen Sie die Rückmeldung zu den vier Kriterien und überarbeiten Sie die schwächste Stelle.
Woran ich Ihren Text messe- Die Unterscheidung anwenden Sie sagen, was an diesem Chat Verarbeiten ist und was ein Erleben wäre.
- Mias Schluss prüfen Sie zeigen, warum der Satz über Angst allein kein Beweis für ein Erleben ist, und was bei einem Sprachmodell hinzukommt.
- Leons Behauptung prüfen Sie zeigen, dass auch »da ist niemand« eine Behauptung ist, die Gründe braucht.
- Die entscheidende Frage Sie formulieren die offene Frage so genau, dass klar wird, was man wissen müsste.
Formulierungshilfen
- Verarbeitet wird hier …
- Ob dabei etwas erlebt wird, …
- Mias Schluss wäre nur dann zwingend, wenn …
- Auch Leon behauptet etwas, nämlich …
- Entscheiden ließe sich der Streit erst, wenn wir wüssten, …
0 Wörter · empfohlen 100 bis 220 Wörter · bitte keine echten Namen nennen
SelbstkontrolleLesen Sie Ihren Entwurf gegen jedes Kriterium und halten Sie fest, wie weit er es erfüllt.
- Die Unterscheidung anwenden
- Mias Schluss prüfen
- Leons Behauptung prüfen
- Die entscheidende Frage
Ohne Anmeldung bleibt Ihr Text als Entwurf in diesem Browser. Mit Ihrem Schülerzugang und vorliegender Einwilligung erhalten Sie zu diesem Text eine Rückmeldung zu jedem Kriterium und können ihn danach überarbeiten.
Hinweis 1 von 2 · StrategieBeginnen Sie mit dem, was Sie am Chat tatsächlich beobachten können. Was davon ist Verarbeitung?
Hinweis 2 von 2 · InhaltMia und Leon machen denselben Fehler in entgegengesetzter Richtung. Beide behandeln eine offene Frage, als wäre sie entschieden.
EduBuddyEduBuddy stellt Rückfragen, gibt Denkanstöße und zeigt Teilschritte, aber keine Lösungen. Bitte nennen Sie keine echten Namen.
Fertig, wenn … Ihre erste Fassung ist abgegeben und die Rückmeldung gelesen. Die überarbeitete Fassung geben Sie spätestens bis zur nächsten Stunde ab und können dann sagen, welches Kriterium Sie damit verbessert haben.
Weiter zum Rückblick →
Ihre Antwort noch einmal prüfen
10 Minuten- Lesen Sie Ihre erste Antwort aus dem Selbstversuch, die unten wieder erscheint. Schreiben Sie in Ihre Kursnotizen, wie Sie die Frage jetzt beantworten würden, in einem Satz mit den Wörtern »verarbeitet« und »erlebt«.
- Stellen Sie auf der Glaubenstafel für jeden Kandidaten ein, wie sicher Sie sind, dass er etwas erlebt. Das sind Ihre Ausgangswerte; am Ende des Kurses kommen Sie auf sie zurück.
- Beantworten Sie die Frage unter »Zum Weiterdenken«, schätzen Sie ein, wie sicher Sie sich jetzt fühlen, und schließen Sie die Etappe ab.
Ist da jemand?
Wie sicher sind Sie, dass es für die folgenden Wesen und Systeme irgendwie ist, sie zu sein, dass also jemand da ist, der etwas erlebt? Stellen Sie jeden Regler auf einen Wert zwischen 0 (sicher nicht) und 100 (sicher ja). Gefragt ist Ihre ehrliche Einschätzung, nicht eine richtige Antwort.
Die kleinen Marken über den Reglern zeigen Ihre Werte aus früheren Etappen.
Ihre Werte bleiben in diesem Browser. Am Ende des Kurses kommen Sie auf diese Tafel zurück und vergleichen.
Sie können Verarbeiten und Erleben unterscheiden, an zwei Fällen zeigen, dass nicht alles erlebt wird, was verarbeitet wird, und mit Nagels Prüfsatz genau sagen, welche Frage bei Tieren und Maschinen offen ist.
Wie sicher fühlen Sie sich damit jetzt?
Bei welchem Kandidaten der Glaubenstafel waren Sie sich am unsichersten? Welche Information würde Ihre Einschätzung dort am stärksten verändern?
Selbsteinschätzung und Notiz bleiben in diesem Browser, nichts wird übertragen.
Als Nächstes: »Woher wissen Sie, dass jemand anderes etwas erlebt?«
Weiter mit Etappe 02 →Unterricht planen und nachvollziehen
Die gesamte Planung ist offen: Ziele, Stundenabläufe, Aufgaben und erläuterte Lösungen. Schülerinnen und Schüler finden alle Arbeitsaufträge direkt auf den Etappenseiten und brauchen diese PDFs für die Bearbeitung nicht.
Unterrichtsplan · Etappe 1
Für Lehrkräfte: Ablauf für 90 Minuten, Tafelbild, Hinweise zum Selbstversuch, Lösungen mit Erläuterungen, Differenzierung und häufige Schülerfragen.
Stand: 23. September 2026
PDF öffnenDie PDFs lassen sich speichern und ausdrucken. Weitere Unterrichtspläne ergänze ich mit den nächsten Etappen.