Projekt »Change my Mind« in der großen Pause
Am 28. Mai 2024 gehörte die erste Pause den Argumenten: Auf dem Pausenhof der Deutschen Schule La Paz fand das Projekt »Change my Mind« statt. Schüler der Klassen S5A1 und S5A2 verteidigten an eigens aufgestellten Tischen Thesen, die sie im Unterricht entwickelt hatten.
Das Format
Die Idee stammt vom gleichnamigen Internet-Meme: Jemand setzt sich mit einem Schild hinter einen Tisch, auf dem eine These steht, darunter die Einladung »Change my Mind«. Genau so lief es auch bei uns. Ein Tisch, ein Plakat, zwei Stühle: Wer sich setzt, versucht die Schüler umzustimmen, oder lässt sich selbst überzeugen. Verhandelt wird nur mit Argumenten.
Die Thesen wählten die Schüler selbst, und die Spannweite hätte größer kaum sein können: von »Sterbehilfe sollte legal sein« über »Diversität in Disney-Filmen ist gezwungen« bis zu »Pepsi ist besser als Coca-Cola« und »Taylor Swift is overrated«. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Wer bei der Cola-Frage übt, sauber zu begründen, kann es auch bei der Sterbehilfe. Und wer merkt, wie schwer schon die Pop-These zu verteidigen ist, unterschätzt die ernsten nicht mehr.
Eine These pro Tisch. Wer sich setzt, greift an; wer dahinter sitzt, verteidigt. Es zählen nur Argumente. Und umgestimmt zu werden ist keine Niederlage, sondern der Sinn der Sache.
Der Unterricht dahinter
Entstanden sind die Thesen in einer Unterrichtsreihe zum Argumentieren in Philosophie und Ethik. Das Handwerkszeug dafür, von der Struktur eines Arguments bis zu den typischen Fehlschlüssen, beschreibe ich im Beitrag zur logisch-semantischen Propädeutik.
Organisiert war die Reihe nach dem Flipped-Classroom-Konzept: Die Schüler erarbeiten sich die Grundlagen zu Hause mit digitalen Materialien im eigenen Tempo. Die Unterrichtszeit gehört dann der Anwendung, also Diskussionen, Übungen und der Vorbereitung der eigenen These. Die Pausenhof-Debatte war der öffentliche Ernstfall dieser Vorbereitung.
Was hängen bleibt
Das Projekt hat den Schülern erlaubt, Argumentation und kritisches Denken dort zu üben, wo es zählt: im echten Gespräch mit einem Publikum, das nicht zur Freundlichkeit verpflichtet ist. Sie mussten ihre Ideen logisch und überzeugend vertreten, zuhören und die Einwände ihrer Mitschüler ernst nehmen. Genau diese Mischung aus Standfestigkeit und Beweglichkeit macht gutes Argumentieren aus. Die Bilder zeigen, wie viel Leben in einer Pause stecken kann:



